UNIVERSITÄT LEIPZIG NEUBAU
FORSCHUNGSBAU GLOBAL HUB

Nicht-offener, einstufiger städtebaulicher
Ideen- und hochbalicher
Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Rafael Pielorz
Franziska Schneeberger
Vinzent Wallner
Felix Mader

12|2021 – 02|2022

BEBAUUNG – Im Ostteil des Grundstückes betritt man über den gläsernen Eingangskubus das Global Hub. Die Enden des U-förmigen Baukörpers stehen am Boden. Darüber folgen fünf Geschosse mit Flächen für den Global Hub.
Das westliche Erdgeschoss des Bauplatzes ist fast vollständig von der Markthalle belegt. Diese tritt nach allen Richtungen öffentlich in Erscheinung und zieht Menschen an. Über ihr, öffentlich vom Hof aus zugänglich, aber weniger exponiert gelegen, befindet sich die Musikschule auf fünf Ebenen.
Von der Planstraße/ Planplatz zur Brüderstraße gibt es einen Durchgang, an der Nordseite ein zweigeschossiges Geschäft (zum Beispiel einen Buchladen).
Beim Block MK4 liegen im Erdgeschoss öffentliche Funktionen (Restaurant, Café, Geschäfte) am überdachten Vorplatz. Die Wohnungen in den oberen sechs Geschossen gruppieren sich um einen baumbestandenen Innenhof, der von einem überdachten Vorplatz erreichbar ist.

Die NUTZUNGSARTEN Forschungsgebäude, Musikschule, Volkshochschule, Markthalle mit Supermarkt, Gastronomie, verschiedene Läden und Wohnen geben dem Block einen interessanten Nutzungsmix.
Für alle Funktionen gedacht aber initiiert vom Forschungsbau liegt in der Mitte eine begehbare Skulptur mit vielen Gesichtern. Wir nennen sie ab jetzt BLUE TRANSFER NODE.
Für das Global Hub ist sie Metapher der Weltverbundenheit und en pratique die Plattform nach außen. Während der Bauzeit des Ideenteils dient sie als View Point auf die Baustelle. Für die Markthalle ist die Blue Transfer Node Dach für temporäre Marktstände.Für die Musikschule dient sie als Boulevardtreppe dem Eingang vorgelagert.
Für das Wohnen ist sie urbane Stadtterrasse.
Für das zweigeschossige Geschäft wird die Transfer Node zur zweigeschossigen Bummelzone.

GLOBAL HUB LEIPZIG – REALISIERUNGSTEIL
Der ÖFFENTLICHE BEREICH – AUSSENRAUM: Vor dem Eingangskubus gibt es einen überdachten Platz unter dem Gebäude. Die Untersicht des Gebäudes ist verspiegelt. Der Innenhof mit der Transfer Node spiegelt sich an der Decke ebenso wie die dem Global Hub zustrebendem Menschen.
Die Blue Transfer Node ergänzt das Raumprogramm als Ausstellungsplattform für Bankette, als Interaktionsraum mit Bürgern, als offenes Angebot. Bäume aus allen Teilen des Globus wachsen durch sie hindurch. Sie kommen zu einem globalen Arboretum zusammen. Sie prägen den Innenraum des Bauwerks durch ihre verschiedenartigen Charaktere. Sie beschatten und sorgen für angenehmes Klima und sie symbolisieren die Verbundenheit des Ortes.
DER ÖFFENTLICHE BEREICH – INNENRAUM: Das Global Hub betritt man über den gläsernen Eingangskubus im Erdgeschoss. Hier werden die Weichen gestellt: BesucherInnen gelangen über die Garderobe in das Veranstaltungszentrum im 1. Obergeschoss. MitarbeiterInnen und WissenschaftlerInnen werden in die oberen Geschosse geleitet. Sanitär- und Nebenräume liege dezent im Hintergrund.

