NEUBAU VOLKSSCHULE IN FÜRSTENBRUNN

offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Julia Ehrlinger
Rafael Pielorz

Freianlagenplanung:
studio blaugrün

09|2022 – 12|2022

aus dem Erläuterungsbericht:

STÄDTEBAULICHE INTEGRATION »DIE SCHULE ÖFFNET SICH ZUM ORT. DER ORT ÖFFNET SICH ZUR SCHULE. Von der geschlossenen Schule zur wechselseitigen Nutzung zentraler Funktionsbereiche.«

Vom zukünftigen Nahversorger über das bestehende Kinderbildungszentrum bis zur neuen Volksschule spannt sich eine Allee. Sie wird von Bäumen bzw. Gebäuden begrenzt. Sie wird durch Plätze aufgeweitet. Sie wird das neue Zentrum von Fürstenbrunn. Sie ist offen für weitere bzw. engere Anbindungen (Kirche). Sie wandelt sich von der Zufahrt für den Nahversorger im Süden bis zur Schulstraße und mündet in den »Platz des Kindes« im Norden. Dieser ist gemeinsamer Vorplatz für den Kindergarten und die neue Volksschule.

Die Volksschule steht senkrecht zur Allee. Sie rahmt den Platz im Norden. Das Gebäude ist zweigeschossig und an der öffentlichen Seite zum »Platz des Kindes« um ein Geschoß höher. Ein städtebaulicher Akzent wird gesetzt. An die nördliche und westliche Wohnbebauung, welche größtenteils zweigeschossig ist, passt sich der Neubau in der Höhe und der Körnung an (Er wird durch den herausgeschobenen Turnsaal strukturiert). Im Süden bleibt der Baukörper ungeteilt und antwortet auf die Länge des bestehenden Kinderzentrums.

Die neue Volksschule steht mittig im Grundstück. Sie hält Abstand zu den Nachbarn. Es entstehen differenzierte Freiräume. Nach Süden zum Platz des Kindes liegen die Eingänge. Das große Kommen und Gehen. Der Haupteingang ist über einen gedeckten Gang mit dem Nebeneingang und dem Fußweg aus dem westlichen Wohngebiet verbunden. Zu den westlichen Nachbarn bleibt Platz für den Garten der drei Kleinwohnungen. Dieser geht fließend in den Obst- und Beerengarten der Schule über. Weiter im Uhrzeigersinn wird der Schulhof belebter und steht mit dem öffentlichen Spielplatz im Osten in direkter Verbindung. Die Anlieferung für die Küche ist dezent auf die Seite geschoben und liegt etwas versteckt wie auch die Parkplätze ganz im Norden.

Die Wege der Umgebung werden eingebunden. Der von Westen kommende Fußweg ebenso wie der Salzweg und der Försterweg. Die Gebäudedetaillierung wird dieses Eingebundensein und die Offenheit des Ortes aufnehmen.

ENTWURFSIDEE »DER DEMOKRATISCHE STAAT BENÖTIGT EINE DEMOKRATISCHE SCHULE. Von einer Schule ohne Mittelpunkt zu einem gemeinsamen Ort für die Schulgemeinde.«

Die Schule betritt man über die Aula – direkt, über einen Windfang oder über die Garderobe. Hier liegt alles übersichtlich auf dem Präsentierteller. Von links nach rechts im Uhrzeigersinn: Zu den Umkleiden – Treppenskulptur mit Luftraum ins Schulgeschoss hinauf – Große Tür in den Turnsaal – Ganztagsbereich mit Bibliothek – Speiseraum – Garderobe. Licht kommt über die Fassaden von der Seite und über Oberlichter von oben. Die Lichtführung wird zum Leitsystem im Gebäude.

Die Aula ist nicht nur Verteilzentrum, sie ist das Herz der Schule, das Zentrum, der Mittelpunkt. Angelagerte Funktionen (Ganztag, Essen/ Küche) bereichern sie. Die Turnhalle vergrößert sie – eine doppelflügelige große Tür koppelt die Räume miteinander. Einblicke von oben (Innenfenster in die Turnhalle und zwei Lufträume) animieren zur »bewegten Pause« im ganzen Gebäude.

»GERLERNT WIRD ALLEIN, ZU ZWEIT, IN DER KLEINGRUPPE UND IM KLASSENVERBAND. Vom engen Klassenzimmer zur differenzierten Lernlandschaft.«

Über dem Sockelgeschoss liegt das Schulgeschoss. Alle Klassenräume werden an den Außenwänden aufgefädelt – eine übersichtliche und flexible Grundrissorganisation. Der eingeschobene Turnsaal teilt die Fläche. Jeweils vier Klassen mit zwischen ihnen liegenden Differenzierungsräumen sind um eine offene Lernlandschaft organisiert. Die Vorschulklasse bekommt einen eigenen kleinen Bereich.

