offener Realisierungswettbewerb
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Rafael Pielorz
Julia Erlinger
Marion Gerbeck
Vanessa Seyr
Paul Halbritter
Vinzent Wallner
Freianlagen: studio blaugrün,
DI Gregor Mader, Landschaftsarchitekt
Statik: merz kley und partner GmbH,
Konrad Merz
04|2023 – 07|2023
STÄDTEBAULICHE ASPEKTE
Eine verbindende Nord-Süd-Achse in Form eines »Shadow Walk«
wird vorgeschlagen. Er führt von der Mühlgasse im Süden unter
dem Campusdach der pädagogischen Hochschule zum neuen
Campus der AHS und weiter zur Emil Kraft-Gasse. Der Shadow
Walk ist ein breiter Weg für Radfahrer und Fußgängerinnen.
Westlich des Weges liegen die Schulen, östlich des Weges die
Sportflächen. Er ist leicht geschwungen und hebt sich als übergeordnetes
Element ab. Die Bestandsbäume werden großzügig
durch Neupflanzungen ergänzt. Bänke, Spielgräte und Parkmöbel
flankieren.
Die Stationen auf dem Walk von Süden: Vorplatz an der Mühlgasse
– Campusdach der Pädagogischen Hochschule – Entlang
des Sportplatzes – neuer AHS Schulcampus – Übergang zur
Emil Kraft-Gasse.
Der Schulcampus der AHS.
Das dreigeschossige Hauptgebäude und die Turnhalle rücken
nah zum Sportplatz, das zweieinhalbgeschossige Fachklassengebäude
steht senkrecht dazu. Zwischen den drei in der Höhe
gestaffelten Baukörpern öffnet sich der Schulhof. Drei Zugänge
führen auf diesen – der größte nach Osten zum Sportplatz, die
kleineren nach Westen zum Parkplatz und nach Norden in die
Umgebungsbebauung. Ein Dach verbindet die drei Gebäude,
rahmt den Platz zum AHS Campus.
In das Hauptgebäude geht es eben hinein. Das Fachklassengebäude
ist um ein Halbgeschoss nach oben versetzt. In die Turnhalle
gelangt man über einen tieferliegenden Hof. Die drei Gebäude
haben drei individuelle Zugänge.
FUNKTIONALE ASPEKTE
Drei Gebäude, drei Funktionen. Jedes der Gebäude kann für seine
Funktion optimiert werden. Das Vordach sorgt jederzeit für
gedeckte Verbindung.
Das Schulgebäude:
Im Erdgeschoss sind die gemeinsamen Funktionen untergebracht, in zwei Obergeschossen die Klassenräume.
Das Erdgeschoss betritt man vom Platz. Zwischen zwei Treppenhäusern
liegen die öffentlichen Funktionen, an den Ost-, Südbzw.
Westfassaden fädeln sich die Räume der Lehrer und der
Nachmittagsbetreuung auf. Lufträume zu den beiden Oberschossen
bringen Licht von oben. Unten stehen übergroße Pflanztröge,
aus denen »Urwald« nach oben wächst.
Über eines der beiden Treppenhäuser gelangt man ins Obergeschoss.
Zentral liegen die Pausenflächen und die Garderoben.
Sie ermöglichen offene Lern- und Lehrformen – Prinzip Clusterschule.
Den äußeren Clusterflächen sind Balkone zugeordnet,
die Inneren liegen am »Urwald« der sich vom Erdgeschoss kommend
bis unter das Sheddach im 2.OG zieht.
An der Nord- bzw. Südfassade liegen jeweils 8 Klassenräume.
Das Fachklassengebäude:
Man betritt vom Platz ein Foyer. Über die Treppe mit verbindendem
Luftraum oder den Lift geht es nach oben oder nach unten.
In allen drei Geschossen führt die mittige Erschließung geschwungen
durchs Gebäude und endet an einem großen Fenster
im Westen. Die Fachklassen sind von diesem geschwungenen
Gang erschlossen.
Die Turnhallen:
Ein Ausschnitt im Platz mit Treppe und Sitzstufen führt auf einen
tieferliegenden Vorplatz. Auf diesem können kleinere Veranstaltungen
stattfinden. Von diesem geht es links bzw. rechts in die
Umkleiden und weiter in die drei Turnhallen. Diese sind als eigenständige
Hallen geplant, wären aber auch als Dreifachturnhalle
möglich. Die Geräteräume liegen im Norden unter Terrain.
Die Belichtung ist über eine große Nordverglasung blendfrei gegeben.
Die Freianlagen:
Entlang des Shadow Walk gibt es verschiedene Stationen. Eine
davon ist der sich öffnende AHS Campus.
Der Zugang von Westen verbindet zum Parkplatz, der Zugang
von Norden verbindet mit der Umgebung. Das umlaufende Dach
fasst den Platz und sorgt für gedeckte Verbindung zwischen
den Gebäuden. In der Mitte des Daches ist eine großes Holzdeck.
Für circa 800 Schüler wird es zur Bühne oder zur Spiellandschaft.
Wem es hier zu laut ist, der kann im tieferliegenden
Vorplatz der Turnhalle oder auf dem Shadow Walk seinen Pausenplatz
finden.
ARCHITEKTONISCHE ASPEKTE
Drei Gebäude, drei Sprachen. Für jedes der Gebäude wird angepasst
an seine Funktion eine individuelle Architektursprache
gefunden. Das Vordach verbindet den Dreiklang zu einem Ganzen.
