KLAGENFURTER MESSE, KLAGENFURT

Offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Leon Christopher Schlesinger
Vinzent Wallner

mit Schremmer Jell ArchitektInnen

Statik: DI Peter Stippler

10|2024 – 02|2025

AUSZUG aus dem ERLÄUTERUNGSBERICHT

Städtebauliches Konzept

Als städtebaulicher Identifikationspunkt zeigt sich der Neubau selbstbewusst und elegant. Der dezent geschwungene Baukörper fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und widerspiegelt trotz der einfachen Gliederung eine gewisse mediterrane »Leichtigkeit«, die sich in Form von angedeuteten »Wellen&aquo; vielfältig wiederfinden, u.a. in der unregelmäßigen vertikalen Linierung der hochwertigen Fassadengestaltung des scheinbar schwebenden, abgerundeten Obergeschosses.
Städtebaulich positioniert sich der Neubau im Süden des Bauplatzes und lässt im Norden Freiraum für den Vorplatz mit gedecktem Entreé.
Dieser öffentliche Platz wird durch Halle 5 mit vorgestelltem Vordach im Osten und durch das neue Veranstaltungszentrum im Süden begrenzt. Nach Westen zur Sankt Ruprechter Straße öffnet sich der Platz. Die fünf Bestandsbäume verhindern »das räumliche Ausrinnen«. Nach Norden verjüngt sich der Platz und bildet die Eingangssituation auf das Messegelände. Es wird vorgeschlagen, die Fassade der Halle 5 soweit nötig zu sanieren und farblich zurückhaltend zu gestalten. Die vorhandenen Grünbeete sollen aktiviert, bepflanzt und vergrößert werden. Das neue Vordach steht über die gesamte Länge vor der Fassade von Halle 5. Ein gedecktes Entreé wird ermöglicht, Fahrräder und mobile Kassen können untergestellt werden. Auf dem Dach steht die Videowall und »KÄRTNER MESSEN«.
Das neue Veranstaltungszentrum steht im Osten an der Grundgrenze und springt im EG um 3,5m zurück. Im Norden nimmt es die Südkante von Halle 5 auf und springt im EG um 5m zurück, um die Einfahrt in die Magistrale zwischen Halle 1 und 5 freizuhalten. Im Süden lässt es den nötigen Abstand zur Nachbarbebauung und Raum für die Zufahrt. Im Westen rückt es bis auf 6m an Halle 5 heran. Durch das beidseitige Zurückspringen des Erdgeschosses wird nicht nur ein einladendes, gedecktes Entreé gebildet, sondern auch ein großzügiger, überdachter Zugang von der Bushaltestelle zum Eingang aufgespannt. Die dezente Abrundung des Baukörpers wirkt anziehend und scheint die Besucherströme zu lenken.

Gebäudekonzept
Nutzung und Erschließung

Das Gebäude ist geschossweise klar strukturiert:

  • Erdgeschoss: Überdachtes Entreé, Foyer für die gesamte Messe mit angrenzenden Garderoben und Sanitärräumen, Büroräume, Technik- und Nebenflächen
  • Obergeschoss: großer Saal mit Break-Out-Räumen, Foyer mit Terrasse und Cateringflächen, Künstlergarderoben, Technik- und Lagerflächen

Das Gebäude ist vertikal klar strukturiert:

  • Nordteil: öffentliche und halböffentliche Räume - Foyers, Break- Out-Räume, Ausstellung, Catering, Terrasse
  • Südteil: interne Nutzungen - Saal, Büroräume, Sanitärräume, Technik-, Lager- und Nebenflächen mit Anlieferungszone

Die beiden Geschosse sind im Nordteil über eine offene Treppe und zwei Lifte miteinander verbunden. Im Südteil sind sie über eine interne Treppe und den Lastenlift erschlossen.

Konstruktion

Die vertikale Teilung in Nord- und Südteil wird in der Konstruktion übernommen. Der Nordteil ist massiv, der Südteil könnte als leichte Holzkonstruktion mit tragenden Holzstützen, Holzträgern und sichtbaren Holzdecken geplant werden. Der Holzeinsatz im öffentlichen Teil des Gebäudes wird identitätsstiftend eingesetzt und verweist auf die reichhaltige Ressource der Region und des »Holzlandes Kärnten«.
Der massive lagerhafte Südteil schultert den leichten, scheinbar schwebenden Nordteil und wird von diesem umgriffen.

Freiraumkonzept

Der Vorplatz der Messe wird mit zwei verschiedenen Materialien streifig gestaltet. Er nimmt formal die Schichtung des neuen Veranstaltungsgebäudes auf und hält den Platz nutzungsoffen. Die beiden Materialien sind in der weiteren Abstimmung gemeinsam mit NutzerIn und BauherrIn zu definieren (Naturstein, Farbasphalt, gebundene Decke).
Die sparsamen Grüninseln an der Fassade vor Halle 5 werden vergrößert und dicht bepflanzt. Die Artenvielfalt wird gefördert und das Mikroklima verbessert. Das Flugdach wird als »dünne Platte« mit lapidar verstreut gesetzten Stahlstützen geplant und verschmilzt mit der dahinterliegenden Vegetationszone.

Technisches Konzept

Im südlichen Teil des Erdgeschosses befindet sich die Technik. Sie ist offen und sichtbar geführt. Revisionen, Anpassungen und Wartungen sind leicht möglich. Der nördliche Gebäudeteil (Foyer im EG, Break-Out-Räume, Foyer im OG und der Saal) wird aus dem Technikteil versorgt. Das Gebäude erfordert durch die großen Menschenanzahl eine effiziente und robuste Technik.