offener Realisierungswettbewerb
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Franziska Schneeberger
Vinzent Wallner
Rafael Pielorz
04|2023 – 06|2023
aus dem Erläuterungsbericht:
Architektonische Aspekte
Das schmale lange Gebäude wird am denkmalgeschützten Bestand
als Dependance angedockt. Es besteht neben dem mächtigen
Nachbarn mit der Leichtigkeit des Holzbaus. Dieser wird
durch eine hinterlüftete Plattenfassade verkleidet. Rubinrote
Fensterlaibungen sichern würdevolle und natürliche Atmosphäre.
Das schmale Gebäude wird in allen vier Geschossen gleich
strukturiert – im Norden die Erschließung im Süden die Räume.
An den Enden sind größere Büros bzw. Sonderfunktionen und
mittig die Sanitärräume und Teeküchen geplant. Ebenfalls mittig,
allerdings vor dem Gebäude als eigenständiges Bauteil abgekoppelt,
liegt das Treppenhaus. Das serielle des Grundrisses
wird in der Mitte leicht variiert. Es entsteht ein Ort des sozialen
Austausches und Treff.
Im Erdgeschoss wird die Betonung der Mitte umgedreht. Das
Treppenhaus bleibt innen unsichtbar. Die Sanitärräume sind herausgeschoben.
Es gibt zwei Orte – Schwurgericht und Verhandlungen.
Funktionale Aspekte
Wie im Raumprogramm vorgegeben werden im OG2, OG1 und
im Tiefparterre die Räume des Landesgerichtes verortet und dazwischen
im EG die Staatsanwaltschaft. Das vorgestellte Treppenhaus
verbindet die Geschosse des Landesgerichtes, das
EG bleibt ausgespart. Die aus Sicherheitsgründen gewünschte
funktionale Trennung ist einfach umgesetzt. Gleichzeitig kann ein
räumlicher Bezug der drei Landesgerichtsgeschosse hergestellt
werden.
Mittig im Grundriss liegen die Nebenräume. Das sichert kurze
Wege und ökonomische Errichtung. Und die Mitte wird zum sozialen
Treff.
Ökonomische / Ökologische Aspekte
Es wird versucht ökonomische und ökologische Aspekte zur Deckung
zu bringen.
Stahlbeton wird nur in den erdberührenden Bauteilen eingesetzt.
Die klare Form wird konsequent als Holzbau strukturiert. Hoher
Vorfertigungsgrad reduziert die Kosten und die graue Energie
während des Baus.
Der Ansatz ökologische Materialien so einzusetzen, dass sie
nicht zu höheren Kosten führen, wird im Ausbau weiterverfolgt.
Anhydrit Estrich und Gussasphalt bei den Nassräumen reduziert
die CO2 Emission bei moderaten Kosten. Durch Anschleifen entsteht
eine schöne und robuste Oberfläche.
Städtebauliche Aspekte
Der lange und schmale Neubau ist etwas von der Conrad von
Hötzendorf Straße zurückgesetzt. Damit ist er im Stadtraum nur
auf den zweiten Blick sichtbar.
Zum Bestand wird ein ruhiger Rücken ausgebildet. Das Treppenhaus
strukturiert diesen. Die Brücken werden transparent ausgebildet.
Zur Nachbarbebauung im Süden ist das Gebäude in der Höhe
gestaffelt. Auf dem Rücksprung ist Bepflanzung vorgesehen.
Dem Blockrandinneren kommt dies zugute.
Das Grundstück ist schmal und lang, Am östlichen Ende zur
Justizanstalt ist eine Aufweitung. Die Sicherheitsaspekte und die
einzuhaltenden Abstände zu den Nachbarn schränken die Bebaubarkeit
in der Aufweitung ein.
Der Entwurf belegt ausschließlich den Bauplatz parallel zu den
Bestandsgebäuden. Zum südlichen Nachbarn wird der Mindestabstand
(2m+2Geschoss=4m) eingehalten. In den oberen beiden
Geschossen springt das Gebäude 2m zurück.
Auf der West- und der Ostseite steht das Gebäude an den Baugrenzen.
Zu den nördlichen Bestandsgebäuden bleibt das neue Gebäude
von der Baufeldlinie zurück. Das vom Gebäude entkoppelte
Treppenhaus steht über der Baufeldlinie. Die Belichtung der
Bestandsbüros bleibt weiterhin gut, da das Treppenhaus beim
Nebeneingang des Bestandsgebäudes liegt.
Die Brücken docken an der Westseite wie vorgegeben am Bestand
an. Für die östliche Brücke gäbe es mehrere Möglichkeiten.
Es wird die von der Straße weit entfernte – geringe Beeinträchtigung
Bestand –, an das Bestandstreppenhaus andockende –
Orientierung im Gebäude – und im EG und OG1 übereinander
liegende Lage – Ökonomie und Orientierung im Gebäude – gewählt.
Bauwerk Rohbau
Alle erdberührenden Bauteile werden in Stahlbeton ausgeführt.
Stützen, Träger und Wandscheiben tragen die erste BSH Decke
über dem Tiefparterre. Die Decke spannt in Längsrichtung über
Dreimeterfelder. Im Erdgeschoss tragen Stützen und Wandscheiben
im gleichen Raster die Wandscheiben im OG1. An diesen
ist die Decke über EG aufgehängt.
Im OG1 und OG2 tragen Wandscheiben im Dreimeterraster
10cm starke BSH Decken.
Die Fassade übernimmt die Längsaussteifung.
Bauwerk Technik
Die Räume im Erdgeschoss benötigen eine kontrollierte Belüftung.
Die Büroräume brauchen dies nicht zwingend. Die individuelle
Fensterlüftung mit halbautomatischer CO2 gesteuerter
Fensteröffnung führt zu überschaubarer Haustechnik.
Bauwerk Ausbau
Der Großteil der raumbildenden Wände wird durch den Holzbau
bereits vorgesehen. Die übrigen Wände werden im Leichtbau
ergänzt. Herkömmlicher Estrich kann durch Anhydrit Estrich
ersetzt werden, wodurch der CO2 Emission reduziert werden
kann. Lediglich bei den Nassräumen wird auf Gussasphalt zurückgegriffen.
Die Leitungsführung wird offen vorgeschlagen und mit Deckensegeln
verkleidet.
Der Materialdreiklang sichtbare Holzoberflächen, geschliffener
Estrich und die Signalfarbe rubinrot ist Garant einer würdevollen
und natürlichen Atmosphäre.
Außenanlagen
Die Freianlagen um das Gebäude müssen nicht regelmäßig begangen
oder befahren werden. Es wird eine Trockenwiese vorgeschlagen.
Diese muss nur zweimal jährlich gemäht werden.
In den Zufahrtsbereichen zum Innenhof (Zufahrt für spätere
Bauarbeiten) kann mit einem geschotterten Unterbau ein »unsichtbarer«
Weg ausgebildet werden.
Der Neubau ist optisch komplett von einer Blumenwiese umgeben.
Die Versiegelung ist gering und Biodiversität hoch.