Das Schulgebäude:
Die Grundstruktur des Gebäudes: Im Norden und Süden gibt es
einen 8m breiten Streifen mit Holzstützen, Doppelträgern und
einer statisch im Verbund wirkenden Betondecke. Im 15,5m breiten
Mittelteil liegen zwei aussteifende Kerne und eine unterzugsfreie
Brettstapeldecke.
Außen liegen in den Obergeschossen die Klassenräume. Zwischen
den Holzträgern können Akustikelemente, Beleuchtung
und Installationen erfolgen. Im Mittelteil erfolgt die Verteilung der
Installationen offen sichtbar und damit begreifbar.
Im Erdgeschoss ist diese Struktur ebenfalls geplant, wird aber
mit der Vielzahl von Funktionen freier belegt.
Der Stringenz der starken Struktur folgt mittig mit dem Urwald
ein Kontrapunkt. Im EG und im OG gibt es Pflanzkübel, aus denen
üppig wuchernd die Mitte zu dichtem Grün verwächst.
Die Materialwahl folgt ökologischen Kriterien und die Materialien
sollen unverkleidet gezeigt werden. Die hölzerne Konstruktion
wird gezeigt. Decken werden nicht verkleidet, Installationen
bleiben sichtbar. Der Fußboden wird als geschliffener Estrich
vorgeschlagen. Die beiden aussteifenden Kerne werden mit der
Signalfarbe Blau behandelt. Zusammen mit dem grünen Urwald
ergibt sich ein reizvoller Innenraum.
Die Trennung Klassen zu Pausenflächen wird als Möbelwand
mit Oberlichtern, Glasseitenteilen und Sitznischen als durchlässiger
Filter ausgebildet, der sich an wandelnden Unterrichtsformen
anpassen kann.
Die Fassade zeigt die Holzkonstruktion. Zwischen Stützen und
Decken werden modulare Fassadensegmente eingefügt. Diese
Segmente werden auf Ihre Funktion hin entwickelt. Beim Lehrer
gibt es Nachtlüftungsflügel mit Wetterschutzgitter und große
Flügel zum Stoßlüften.
Das Segment am anderen Ende des Raumes ist ähnlich, während dazwischen für die Schüler Oberlichter (Lüften im Winter) und kleinere Lüftungsflügel angeordnet sind. Eine CO2 Ampel neben der Tafel informiert über die Luftqualität. So wird das Raumklima und die mögliche Steuerung in das pädagogische Konzept sanft integriert.
Das Fachklassengebäude:
Ähnlich zum Schulklassengebäude gibt es eine äußere Zone mit
Stützen und Doppelunterzügen und eine mittige, unterzugsfreie
Zone mit Brettstapeldecken. Auch hier sollen die Installationen
offen gezeigt werden. Die Materialwahl ist ähnlich. Die Signalfarbe
blau wird an den beiden abgerundeten Sanitärkernen eingesetzt.
So ergibt sich die gleiche intuitive Orientierung wie im Hauptgebäude.
Die Fassade zeigt die dahinter liegenden Fachklassen – jeweils
ein Fensterband pro Fachklasse. Die Holzkonstruktion ist im Gegensatz
zum Hauptgebäude nicht ablesbar.
Die Turnhallen:
Außen sieht man einen grünen Kubus und ein »Loch« im Platz.
Die gesamte Fassade wird intensiv begrünt. Es wird der Forderung
aus dem Bebauungsplan Rechnung getragen (mindestens
20% der Fassadenflächen sind zu begrünen). Und es entsteht
ein reizvoller Baukörper.
Die Nebenräume liegen unter dem Platz. Alle Bauteile unter Terrain
werden massiv ausgeführt, die Hallenkonstruktion darüber in
Holz. Schaal rauer Beton und sichtbare Holzoberflächen mit der
punktuell eingesetzten Kontrastfarbe blau ergeben einen reizvollen
Dreiklang.
ÖKONOMISCHE, ÖKOLOGISCHE ASPEKTE
Ökologische und ökonomische Aspekte sollen zur Deckung gebracht
werden. Das ist nur durch konsequente Optimierung möglich.
Beton setzt viel CO2 frei, ist aber teilweise unersetzbar. Holz
ist genial, hat aber Themen aus dem Brand- und Schallschutz,
die es zu beachten gilt.
Das Schulgebäude:
Massiv sind die Bodenplatte und die beiden Kerne ausgebildet.
Der Rest wird aus Holz konstruiert. Für die Klassen haben sich
Holzstützen und Unterzüge bewährt. In der Mittelzone schafft
eine unterzugsfreie Brettstapeldecke Freiheit für den Raum und
die offene Leitungsführung. In der Mitte sorgt eine Lüftungsanlage
mit Wärmerückgewinnung für gute Raumluft. Die Konstruktion
und die modulare Fassade hat einen hohen Vorfertigungsgrad.
Damit wird der entscheidende Vorteil beim Bauen mit Holz aktiviert.
Das Fachklassengebäude:
Der Baukörper ist dem Schulgebäude ähnlich. Der Installationsgrad
ist höher. Die unterzugsfreie die Decke im Gang sind noch
wichtiger. Die Fassade kann ebenfalls vorgefertigt werden. Die
Elemente werden horizontal pro Klasse ausgeführt.
Die Turnhallen:
Alles unter der Erde wird massiv in schal rauem Beton ausgeführt.
Das entspricht der Robustheit der Funktion. Die weite Spannweite
wird mit BSH Trägern, Sekundärträgern und eingehängten
Holzwolle-Zementfertigteilen realisiert. Auf Extensiv Begrünung
wird hier verzichtet.