VOLKSSCHULE UND HORT PICHLING

geladener Realisierungswettbewerb

Matthias Seyfert

Sebastian Wimmer
Vincent Wallner

ARGE mit Ivo Muschik

09|2019 – 12|2019

VOLKSSCHULE UND HORT PICHLING

1965, 1977, 1995, 2023 – Der nunmehr vierte Bauabschnitt erweitert die Volksschule Pichling um 14 Klassen. Die als erstes errichtete Montageschule wird abgebrochen und an deren Stelle ein Neubau errichtet.
Der Entwurf kommt wie die Turnhalle und der Hort mit 7m Gebäudehöhe aus. Er gliedert sich in Sockel und Baukörper. Der Sockel springt zurück und trägt ein die Bestandsgebäude umkurvendes Volumen. Dieses kragt am Eingang aus und schafft einen gedeckten Vorplatz. Es bildet die Ecke im Süden und schiebt sich zwischen Turnsaal und Hort, um im Osten in den Garten zu münden. Als Erweiterung für die Zukunft ist ein drittes Geschoss im Süden möglich.
Man betritt das Schulgelände vom Drosselweg. Unter dem gedeckten Vorplatz ist geschütztes Warten möglich. Hort und Schule haben eine gemeinsame Adresse. Dahinter folgt ein kleiner Vorplatz mit getrennten Eingängen.
Durch den Windfang geht es in die Schule. Seitlich Mehrzweck und Fördern, gerade und hinauf die Klassen, rechts das Kinder- Café und der Weg zu Bibliothek, Verwaltung und Hort - alles liegt nah beisammen. Die Orientierung ist übersichtlich. Die Verteilerküche liegt zentral und sichert kurze Wege der Essensverteilung. Der Cluster für den Jahrgang im Erdgeschoss ist über eine Treppe mit Luftraum mit den oberen Clustern verbunden. Diese mäandern vom Südwesten nach Nordwesten und schließlich nach Südosten wechselnd um die Bestandsbaukörper. Auf zwei Geschossen wird die neue Schule organisiert. Alle Klassen sind miteinander verbunden. Zergliedert in vier Cluster entstehen übersichtliche Abschnitte. Die Trennung ist flexibel und lässt Spielraum für zukünftige Entwicklungen. Die Anbindung an den Hort und der Wunsch nach Doppelnutzung von Räumen sind durch die Zweigeschossigkeit ideal gegeben.
Der Lift zur barrierefreien Erschließung wird im Bestandstreppenhaus gläsern ins Treppenauge gestellt. Kellerräume im Neubau werden über den Bestand erschlossen. Die Erschließung ist sehr flächeneffizient.
Das Erdgeschoss des Neubaus trägt als Stahlbetonsockel mit Bodenplatte, Stützen und Decke. Darauf und teilweise auf dem Turnhallennebengebäude liegt ein Holzbau. Dieser kann im südöstlichen Teil noch aufgestockt werden. Der Sockel wird von Glas- und Putzflächen umkleidet, das Obergeschoss von Keramiklamellen um kurvt. Die oberste Lamelle steht heraus, schützt die Fassade und unterstützt die Linie.
Im Inneren dominieren warme und natürliche Farben. Die Wände bestehen aus hölzernen Möbeln, die Decke aus abgehängten Akustikbaffeln, der Boden kann geschliffener Estrich sein. Der Dreh- und Angelpunkt der Treppen und Nebenräume wird mit einer Signalfarbe herausgearbeitet.
Ein offenes Raumkonzept verlangt ein ausgeklügeltes Flucht- und Brandschutzkonzept. Daher gibt es an den Enden des Neubaus und in der Mitte im Bestand Fluchttreppen. Die Brandabschnittsbildung kann durch verdeckt liegende Brandschutztore erfolgen.
Gegenüberstellend wären Sprinkler und damit ein Verzicht auf Brandabschnittsbildung mit Toren, Klappen und Brandwänden in der weiteren Ausführung zu prüfen.

Ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung sichert den täglichen Luftkomfort. Um Überhitzung vorzubeugen, ist ein außenliegender Sonnenschutz vorgesehen. Sämtliche Installationen an der Decke sind offen geführt und werden mit abgehängten Akustikbaffeln ausgeblendet. So kann nachinstalliert sowie unkompliziert gewartet werden, die Masse der Baukonstruktion wird für das Raumklima aktiviert und die gewünschte Raumakustik wird erreicht. Die kühle Nachtluft wird über Nachtlüftungsflügel in der Fassade und die Öffnung der Oberlichter ins Gebäude geholt.
Eins, zwei, drei, vier Bauabschnitte gab bzw. gibt es für die Volksschule und Hort Pichling. Weiterbauen und Weiternutzen ist das Thema, was der Entwurf aufgreift. Er klärt, fügt neu zusammen und deutet zukünftige Erweiterung an. Die verbrauchte Fläche bleibt klein, ökologisch sinnvoller Materialeinsatz wird angestrebt. Der geschwungene Baukörper in einem ansprechenden Kleid aus Keramik-Lamellen hebt den bedeutsamen Stellenwert der Bildung hervor.