NEUBAU KINDERZENTRUM
PECHEGARTEN

Offener Realisierungswettbewerb
1. PREIS

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Vinzent Wallner, Julia Erlinger, Marion Gernbeck, Rafael Pielorz, Leon Christopher Schlesinger, Matthias Weigl, Janis Holzbrink, Felix Kraft

seit 03|2023

aus dem Erläuterungsbericht:
Städtebauliche Lösung
An die nördliche Blockrandbebauung wird angebaut. Die Gebäudehöhe mit sechs Geschossen des Nachbarn wird aufgenommen. Das neue Gebäude ist der Abschluss. Es knickt etwas von der Blockrandkante zurück und lässt nach Osten zum Park einen kleinen Vorplatz frei. Die Rundung der Ecke und ein flacher Gebäudeteil leiten zu einem wieder etwas höheren Baukörper im Inneren des Blockes. Großer Bruder – Kleiner Bruder könnte man das städtebauliche Thema nennen.
Architektur, Funktion und Erschließung Im großen Bruder findet das Kinderzentrum und im kleinen Bruder das (externe) Wohnen Platz. In beiden Baukörpern liegen Hort, Kindergarten und Kinderkrippe.
Der große Bruder hat seine Eingänge zum Pechepark. Die fußläufigen Zugänge zum Hort und zur Verwaltung sind über einen zweigeschossigen, gedeckten Vorbereich vor Regen geschützt.
Der Hort im ersten Obergeschoss kommuniziert über große Öffnungen zum Vorplatz ebenso wie die Räume für das gemeinsame Essen.
Die beiden sozialen Wohngruppen im 2. und 4.Obergeschoss mit den dazwischen liegenden Gemeinschaftsräumen und das interne Wohnen im 5.Obergeschoss sind introvertierter ausgeformt, was sich aus ihrer schutzsuchenden Funktion ergibt. Lediglich die gemeinschaftlich genutzten Räume bekommen großzügigere Fensteröffnungen die den Kontakt zur Umgebung suchen.
Das Haupttreppenhaus verbindet diese Geschosse miteinander. Zusätzlich wird der zum Nachbarn freizuhaltende Lichtschacht (Bestandsfenster in der Brandwand) mit einem viergeschossigen Luftraum und eingestellter Wendeltreppe kombiniert und zieht die vier Geschosse zu einer Einheit zusammen.
Im kleinen Bruder sind im zweiten Obergeschoss die Wohnungen (Wohnen und externes Wohnen) eingeplant. Sie haben einen separaten Eingang und sind von einer gemeinsamen Mitte erschlossen.
Ebenfalls im kleinen Bruder liegt die Kinderkrippe im ersten Obergeschoss. Sie ist über eine Treppe im Freien erreichbar. Die Treppe führt auf eine Terrasse, von der sich die Kinder von ihren Eltern verabschieden können. Von einer gemeinsamen Mitte geht es in die einzelnen Räume. Die beiden Gruppenräume haben einen durch eine begrünte Pergola geschützten Freibereich. Im Erdgeschoss des kleinen Bruders und baulich mit dem großen Bruder die Verbindung herstellend, ist der Kindergarten geplant. Ähnlich zum Grundriss der darüberliegenden Krippe sind die Räume von einer gemeinsamen, offenen Mitte erschlossenen. Im Westen liegen die gemeinsam genutzten Räume und im Osten die drei Gruppenräume. Da der Garten mit schönem, altem Baumbestand direkt vor den Gruppenräumen liegt und die Garderobe in diese integriert ist, können die Kinder frei entscheiden, ob sie lieber im Garten oder lieber indoor spielen. Sie können in der Früh auch gleich draußen bleiben. Dafür gibt es einen extra Garteneingang. Die drei Gruppenräume sind kleinteilig gestaltet. Die Wand zum Gang ist als Einbaumöbel mit Sitznischen und Schaufenstern durchlässig und zugleich (Schiebetüren) geschlossen. So können die drei Räume als Einheit oder als drei abgeschlossene Räume genutzt werden.

