TUNNELPORTAL, TAUERN A10

Offener einstufiger Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Vinzent Wallner, Rafael Pielorz, Leon Christopher Schlesinger, Marion Gernbeck

12|2023 – 05|2024

aus dem ERLÄUTERUNGSBERICHT

Tunnelportale markieren Beginn und Ende eines Tunnels. Sie stehen als Symbol, als Fassade, als äußeres Abbild für diesen. Historisch war das oft ein gemauerter Bogen als Herausstülpung der dahinter liegende Tunnelröhre.

Moderne Tunnel sind komplex. An ihrem Beginn und Ende stehen Betriebsgebäude, Lüftungsanlagen, Sicherheits- und Schutzvorrichtungen und vieles mehr. Diese technischen Anlagen müssen gewartet und an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden.

Die Geschwindigkeit mit der man sich dem Autobahntunnel nähert und einfährt ist hoch. Die Straßenführung einer Autobahn ist auf Einsehbarkeit ausgelegt. Die Annäherung an das Portal ist mehr als nur ein kurzer Moment.

Der Entwurf bedient sich zweier Stilmittel:

Der Stelenwald. -

Er umgrenzt das Gebiet der Tunneleingänge. Alle Einrichtungen innerhalb dieser Fläche (Nebengebäude, Anlieferzonen, Serviceflächen, Lawinenverbauten) sind der beständigen Transformation, dem immerwährenden Zu- und Umbau und der Optimierung ausgesetzt. In diesen Bereichen werden keine gestalterischen Vorgaben gemacht, ein Bauhof kann als Analogie dienen. Dadurch ist weiterhin größtmögliche Flexibilität und Möglichkeit zur Umnutzung gewährleistet. Der Stelenwald davor ist der Zaun, der künstlerische »Vorhang«. Er blendet für die Tunnelbenutzer und für die Besucher der Umgebung die Betriebsgebäude und Lüftungsaufbauten aus.
Angelehnt an die (gerade noch) baumbestandenen Bergrücken an der Baumgrenze, verwischt er die Grenze zwischen Natur und vom Menschen Geschaffenem.
Der Stelenwald ist ruhiger Hintergrund für die Portale und bezieht seine Form aus der Natur.

Das Portal -

Vor die Lawinenschutzverbauungen werden langgezogen angeschnittene Tunnelröhren gestellt. Sie sind in Sichtbeton sorgfältig gestaltet: Sie nehmen die eigentliche Tunnelröhre vorweg.
Durch den Anschnitt wird die eigene Geschwindigkeit beim Einfahren spürbar und die ausfahrenden Fahrzeuge werden dynamisch gerahmt.
Die Portale werden zum ikonischen Symbol der über 6km langen Röhren des Tauerntunnels. Ihre Form wird aus dem Thema Tunnelröhre entwickelt.

Nachhaltigkeit – Detailausbildung -

Die technischen Anlagen, Lawinenschutzverbauungen etc. sind als zwischengestecktes Element austauschbar und erst auf den zweiten Blick erkennbar. Die »Portale vor Stelenwald« können, nach (in ferner Zukunft) nötig werdenden Sanierungen, weiter genutzt werden. Sie beziehen sich auf die Tunnelröhre und die Berge und nicht auf die in ständigem Wandel stehenden Vorbauten.
Im direkten Autobahnbereich mit hoher Salzbelastung besteht der Stelenwald aus senkrecht stehenden Metallhalbschalen. Sie changieren farblich je nach Lichtverhältnissen. Die matte Oberfläche reflektiert Licht diffus und stört so den Verkehr nicht. Weiter von der Straße entfernt werden Rundhölzer verwendet. Der Stelenwald geht in den Wald nahtlos über.
Anzahl und Position der Stelen sind flexibel – im Moment der Errichtung ebenso wie im laufenden Betrieb.
Die vor dem Stelenwald stehenden Portale sind aus hellgrauen Sichtbetonfertigteilen in hoher Qualität. Sie halten der Streusalzbelastungen dauerhaft stand.