FEUERWEHRHAUS, MÜLLHEIM

Geladener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Paul Halbritter, Rafael Pielorz, Marion Gernbeck

05|2024 – 06|2024

AUSZUG aus dem ERLÄUTERUNGSBERICHT

STÄDTEBAULICHE ASPEKTE

In prominenter Lage an der südlichen Stadteinfahrt Müllheims unmittelbar an der B6 markiert das neue Zentrale Feuerwehrhaus mit hohem Wiedererkennungswert den Stadteingang. Die besondere Form des Gebäudes resultiert aus der Funktion – Feuerwehr – und aus den Themen Ökologie, Ökonomie und ressourcenschonender Materialeinsatz.

Die Zugänge im Norden werden mit einem Fußweg am Klemmbach kombiniert. Hier liegen die Pausen- und Übungsflächen, es ist Raum für Feuerwehrfeste, hier ist der soziale Mittelpunkt. Die Schleppkurven und die Flächen vor den Zu- und Ausfahrten bestimmen die Position des Gebäudes – längs zur B6 mit 25m Abstand. Das Gebäude wird südlich umfahren. Es bleibt noch Platz für Erweiterungen.

Das neue Feuerwehrhaus besteht aus einem massiven, vertikalen, skulpturalen Bauteil und einem leichten, horizontalen Flächentragwerk.

FUNKTION UND KONSTRUKTION

Im massiven Bauteil sind in einem unterirdischen und drei oberirdischen Geschoß die Funktionen Technik, Einsatz- und Übungsabwicklung, Büro und Verwaltung und Ausbildung, Schulung und Aufenthalt sowie die Sonderbereiche untergebracht. Unter dem leichten Flächentragwerk liegen Fahrzeughalle, Alarmgarderobe, Werkstätten, Lager- und Stauräume. Die Funktion bestimmt die Form und die Bauweise. Und der Ort bestimmt sie.

Der Untergrund ist bis 3,9m bzw. 5,2m Tiefe nicht bzw. nur sehr bedingt tragfähig. (Geotechnischer Bericht, Auffüllung in 1m bis 3,2m Tiefe und darunter in 3,9m bis 5,2m Böden der Decklage). Das Leichte ist mit 36 Stahlseilen am Schweren angehängt. Diese Aufgabenteilung leitet sich aus dem Baugrund ab.

Das schwere Bauteil mit Untergeschoss steht auf tragfähigen Böden der Zwischenlage. Der Boden unter dem Flächentragwerk (Fahrzeughalle, Lager, Werkstatt, Alarmgarderobe) wird (wie im geotechnischen Bericht empfohlen) mit Pflasterbelag ausgeführt. Erdaushub bzw. Bodenaustausch sind kostenintensiv und verbrauchen viel graue Energie. Die vorgeschlagene Bauweise minimiert diesen Aufwand.

Im schweren Bauteil sind die bauphysikalisch sensibleren Funktionen untergebracht. Diese profitieren von der Masse und von guten Dämmeigenschaften.

Im leichten Bauteil liegen temperierte Großflächenfunktionen. Die Alarmgarderobe steht als Haus in Haus in der großen Halle - vorgefertigte Raummodule, ökonomische und ökologische Realisierung.

Das schwere Bauteil ist als sichtbare Stahlbetonkonstruktion (Nutzung von Recyclingbeton) geplant. Der Übungs- und Schlauchturm und das dreigeschossige Gebäude werden zur roten »Feuerwehrskulptur«.

Das leichte Flächentragwerk wird aus vorgefertigten Holzelementen (224 Stck: L/H/B 4,95/ 1,0/ 0,22 - 210 Stck: L/H/B 1,95/ 0,6/ 0,20 – 210 Auskreuzungen – 210 Dreischichtplatten 5m x 2,05m) hergestellt und mit 36 Stahlseilen (D=4cm) am Feuerwehrturm abgehängt. Die Fassade (Profilbauglas aus Recyclingglas) und die Rolltore werden am Flächentragwerk abgehängt. Im gleitenden Bodenanschluss werden Wärmedehnungen und Schneelastverformungen aufgenommen.

Wir müssen anders bauen! Es braucht Antworten auf das sich rasch wandelnde Klima. Die Feuerwehrzentrale sorgt bei Brand und bei Extremwetterereignissen für Rettung. Der Neubau minimiert den Einfluss auf die Klimaveränderung. Es wird sparsam mit Ressourcen umgegangen. Nachwachsende Rohstoffe stehen im Fokus.

Den Wettbewerbsunterlagen lag eine Studie mit massiver Ausführung aller Bauteile bei. Es ergibt sich ein überschlägige Betonmasse von 3.319 m3 / 7634 t und damit circa 664 Tonnen CO2.

Das vorgeschlagene Projekt kommt mit circa 686 m3 / 1.578t Beton und damit circa 137 Tonnen CO2 aus. Das entspricht einer Einsparung von 527 Tonnen CO2. Oder anders ausgedrückt: Der Entwurf benötigt für die Konstruktion nur 1/5 des CO2 im Vergleich zur Studie. 2.600 Bäume binden in 10 Jahren 527 Tonnen CO2.

Die Speicherung von CO2 in der Holzkonstruktion und der eingesparte Bodenaushub sind zusätzlich positiv anzusetzen. Nachhaltigkeit wird inhaltlich bearbeitet und zur Formfindung verwendet. Das neue zentrale Feuerwehrhaus steht für sparsamen Ressourceneinsatz und Zuverlässigkeit.