Im 1. Obergeschoss befindet sich das Veranstaltungszentrum des Global Hub mit einem teilbaren Raum für 150 Menschen. Ein Luftraum mit Treppe und gläsernem Lift verbindet dieses Aussichtsgeschoss repräsentativ mit dem Eingang. Das Transfer Lab neben dem Veranstaltungszentrum hat ebenfalls öffentlichen Zugang über dieses Foyer.

Aus dem Foyer und nach oben streben Pflanzen dem Licht entgegen.
DIE WELT DER FORSCHUNG: Vier U-förmige Regelgeschosse legen sich um den Innenhof. Sie sind von diesem und von den Außenseiten belichtet. Im nördlichen Flügel der Geschosse wird die Graduate School untergebracht, in der Mitte das ReCentGlobe und im südlichen Flügel des Us liegen die Institute. Die Direktion im 1. Obergeschoss liegt an der Schnittstelle zur Öffentlichkeit.
Drei Treppenhäuser erschließen. Das Nördliche ist Fluchtweg und untergeordnete Verbindung der Geschosse. Das Südliche verbindet die Institute mit Lift barrierefrei. Externer Zugang aus dem Erdgeschoss ist in jedes Institut realisiert. Das Mittlere liegt zentral im Arbeitsalltag aller und bildet eine Lebensader für das gesamte Bauwerk.

Wir nennen es YELLOW STAKING NODE DES GLOBAL HUB.
Hier sind die Labs, die Besprechungsräume, Lounges und Teeküchen angesiedelt und sorgen für große Aktivität. Die Wege kreuzen sich. Und noch etwas rückt das mittlere Treppenhaus in den Fokus:
Es liegt im MEHRGESCHOSSIGEN LUFTRAUM, der Licht von oben, frische Luft von unten nach oben und Pflanzen von überall beherbergt. Ein Netz begrenzt diesen Raum, ist Absturzsicherung, Rankgerüst – Wir nennen es GREEN GRID NODE DES GLOBAL HUB.
Sie strahlt atmosphärisch ins ganze Global Hub. Viele Bilder im Kopfkino sollen provoziert werden vom »Tropenhaus mit Schmetterlingen« über »Natur im Käfig« oder kreativer Inkubator. Brücken führen hindurch und verbinden die Funktionsbereiche. Beiläufige Kommunikation wird gefördert und kann eine neue Qualität erreichen. Kreativität entsteht durch den Wechsel zwischen Welten, was mit wenigen Schritten möglich wird.
Die AUSSENWÄNDE aus hochgradig vorgefertigten Holzsandwichelementen dämmen das Gebäude bestmöglich im ökologischen wie ökonomischen Sinne. Wärmebrücken werden ausgeschlossen, aufgeschäumte Dämmstoffe vermieden und CO2 speichernde Baumaterialien verwendet. Die Holzkonstruktion soll an den Innenwänden sichtbar bleiben. Das wird durch die diffusionsoffene Konstruktion und die Verlagerung sämtlicher Installationen in den DOPPELBODEN möglich. Dieser wird mit schalldäpfendem Teppich belegt, um akustisch angenehme Arbeitsbereiche zu garantieren. An der DECKE wird die Akustik punktuell durch abgehängten Holzwolleplatten beeinflusst, in die auch die Grundbeleuchtung integriert wird. Der größte Teil der Decke bleibt sichtbar, um eine Bauteilaktivierung zu ermöglichen. Der INNENAUSBAU erfolgt mit einem Trennwandsystem, wodurch spätere Anpassungen leicht möglich bleiben und die Wertschöpfung vor Ort sichergestellt werden kann.
Eine vorgehängte FASSADE aus glasfaserverstärkten und durchgefärbten Betonplatten wird vorgeschlagen. Ihr geringes Gewicht reduziert die Lasteintragung in die Gebäudestruktur. Langlebigkeit ist durch das Material gegeben. Die senkrecht stehenden Platten aus unterschiedlich breiten und farblich differenzierten (rotbraunen) Scharen im Zusammenspiel mit der ruhigen Lochfassade des Global Hub passen das Gebäude harmonisch in das Quartier ein.

