KINDERGARTEN
HELLMONSÖDT

Geladener Wettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert

10|2018 – 11|2018

ENTWURF

Im Zentrum des Entwurfes stehen die Kinder und das pädagogische Personal. Die Gliederung des Kindergartens folgt klaren funktionalen Gesichtspunkten, Verkehrswege und Kubatur sind minimiert. Dennoch bietet der Entwurf den Nutzern abwechslungsreiche Raumerlebnisse mit vielfältige Blickbeziehungen und eine spielerische Note, die sich auch von außen zeigt und das Gebäude schon von weitem in seiner besonderen Funktion erkennbar macht.

ERSCHLIESSUNG

Man betritt das Gebäude von Westen durch einen geschützten Eingang, eine Zufahrt ermöglicht das leichte Ein- und Aussteigenlassen. Gedeckte Fahrradabstellplätze sind vorhanden, genug Platz zum Plaudern und Verweilen. Ein Windfang bietet Wetterschutz und Raum zum Abstellen von Kinderwägen. Im Inneren erklärt sich das Gebäude selbst. Man findet am Eingang das Leiterinnenbüro, das seinerseits eine gute Kontrolle über den Ein/ Ausgangsbereich hat. Warteplätze mit Sitzbereichen stehen hier ebenso zur Verfügung. Die Erschließung des Obergeschosses mit einer kindgerechten Stiege fällt ins Auge, auch Platz für einen Kuschelecke darunter ist vorhanden. Der Luftraum verbindet die beiden Ebenen des zweigeschossigen Kindergartens, auch der Einbau einer Rutsche für die Kinder ist möglich.

ORGANISATION

Im Erdgeschoss finden sich zwei behindertengerecht erreichbare Kindergartengruppeneinheiten und die zwei Krabbelstubeneinheiten. Für letztere ist funktionale Trennung zum übrigen Kindergarten möglich, sie liegen im geschützten Bereich Richtung Osten. Ebenso befindet sich im EG der offen wirkende Ausspeisungsbereich samt Manipulationsfläche. Im Obergeschoss finden sich weitere vier Kindergartengruppeneinheiten, vom zentralen offen wirkenden Personalraum samt angeschlossener Teeküche aus wird der Kindergarten auch im Obergeschoss gut überblickt. In jedem Geschoss findet sich zudem jeweils ein Personal WC sowie ein gut proportionierter Bewegungsraum, der durch Blickfenster offen wirkt und im Krabbelstubenbereich über einen zweiten Eingang verfügt.

Im Sinne eines ökonomischen Bauens werden die Krabbelstubeneinheiten im selben Raster wie die Kindergartengruppeneinheiten ausgeführt, was auch Flexibilität und eine spätere Erweiterung begünstigt. Der Gruppenraum selbst bietet durch seine L-Form genug Platz für Rückzug, Kuschel-, Puppen- oder Bauecken. Die Krabbelstubeneinheiten erhalten zusätzlich je eine dem Gruppenraum direkt zugeordnete Ruhezone. Abstellraum und behindertengerechte Sanitärzelle sind leicht und übersichtlich zu erreichen, es bietet sich genug Platz für ein kindgerechtes Waschbecken und Stauraum. Die Sanitärzellen können wahlweise vom Gang aus oder vom Gruppenraum aus erreichbar gestaltet werden, Sichtfenster sind möglich.

Über den Abstellräumern und Sanitärzellen kann eine zweite Spieleben eingerichtet werden. Im Zweiten Obergeschoss findet sich durch die leicht schräggestellten Dächer zudem ein Fenster, das auch angenehmes Nordlicht in den Gruppenraum einlässt.

BAUKÖRPER

Durch die geringe Tiefe des Kindergartens ist auch der Erdgeschossbereich gut natürlich belichtet, es entstehen keine „dunkeln Winkel“. Die klare funktionale Gliederung ermöglicht ein leichtes Erweitern des Kindergartens Richtung Osten. Aus ökonomischen Gründen werden im Obergeschoss nur die Gruppenräume und der Bewegungsraum mit einer Höhe von 3m ausgeführt. Die Dächer sind geneigt und ermöglichen ein leichtes Anbringen von Photovoltaikelementen. Von außen wirkt der Kindergarten durch diese Differenzierung kleinteilig und passt sich gut der umgebenden Bebauung an:

FREIRAUM

In jedem Geschoss gibt es einen direkten zentralen Ausgang im Osten Richtung Garten. Hier befindet sich auch jeweils eine gedeckte Terrasse zum Spielen und eine direkt vom Garten aus erreichbare Sanitäreinheit. jede Gruppeneinheit wird durch eine lichtdurchflutete Garderobe erschlossen, die als Schmutzschleuse auch gleich direkt über eine vorgelagerte Terrasse in den Garten führt.

BLICKBEZIEHUNGEN

Die Fenster sind leicht zu reinigen und sorgen für eine optimale natürliche Belichtung, die Brüstung davor bietet sich auch als Arbeits- und Bastelfläche an. Durch die vorgelagerten Terrassen und die auskragenden Vordächer ist ein besonders guter Schutz vor sommerlicher Überhitzung gegeben. Die Gruppenräume sind durch Sichtfenster mit den Erschließungszonen verbunden.
Durch die vielfältigen Blickbeziehungen wirkt der Kindergarten im Inneren trotz seine minimierten Verkehrsflächen lichtdurchflutet und abwechslungsreich. Eine funktionale und gestalterische Note des Entwurfes ist ein dem Gebäude sonnenseitig vorgelagerter individuell gestaltbarer „Screen“ aus runden Holzstämmen unterschiedlicher Stärke, der den dahinterliegenden Terrassenbereichen Sonnen-und Sichtschutz bietet und dem Gebäude spielerische Leichtigkeit verleiht. Falls gewünscht können auch Hochbeete und Rankpflanzen für die Kinder eingerichtet werden.

BAUWEISE

Der Kindergarten wird in monolithischer Bauweise mittels 40cm starken Ziegelwänden errichtet, auch eine Ausführung als Holzbau wäre denkbar. Aufgrund der minimierten Verkehrswege und Raumhöhen und der damit einhergehenden knapp gemessen Kubatur sind die vorgesehen Baukosten realistisch einzuhalten.