Dreh- und Angelpunkt des Grundrisses ist neben der Turnhalle die breite Treppe mit zwei Lufträumen. Von hier wieder von rechts nach links im Uhrzeigersinn beschrieben: In die Direktion – In den Lerncluster 2 vorbei an Sitznischen mit Blick in den Turnsaal – Blick nach unten in die Aula mit Licht von oben – Vorschulklasse – In den Lerncluster 1 – Treppe ins Dach zum Werken, Musizieren und zu den Lehrerräumen.

»LERNEN BENÖTIGT UNTERSCHIEDLICHE PERSPEKTIVEN UND AKTIVE ZUGÄNGE. Vom Instruktionsraum zu vielfältig nutzbaren Räumen: Werkstätten, Bühnen, Ateliers.«

Das Dachgeschoss – zwei Werkräume, der Medien- und Musikraum, Lehrerkonferenz und Sozialraum – ist introvertierter und fokussierter. Es hat Außenbezug zu Flächen am Dach.

Die zentral liegende Treppe wird zur barrierefreien Erschließung um einen Lift ergänzt. Im Südosten gibt es ein »verstecktes« Fluchttreppenhaus um von jedem Punkt des Gebäudes zwei Fluchtwege zu garantieren.

»SCHULE HEISST LERNEN, TOBEN, VERWEILEN, REDEN, ESSEN UND VIELES MEHR – IN EINEM GESUNDEN RHYTHMUS. Von halligen, dunklen Fluren zu abwechslungsreichen Aktionsflächen außen und innen.«

Wände sind Raumabtrennung. Sie trennen zum Beispiel den Klassenraum von der offenen Lernlandschaft. Wir erweitern deren Funktion um Schrankflächen, Sitznischen, Sichtfenster zur informellen Kommunikation, Oberlichter zur natürlichen Belichtung und große Türen, die auch geöffnet bleiben können. Aus den Wänden werden Möbel, die den Raum fließend und flexibel strukturieren. Diese Wandmöbel gibt es überall im Gebäude, hervorzuheben sind diese zwischen Klassenraum und Lernlandschaft und in der Turnsaalwand.

ANGABEN ZUR BAUWEISE »WIR MÜSSEN ANDERS BAUEN! In einer Ökonomie des Lokalen kommen die primären Baumaterialien aus dem Ort. Das Zugekaufte ist Veredelung.«

Das Bauwerk sollte in großen Teilen aus vor Ort gewachsenen Rohstoffen entstehen. Es soll viel Holz eingesetzt werden. Je weniger erdberührende Bauteile, desto mehr Holz als Baustoff wird möglich. Das führt zum Verzicht auf Unterkellerung. Lediglich die Bodenplatte mit Frostschürze wird in Beton ausgeführt.

Holzstützen im Raster 2,9m auf 6,7m tragen und strukturieren. Haupt- und Nebenträger verteilen horizontal. Darauf wird eine Betonschicht von 10cm Stärke aufgebracht, die im Verbund mit den Holzträgern eine ökonomische und ökologische Konstruktion darstellt, welche vom Brandschutz über den Schallschutz »alle Stücke spielt«.

Der Liftschacht kann aus Brettsperrholz aufgebaut sein. Die Turnhallenwände werden flächig beplankt und übernehmen den größten Teil der Aussteifung.

Die Wände im Leichtbau, die Außenwand als hochgedämmte und wärmebrückenfreie Schale – summa summarum ein ökologischer Neubau lokalen Ursprungs.

MATERIAL- UND FARBKONZEPT, MÖBLIERUNG »KULTURELLES LERNEN IST DER ECKSTEIN DER BILDUNG. Vom reinen Funktionsbau zum empfindsam gestalteten Ort.«

Der bewusste Umgang mit den begrenzten Ressourcen ist zusammen mit neuen Lern- und Lehrzugängen das große Thema des Entwurfes. Daher soll der offensive Holzeinsatz so unverkleidet und natürlich wie möglich gezeigt werden. Das heißt: sichtbare, unbehandelte Holzkonstruktionen, sichtbare Holzaußenwand (Brettsperrholz innen, hinterlüftete Holzfassade außen), Holzfenster, hölzerne Deckenuntersichten.

Fußböden sind in einer Schule hochbelastet. Daher wird ein geschliffener Estrich mit eingestreutem Marmorbruchsteinen vorgeschlagen. Das Grau des Estrichs und der Farbton von »Untersberger Hell« ergeben eine freundliche und leicht zu reinigende Oberfläche.

Die Leichtbauwände werden blau gestrichen. Als Kontrastfarbe (und zum Holz auch Komplementärfarbe) unterstreichen sie die Natürlichkeit der beiden Naturmaterialien. Sie verstärken und bereichern sie.

Der Materialdreiklang setzt sich außen fort: Natürliche, unbehandelte Holzfassade, weit auskragender Attika mit blauer Untersicht, heller Untersberger Marmor bzw. Marmorsplit in den Freianlagen.

... (Auszug)