WEITERENTWICKLUNG
MARTIN LUTHER PLATZ LINZ

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

Vinzent Wallner

12|2020 – 02|2021

Der Martin-Luther-Platz wurde 2011 neu gepflastert. Alle Bezüge der Vergangenheit wurden zu Gunsten eines großzügigen, leeren Platzes entfernt. Etwas fehlt. Die Bühne bleibt leer.

Im einheitlichen Platz sind drei Plätze versteckt. Die Johann-Konrad-Vogel-Straße endet als Sackgasse am Platz, führt aber informell zur Landstraße weiter und wird von Anlieferern und Fußgängern frequentiert. Die Aufweitung der Landstraße schafft Platz für Markstände und Krippenspiel und verbindet die Kirche mit der Hochfrequenzzone der Einkaufsmeile. Der Kirchenvorplatz mit Café ist für offizielle Anlässe wie für familiäre Treffen konzipiert. Die drei Funktionen beeinflussen sich gegenseitig und durch ihre Gegensätzlichkeit nicht immer zum Vorteil.

Neben der Kirche, im Inneren des Randblockes versteckt, liegt der öffentliche City-Park. Der Parkplatz bei der Kirche trennt Kirche und Platz.

Der Entwurf schlägt die Zonierung des Platzes in drei Unterplätze vor und verwendet als Mittel Bäume, Stadtmöbel, einen zweigeschossigen Kinderspielplatz und ein »Dach«.

Der Parkplatz neben der Kirche darf entfallen. Es wird vorgeschlagen das andockende Platzsegment neu zu gestalten und als geschützter Kirchenplatz für Feste und Feiern zu nutzen. Gleichzeitig bekommt der City-Park endlich seinen Eingang.

Die Johann-Konrad-Vogel-Straße endet für Autos bei zwei versenkbaren Pollern am Platz. Eine neu gepflanzte Blauglockenbaumallee verbindet Platz und Straße. Die Qualität sowohl der Straße wie des Platzes wird durch die schnell wachsenden, großblättrigen, im Frühjahr intensiv blau und duftend blühenden, skulpturalen Bäume gesteigert.

Mittig am Platz zur Landstraße wird ein Mammutbaum vorgeschlagen, der als Tiefwurzler für den Stadtraum geeignet ist und ein langes Leben hat. Im Dezember wird er als Weihnachtsbaum zum Christmas-Star. Den Rest des Jahres wird er ob seiner Größe und Eigenart nicht unbeachtet bleiben.

Mittig in der Platzachse wird ein zweigeschossiger Kinderspielplatz angeboten, der als Ergänzung zum Einkaufsvergnügen der Landstraße gedacht ist und zur kontemplativeren Nutzung abseits des Shoppingvergnügen einladen soll. Der Kinderspielplatz bekommt als Dach ein Baumhaus.

Zweigeschossigen Stützen tarnen sich als Stämme und tragen das Baumhaus. Auf drei Ebenen wird zusätzlicher Raum für die benachbarten Gebäude angeboten. Das kann wie in den Plänen dargestellt - Erweiterung und direkt angedockte Dependance des Thalias sein. Eine Anbindung an den Douglas auf der anderen Seite wäre ebenso denkbar, wie auch der eigenständige Zugang vom Platz.

Der am Entwurf beteiligte Statiker Harald Weiss schlägt ausbetonierter, zweigeschossiger Stahlstützen vor, welche ein räumliches Stahlfachwerk mit eingehängten Stahlbetondecken tragen. Thomas Schneider gibt als beigezogener Baumanager die Kosten mit circa 3,1 Mio Euro netto für den Platz inkl. Bäume und Baumhaus an sowie circa 125.000 Euro netto für die Gestaltung des Platzes zum City-Park.