Offener Realisierungswettbewerb
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Vinzent Wallner
01|2020 – 04|2020
Der Neubau der Justizanstalt Klagenfurt teilt sich in die Baukörper
Werkstätten/ Verwaltung, Hafttrakt sowie Freigänger-/ Gästehaus.
Der Werkstätten Trakt ist zurückhaltend, geduckt ausgebildet
und formt einen Wirtschafts-/ Anlieferungshof. Im Westen liegen
die Schlosserei und Tischlerei mit flexibel teilbaren Grundrissen
als Stahlbetonskelettstruktur errichtet. Im Süden sind Unternehmerbetriebe,
Sporthalle, Wäscherei und Küche zwischen
Wirtschafts-/ Anlieferungshof und Innenhöfen untergebracht. Im
Osten folgen Krankenabteilung, Aufnahme und Vernehmungsräume.
Die Torwache an der Nordwestecke hat als Schnittstelle
nach außen eine herausgehobene Position. Im Osten liegen die
Räume für Besucher und Kommunikation mit der Außenwelt.
Diesen Räumen im Erdgeschoss ist nach Süden ein Gang vorgeschaltet,
über den die Insassen und Bediensteten die Räume
erreichen. Eine Abfolge von Innenhöfen belichtet und schafft angenehme
und pragmatische Raumabfolgen. Der größte Hof im
Norden ist Zentrum der Besucherabteilung.
Als zweites Geschoss auf diesen Sockel sind die Räume der
Verwaltung und der Küche aufgesetzt. Dieses aufgesetzte Geschoss
- im nördlichen Teil zweigeschossig - bekommt eine farbige
Lamellenfassade und ist der außen sichtbare Teil der Justizvollzugsanstalt.
Der Hafttrakt ist mit einer Brücke an den Werkstätten-/Verwaltungstrakt
angebunden. Die Brücke mündet in das mittlere Geschoss
des Hafttraktes. Eine Treppe mit Lastenlift verteilt auf die
Geschosse. Der Hafttrakt ist zentral organisiert. Die vier Abteilungen
sind vom Wachzimmer einsehbar. Ein Lufttraum verbindet
die Geschosse und stellt Synergien der Departments untereinander
her.
Die vier Flügel die jeweils eine Abteilung aufnehmen sind alle
ähnlich organisiert. Einseitig sind die Hafträume aufgefädelt, auf
der anderen Seite liegen die gemeinsam genutzten Räume. Am
äußeren Ende ist eine Fluchttreppe, am inneren Ende sind eine
Treppe bzw. Allgemeinräume angedockt. Diesen sternförmigen
Grundriss gibt es dreimal übereinander für die drei Departments.
Im zentralen Dachgeschoss entsteht für die Bibliothek, Andachtsund
Mehrzweckräume ein herausgehobener Raum.
Das Freigänger- und Gästehaus ist etwas abgerückt im Nordosten
organisiert.
Architektonisch gibt es zwei Gestaltungsprinzipien:
– Den zur Außenwelt gezeigte Teil – das Gesicht der Justizvollzugsanstalt
als moderner Verwaltungs- und Produktionsbau.
– Die nach innen gekehrten Gebäude – robuste, gut funktionierende
Bauten im menschlichen Maßstab.
Die öffentlichen Fassaden sind durch außen liegende, horizontale,
farbige Lamellen mit Lichtlenkfunktion gekennzeichnet. Die
Baukörper sind markant und adressbildend.
Die introvertierten Fassaden sind aus Sichtbeton mit quadratischen
Öffnungen. Die Öffnungen sind in Größe und Lage für
die dahinterliegenden Räume optimiert. Strenge Fassadenraster
werden vermieden. Circa 3cm vertiefte quadratische Reliefs im
Sichtbeton ergänzen das Spiel der Öffnungen.
Die Kompaktheit der Gebäude ist durch die Sicherheitsvorgaben
im Vergleich zu anderen Gebäudetyplologien nicht sehr
hoch. Dies kann durch gute Dämmung zumindest teilweise wieder
kompensiert werden. Die Orientierung der Öffnungen und
deren Größe wird nach Gesichtspunkten Vermeidung sommerliche
Überhitzung und Reduzierung Wärmeverluste optimiert.
Der Technikeinsatz (Lüftung, ...) wird auf das absolute Minimum
beschränkt, um die Kosten in Anschaffung und Unterhalt gering
zu halten. Da eine Wärmeversorgung über die Nahwärme
(Biomasse) angestrebt wird, ist die Einhaltung der angestrebten
Nachhaltigkeitskriterien gegeben. Solarkollektoren zur Warmwassererzeugung
kombiniert mit einem Konzept zur Nutzung bei
Entstehung würden den Energieverbrauch weiter reduzieren.