geladener Realisierungswettbewerb
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Vinzent Wallner
02|2020 – 05|2020
STÄDTEBAU
Ein viergeschossiger Baukörper in drei Teilen füllt das Baufeld
nahezu komplett aus. Er hält Distanz zur Kirche und gibt ihr den
nötigen Raum. Zum niedrigeren Nachbargebäude im Süden ist
der Baukörper abgestuft und vermittelt.
ARCHITEKTUR
Das unterirdische Sockelgeschoss ist einen Meter über das Außenniveau
herausgehoben. Darauf stehen zwei leichte Holzbauten
für die oberirdischen Funktionen.
Zwischen diese als Bindeglied ist die Erschließung eingefügt. Sie
verbindet nicht nur alle Geschosse mit Lift und Treppe linear miteinander,
sondern führt zusätzliche „Abkürzungen“ ein, um die
Kindergartengruppen und Schulcluster eng anzubinden.
Das Bindeglied zeigt nach außen selbstbewusst die Lehmbauweise,
die dienenden Holzbauten sind zurückhaltend mit vertikaler
Schalung verkleidet. Ein gemeinsames, auskragendes Vordach
verbindet.
INNENRAUMGESTALTUNG
Man betritt den Neubau über den Lehmturm.
Eine beschützende Höhle, die räumliche Geheimnisse zum Erkunden
bereithält, steht im bewussten Kontrast zu den offenen,
hellen Holzbauten.
Der Lehmturm kann aus vor Ort hergestellten, luftgetrockneten
Lehmziegeln mit Beteiligung der Gemeinde hergestellt werden.
Ebenso können industriell vorgefertigten Lehmbauteile Verwendung
finden.
ERSCHLIESSUNG
Der Haupteingang im Osten wird bei Schlechtwetter über eine
Schmutzschleuse mit Garderobe im Untergeschoss erreicht. Die
öffentlichen Funktionen und der Kindergarten liegen direkt beim
Haupteingang. Ein durchgehendes Treppenhaus mit Lift im Westen
verbindet alle Geschosse barrierefrei miteinander. Zusätzlich
gibt es Treppen, welche die beiden Kindergartengeschosse und
die drei Schulgeschosse verbinden.
FUNKTIONSABLÄUFE
Der Haupteingang führt direkt in den Lehmturm. Bei Schlechtwetter
kann der Zugang über eine Außentreppe in die Umkleiden im
Untergeschoss umgeleitet werden. Schuhe und Jacken werden
zentral getrocknet. Der Ausgang in den Garten kann ebenfalls
über diese Schleuse führen.
Im Südbaukörper des Erdgeschosses gruppieren sich die öffentlichen
Funktionen Aula, Essen, Bibliothek und Musik um eine Terrasse.
Die WCs liegen direkt darunter.
Im Nordbaukörper im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss
sind die beiden Kindergartenebenen mit einer direkten Treppe
verbunden. Zwei introvertierte Gruppenräume, die Gemeinschaftsfläche
mit Terrasse und die dienenden Funktionen bilden
ein abwechslungsreiches Raumgefüge. Der Weg in den unmittelbar
angrenzenden Garten ist kurz. Ebenso der Weg zum Haupteingang
für Eltern die ihre Kinder abholen.
Die beiden oberen Geschosse des Nordbaukörpers sind für die
Verwaltung und die Werkräume geplant.
Im Südbaukörper im ersten und zweiten Obergeschoss liegen
die Cluster mit vier Klassen, zwei Gruppenräumen und zentraler
Lernlandschaft mit Terrasse. Die Garderoben und WCs sind über
den Lehmturm erreichbar. Der Grundriss des Südbaukörpers ist
völlig frei bespielbar und kann zukunftsoffen umgestaltet werden.
Im südlichen Baukörper im Untergeschoss sind Kleinturnhalle
und Bewegungsräume geteilt laut Raumprogramm oder auch als
großer ungeteilter Raum möglich. Die Belichtung erfolgt über die
Seitenwände oberhalb der Prallwände. In der Mittelzone sind liegen
Treppe, Lift und öffentliche WCs, im Norden Umkleiden und
Nebenräume.
AUSSENRAUM
Die befestigten und versiegelten Flächen liegen bei den Eingängen
im Osten und bilden eine zusammenhängende Fläche. Nach
Westen zur freien Landschaft wird der Außenraum mit Bäumen
und Gehölzen gestaltet und passt sich so in den vorgefundenen
Naturraum ein.
Auf der Spielfläche für den Kindergarten wird als Wiederholung
der Gebäudestruktur ein Lehmturm vorgeschlagen, welcher die
Fläche zoniert und zum Erkunden einlädt.
ENERGETISCHES UND ÖKOLOGISCHES KONZEPT
Intention ist es, durch den Neubau des Kindergartens und der
Volksschule Bezau ein überregional sichtbares Zeichen für ökologisches
Bauen zu setzten.
Es werden ausschließlich ökologische Baumaterialen verwendet,
die den ÖkoBauKriterien des „www.baubook.at/oea“ entsprechen.
Die Farbgebung der Räumlichkeiten entsteht durch die natürliche
Farbigkeit der Materialien, die möglichst unbehandel dem Prozess
natürlicher Alterung ausgesetzt sind.
Farbiger Lehmputz und Holzoberflächen schaffen eine wohlige
Atmosphäre in den Innenräumen. Der masseträge Lehmturm
sorgt für ein gesundes Raumklima.
Das Tragwerk wird in Holzständerbauweise hergestellt, die Dächer
mit Zellulose und die Außenwände mit Baustroh ausgefacht
und innen mit Lehm verputzt. Das Fassadenkleid besteht aus
senkrechten Lärchenholzbrettern unterschiedlicher Breite und
Tiefe, was eine plastisch -bewegte Oberfläche
entstehen lässt. Sie bilden auch den feststehenden Sonnenschutz
von außen.
HAUSTECHNIK
Der Grundsatz lautet Low-Tech. Alle Funktionen werden-anstatt
mit Haustechnikkomponenten- mit feststehenden Bauteilen erfüllt.
Dies betrifft den Wärmeschutz, den Schutz vor sommerlicher
Überhitzung, die Lüftung, die Nachtauskühlung und die Belichtung.
Durch serielle schmale Fensterflügel kann eine optimale und je
nach Tageszeit individuelle natürliche Durchlüftung der Räume
gewährleistet werden. Als feststehender Sonnenschutz fungieren
die Lärchenlatten, die außen vor den Fenstern sitzen und so effektiv
vor sommerlicher Überhitzung schützen.
Bezüglich der Luftdichtheit wird ein Wert von mind. 0,6 H-1 erreicht.
Als Energiequelle wird ein Anschluss an das bestehende Biomasse-
Nahwärmesystem verwendet. Dezentrale, feuchteregulierende
Abluftanlagen in den Garderoben unterstützen das manuelle
Lüftungskonzept.