An der Fassadenunterkante wechselt das Material. Spiegelstreifen übernehmen die Regie. Die Fassade wird leichter und in der UNTERSICHT komplett verspiegelt. Blockinneres und Blockäußeres treten in einen reizvollen Dialog, der sich glitzernd an der Decke zeigt. BLUE TRANSFER NODE: Die Stahlschottenkonstruktion wird über die vier breiten Boulevardtreppen auf Einzelfundamente abgestellt. Teilweise vorgefertigt und vor Ort verschweißt und beschichtet ist sie als Sonderbauteil unübersehbar. Sie wird zum vielfach geteilten Bild, zum visuell und sinnlich erlebbaren Symbol für die weltweite Verknüpfung des Global Hubs. Sie steht für Konnektivität.

BRANDSCHUTZ: Die Fluchtwegführung in drei abschließbare Treppenhäuser ist einfach und übersichtlich. Die Brandrauchentlüftung erfolgt über den zentralen Luftraum.
Brandabschnitte verlaufen vertikal, um geschossübergreifenden Lufträume zu ermöglichen (zwei Flügel und Mittelteil). So kann auf Brandriegel zwischen den Geschossen der Holzfassade verzichtet werden, lediglich an den Brandabschnittsgrenzen ist der Holzbau zu kapseln.

LÜFTUNG: Die öffentlichen Bereiche werden wegen der teils sehr dichten Nutzungsbelegung be- und entlüftet. Die nötige Technik ist im Untergeschoss untergebracht. In den Arbeitsbereichen werden die abgeschlossenen Räume (Fokus, Kreativ, ...) mit Zuluft versorgt. Diese überströmt durch Schalldämmlüfter in die offenen Bereiche und durch die Grid Node bis ins Oberlicht des Daches. Hier wird diese abgeführt und die Energie wird über Wärmetauscher wieder der Zuluft zugeführt.

HEIZUNG/ TEMPERIERUNG: Fußbodenheizung /-kühlung über die Bauteilaktivierung der sichtbaren Betondecken. Zusätzlich wird eine Randzonenheizung entlang der Außenwand vorgeschlagen.

ENERGIEBEREITSTELLUNG: Hybridkollektoren (Solar und Photovoltaik) haben einen hohen Wirkungsgrad. Sie liefern den Strom und Wärme für Wärmepumpen. Im Zusammenspiel mit einem Wärmepuffer unter dem Gebäude kann ein Großteil der Kühl- bzw. Heizenergie bereitgestellt werden. Die anliegende Fernwärme deckt die auftretenden Spitzen ab.

KONZEPTIDEE UMSETZUNG NACHHALTIGES BAUEN: Der Neubau des Global Hub ist durch seine innerstädtische Lage perfekt an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Über einen dichten Nutzungsmix kann das Quartier langfristig bespielt werden und ist offen für Veränderungen. Das Gebäude wird als energiesparender Forschungsneubau ausgeführt. Auf nicht nachwachsende Materialien wie aufgeschäumte Dämmstoffe wird verzichtet, energieintensive Konstruktionen werden minimiert – Stahlbeton nur soweit unverzichtbar – und durch CO2 speichernde Bauweisen, wie die vorgehängte Holzsandwichfassade ersetzt. Diese Maßnahmen werden konstruktiv und gestalterisch gezeigt – als wahrnehmbare Gebäudetechnik, Innenseite der Holzwand in Sichtoptik – soweit die Langlebigkeit nicht darunter leidet – dauerhafte Fassade schützt die Holzaußenwand. Der Neubau des Global Hub wird ein Teil des Quartiers und ist dabei identitätsbildend mit starker Ausstrahlung und Adressbildung.