CONRAD-VON-HÖTZENDORF-STRASSE
162 »GRANIT«, GRAZ

offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Rafael Pielorz
Rafael Pielorz
Anna Kirchmair
Paul Halbritter
Vinzent Wallner
Julia Erlinger

01|2023 – 04|2023

aus dem ERLÄUTERUNGSBERICHT
Städtebau
Die städtebauliche Hauptachse Conrad-von-Hötzendorf-Straße beginnt in der Altstadt, erreicht eine hohe urbane Dichte bei der Grazer Messe und mündet in den Bertha-von-Suttner- Platz.
Die Conrad-von-Hötzendorf-Straße wird (im näheren Bearbeitungsgebiet ab dem Ostbahnhof) ostseitig durch stark fragmentierte Bebauungen mit unterschiedlichen Höhenentwicklungen, Körnungen und Nutzungen gefasst, westseitig sind rudimentär Gebäude zwischen Bahn und Straße zurückgesetzt und flach. Die Straße wird hier im Wesentlichen durch eine unvollständige Baumallee begrenzt.
Der Bertha-von-Suttner-Platz wird im Nordosten aus der Struktur der angrenzenden Straßenzüge durch straßenbegleitende und hofbildende Bebauungen gefasst. Im Süden rahmen die Solitäre Stadion und der Stadionturm.
Der Bauplatz liegt als Insel zwischen Gleisen und dicht befahrener Straße. Die Ulrich-Lichtenstein-Gasse soll mittelfristig zum Fuß- und Radweg umgestaltet werden. Der Stadionplatz kann hier weiterentwickelt werden und Antworten zur westlichen Platzkante sind zu geben.
Der Entwurf schlägt eine Großform vor, die sich im heterogenen Gelände behaupten kann und das Abknicken der städtischen Lebensader begleitet. Diese steigt von Nord nach Süd langsam an – vier bis zehn Geschosse. Sie steht direkt an der Straße, bildet einen belebten Sockel aus und über große Einstülpungen werden zwei Eingänge markiert.
Die nördliche Seite ist spitz und spaltet den Raum in straßenbegleitend und schienenbegleitend auf.
Die südliche Seite endet abrupt vor der prächtigen Platane. Weitere großkronige Bäume werden in Verlängerung des Gebäudes vorgeschlagen. Die Westseite des Platzes wird räumlich gefasst.
Die zur Bahn im Westen orientierte Seite wird geschossweise gestaffelt. Auf den Terrassen kann üppiges Grün wuchern und bildet zusammen mit der Baumallee eine grüne Wand.
Die Gebäudeform entsteht durch die Bebauungsgrenzen und Abstandsregeln. Die Höhe ergibt sich durch die angestrebte Dichte und wird als angemessen erachtet.
Entwurfskonzept
Das lange Gebäude wird über zwei Haupttreppen vertikal erschlossen. Die Lage dieser ergibt sich aus den Fluchtweglängen.
Der Haupteingang wird an der Ecke Stadionplatz zu Bertha-von- Suttnerplatz als große Einstülpung bewusst markant gesetzt. Der zweite Eingang von der Conrad-von-Hötzendorf- Straße folgt diesem Duktus. Die beiden Eingänge liegen versetzt zu den Treppen. So kann jeweils ein mehrgeschossiges Foyer beide Treppen anbinden. In diesen Foyers ist ausreichend Platz für repräsentative öffentliche Nutzungen.

Das gesamte Sockelgeschoss kann durch öffentliche Nutzungen (Café, Läden mit Auslage, Bäckerei, ...) belebt werden. Zum Stadionplatz ergibt sich unter Bäumen etwas abgesetzt von der dicht befahrenen Straße sogar ein ruhigerer Vorplatz.
Die Seite zur Bahn ist geschossweise abgestuft. Dicht bepflanzt wird Grünfläche als Mikroklimapotential zurückgegeben und Erholungsfläche für die mehreren hundert Mitarbeiter geboten.
Zwei Untergeschosse folgen dem Grundriss der Obergeschosse und sortieren die Stellplätze als Durchfahrtsstraße.
Die Nebenräume sind in den übrigbleibenden Flächen gut organisierbar. Fassadenmaterialien Auf der zur Bahn orientierten Westseite werden massive Bänder im Parapetbereich (Pflanzbeete, Geländer, Treppen) und dazwischenliegende Fensterbänder vorgeschlagen.
Diese Ildefonso Bänderung zieht sich um alle Seiten des Gebäudes. Der erdgeschossige Sockel wird transparent und individuell mit Eingängen und Schaufenstern belegbar ausgebildet. Die beiden Einstülpungen an den Haupteingängen werden als Teil des Sockels ebenfalls gläsern vorgeschlagen.
Nutzungsidee
Die beiden bisher bekannten Hauptmieter und weitere Großmieter können repräsentativ von den Haupteingängen erschlossen werden. Horizontal und auch vertikal können große zusammenhängende Flächen genutzt werden.
Die Nutzung des Gebäudes ist als ein Gebäude mit den Teilen Firma Roth 1.200 m2 und Granit 14.000m2 geplant. Eine innere Teilung mit eigener Erschließung ist ebenfalls möglich, genauso wie eine stufenweise Errichtung.
Gebäudetiefen zwischen 22 und 15m sind eine gute Grundlage für offene Großraumbüros bzw. Kombibüros. Die geschlossenen Büros könnten zur Straße und die offene Bürolandschaft könnte zur Bahnseite mit vorgelagerten Grünterrassen orientiert werden.
Eine abschnittsweise Realisierung (1. Bauteil Granit, 2. Bauteil Roth) ist möglich. Ebenso könnte das gesamte Gebäude unter Aussparung der erdgeschossigen Gebäude (Tankstelle mit Nebenräumen) errichtet werden.
Alleinstellungsmerkmal Es wird ein langgezogener Solitär vorgeschlagen, der mit dem Stadion und dem Stadionturm einen Dreiklang bildet. Er ist durch seine Formen und Positionierung identitätsstiftend. Der städtische Zielkonflikt zwischen dicht bebauter Stadt und großzügiger Durchgrünung, zwischen Bebauung und Natur wird im Gebäude ausgetragen und gestaltgebend genutzt.
Straßen- und Platzgestaltung Für die Conrad-von-Hötzendorf-Straße gibt es die Planungsvorgabe der Stadt Graz einer straßenbegleitenden Platanenallee. Das Gebäude setzt sich an die vorgesehen Kante. Der Gebäudesockel ist mit Geschäften und Auslagen belebt. Zwei Eingänge mit gedeckten Vorzonen zonieren.

Zwischen Neubau und Gleisen wird ebenfalls eine Platanenallee vorgeschlagen. Diese wächst als grüne Wand am Gebäude hinauf.
Der Stadionplatz wird durch den Umbau der Ulrich-Lichtenstein- Gasse zum Fuß- und Radweg nach Norden ausgedehnt. Unter Einbeziehung der großen, vorhandenen Platane münden die beiden Baumalleen in einen durch das Baumraster gegliederten Bereich. So bekommt der Platz des »lauten« Stadionvorbereichs noch eine ruhige Seite unter Bäumen.