Nachmittags kann ein Raum abgetrennt werden um schon früher mit der Reinigung zu beginnen. In jedem der drei Gruppenräume gibt es eine Garderobe und darauf eine zweite Ebene für die Kinder die als Ausblick im Gang endet. Ein verzweigter, verspielter, kindgerechter Raum mit Höhlen und Hochebenen soll das temporäre Zuhause der Kinder werden.
Das Kinderzentrum ist ein Haus mit vielen Zugängen. Die Anlieferung und die Garageneinfahrt werden nicht weiter betont. Den wichtigen Zugängen wird jeweils ein Platz vorgelagert. Der eine ist halb gedeckt und halb Teil des öffentlichen Pecheparks, der andere liegt im Inneren des Blockrandes am Weg zum Park. Beide sollen öffentlich sein und durch dezenten Materialwechsel den Übergang zu den halböffentlichen Funktionen markieren.
Im Untergeschoss ist die Garage um das Treppenhaus herum organisiert. Durch die Garage geht man in die Räume der Hauswirtschaft. Ein abgesenkter Bereich sichert natürliche Belichtung.
Die Fassaden sollen das neue Gebäude als Teil des Blockrandes verorten und werden als verputzte Lochfassade vorgeschlagen. Die herauszuhebenden Fassadenabschnitte bei den Eingängen werden als vorgehängte Holzfassade mit großformatigen Fensterflächen vorgeschlagen.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, Gebäudetechnik Es kann eine hohe Energieeffizienz realisiert werden, da das Gebäude kompakt ist. Die Gebäudehülle wird als vorgehängte, hochgedämmte, nichttragende Fassade vorgeschlagen. Diese kann unter Einhaltung höchster Nachhaltigkeitskriterien hergestellt werden. Gleichzeitig ist sie demontierbar und in ihre Einzelteile zerlegbar. So kann das Gebäude nach Erreichen der Lebenserwartung neu programmiert werden. Die tragende Struktur wird aus Stahlbetondecken, Stützen und aussteifenden Treppenkernen vorgeschlagen. Das ist Garant für Brand- und Schallschutz, sichert die nötige Robustheit und ist für eine Bauteilaktivierung geeignet.
Die Haustechnikräume liegen im Keller, im EG im Kindergarten und am Dach des großen Bruders.
Auf den Dachflächen stehen zweimal 400m2 für Photovoltaik bereit. Unter dem Gebäude gibt es die Möglichkeit einen Wärmespeicher anzulegen (Nutzung über Wärmepumpen).
Die Vorgabe der Errichtung des Gebäudes als Passivhaus ist jedenfalls umsetzbar. Weitergehend könnte man als Ziel definieren, dass sämtliche nötige Energie im bzw. am Gebäude erzeugt wird und der öffentliche Stromanschluss nur für Spitzenlastabdeckungen gebraucht wird.
Schallschutzmaßnahmen
Die Freiflächen sind Richtung Süden orientiert. Der Innenhof im Norden bleibt daher weitgehend unverändert ruhig. Nach Süden gibt es einen Blockrandabschluss der baulich die Schallemission durch das Kinderzentrum bereits berücksichtig.
Denkmalschutz
Das Wandbilder »Kinderreigen« von Max Spielmann kann über dem Haupteingang des Großen Bruder Richtung Pechepark angebracht werden. Das ist ein repräsentativer und zugleich geschützter Ort. Das Wandbild »ballspielendes Mädchen« und der Schriftzug »Kindergarten« werden am Eingang zum neuen Kindergarten vorgeschlagen.

aus dem Juryprotokoll:
»Das Projekt folgt dem Ziel, minimal möglicher Fußabdruck am Grundstück um die maximal mögliche Wirkung eines Gesamtgrünraumes zu erzielen. Zwei Einzelbaukörper die erdgeschossig verbunden werden, bilden den Abschluss an der Grundgrenze im Norden und schließen so wieder den im Norden liegenden Hof. Die Blickdurchlässigkeit und die so erzielte Offenheit gilt für beide Seiten der Grenze als Aufwertung. Der Baukörper als Abschluss der Gründerzeitbebauung schwenkt nach Westen, öffnet so nochmals Beziehungswinkel des Pecheparks mit dem Grün am Grundstück und unterstreicht so nochmals, wo der Schwerpunkt des Projektes städtebaulich liegt. Durch das direkte Anschließen an die Gründerzeitbebauung kann die TG-Abfahrt ohne Inszenierung im Baukörper integriert werden. Ein Zurückweichen der beiden ersten Geschosse bilden für den Zugang des Kinderzentrums eine Überdachung aus, bietet Platz für das Wandbild, die Orientierung der Fassade der Obergeschosse wendet so das Augenmerk in Richtung Süd-Osten, also dem Pechepark zu. Die Zugänge Kindergarten, Kinderkrippe und offenes Wohnen erfolgen im Westen des Grundstückes. So ist eine Adressierung der Zugänge zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen stadträumlich gut positioniert.
Der Kindergarten mit erdgeschossigem direktem Ausgang ins Freie, sowohl nach Süden wie nach Norden und die Kinderkrippe und Hort im ersten Obergeschoss mit direktem Zugang zu einer großzügigen Dachfläche die mit einer Pergolakonstruktion über die ganze Fläche versehen ist, lassen der Anforderung entsprechend eine hohe Außenraumqualität erwarten. Leider macht das Projekt über die Gestaltung der Außenfläche wenig Aussage, das Potential ist gegeben.
Das Kinderzentrum ist ausschließlich im an der Gründerzeitbebauung angedockten Baukörper geplant. Gemeinschaftsräume, sozialpädagogische Wohngruppen und Wohnen intern sind in den einzelnen Geschossen zugeordnet. Durch die klare Trennung zum allgemeinen Wohnen und Wohnen extern im Baukörper der im Hof positioniert ist, gibt es die Gefahr einer Durchmischung oder Nutzer:innen 2. Klasse nicht. Die Abstufung und das »Fenster« zwischen den Höfen im Norden und Süden bringen auch keine Beeinträchtigung der Bewohner im nördlichen Gründerzeitkomplex.
Das Projekt zeichnet sich einerseits durch seine Kompaktheit, ein besonderes Feingefühl der Ausformulierung der Baukörper aus, so entsteht unter anderem eine sehr einfache, zurückhaltende Begrenzung zum Pechepark und öffnet diesen Richtung Westen zu einem zusammenhängenden grünen »Volumen«. Ein Raum, der diesem Stadtteil gut tut.
Diese Einfühlsamkeit zum öffentlichen Raum fehlt manchmal in den funktional gut ausformulierten sozialpädagogischen Wohngruppen. Die dazwischen liegenden Gemeinschaftsräume sind mit den sozialpädagogischen Wohngruppen mit einer intern geführten Treppe verbunden, die die Nutzer:innen sehr positiv vermerkt haben und das geschossweise Tauschen der Funktionen in der Projektfortschreibung erleichtert.«