Geladener Wettbewerb
2. Preis
Dietmar Moser
Florian Dessl
Daniela Walder
Julia Haselsteiner
11|2017 – 05|2018
Die Aufgabe des vorliegenden Architekturwettbewerbes umfasst den Neubau der Volksschule Engerwitzdorf-Schweinbach. Auf einem annähernd quadratischen Grundstück südöstlich des Gemeindezentrums ist der jetzige Bestandsbau zentral am Grundstück angeordnet und besticht durch die dem Gelände angepasste Splitlevel-Erschließung und die Dachformen.
Der bestehende, jetzt im Gebäudeensemble integrierte Turnsaal, soll erhalten bleiben und nur minimal adaptiert werden. Eine weitere Anforderung ist der Betrieb des Bestandsschulgebäudes bis zur Fertigstellung des Neubaus.
Die Umgebung des Bauplatzes ist im Osten sehr kleinteilig,
im Süden herrscht Zeilen-Wohnbebauung vor. Im Westen des
Grundstücks befinden sich Kinderbetreuungseinrichtungen und
nördlich der Gusenbachstraße sind das Gemeindezentrum und
andere öffentliche Funktionen angeordnet. In diesem heterogenen
Umfeld passt sich der neue Baukörper an bestehende Maßstäbe
und Dimensionen an, auch in der Höhenentwicklung.
Die geplanten 4 Geschoße des Klassentraktes sind aufgrund des
bestehenden Geländes von der Gusenbachstraße aus nur als 3
Geschoße erkennbar und orientieren sich an der Geschoßigkeit
des gegenüberliegenden Wohnbaus.
Aufgrund des notwendigen Erhalts des Bestandsgebäudes während der Bauzeit ist die Situierung am Grundstück eingeschränkt. Der neue Baukörper positioniert sich selbstbewusst im Nordosten des Grundstücks. Diese Lage hat den Vorteil der optimalen Orientierung der Klassenräume und schafft einen größtmöglichen Freiraum im Süden. Der Hauptzugang zum Gebäude erfolgt von Westen.
Der Entwurf der neuen Volksschule sieht die Einbindung des Turnsaal-Baukörpers in ein neues Ensemble vor. Auch der geplante 4-geschoßige kompakte Klassentrakt wird, in Proportion und Maßstab an den Turnsaal angepasst, in einen verbindenden 1-geschoßigen Baukörper integriert, der beide Elemente räumlich und funktional umschließt und einhüllt. Es ergibt sich ein kompaktes Kollektiv mit einem innenliegenden Hof und einer 2. Freiraumebene.
Dabei wird in der ersten Bauphase die Schule errichtet. Nach der Übersiedelung wird der Bestand bis auf den Turnsaal und die Turn-Nebenräume abgerissen. In einer darauf folgenden kurzen Bauphase werden die Verbindung zum Turnsaal und ein Teil der Nachmittagsbetreuung errichtet und die Turn-Nebenräume adaptiert. Damit wird das Ensemble geschlossen.
Durch die Situierung des neuen Schulbaukörpers im nordöstlichen
Teil des Grundstücks ergibt sich ein weiträumiger klarer
Zugang von Westen her. Der öffentliche Platz beim Gemeindezentrum
wird am Bauplatz weiterentwickelt und zieht sich über
Sitzstufen und Tribünen hinunter zum Vorplatz der Schule. Dieser
halböffentliche Platz kann von allen Bewohnern des Ortes
multifunktional als Bewegungs- und Spielfläche, Theater oder
Ruhezone genutzt werden.
Der Turnplatz und der Park im Süden des Gebäudes können
aufgrund der Lage des neuen Baukörpers weitgehend erhalten
bleiben und dienen als privatere Bewegungszone für die Nachmittagsbetreuung
bzw. den Sportunterricht ohne Einsehbarkeit.
Zusätzlich zu diesen, das Gebäude umspielenden und eher öffentlichen
Plätzen, ergeben sich durch den Verbindungsbaukörper
zusätzliche private Außenräume. Der Zugang erweitert sich zu
einem introvertierten Innenhof, der durch Sitzstufen vielschichtig
bespielbar ist. Der homogene Belag des Zugangs im Außenraum
wird durch den Windfang weiter in den Hof gezogen. Außerdem
wird die Dachfläche des Verbindungskörpers als zusätzlicher
Pausen- und Bewegungsfreiraum und Freiluftklasse angeboten.
Ohne das Gebäude verlassen zu müssen, können sich die Schüler
im Freien am Dachgarten bewegen, spielen, ausruhen, lernen
oder sich um die Blumen- und Kräuterbeete kümmern.
Die bestehenden Parkplätze an der Bürgerstraße können weitgehend
bestehen bleiben, an der Ostseite des Gebäudes werden
über die bestehende Zufahrt weitere Parkplätze erschlossen.
Das Raumkonzept der Volksschule Engerwitzdorf bietet Platz für
eine zeitgemäße Schule.
Vom Hauptzugang aus orientieren sich rechterhand die Nachmittagsbetreuung
und der Turnsaal samt Nebenräumen. Der Windfang
als zentraler Verteiler kann zum Innenhof geöffnet werden
und es ergibt sich eine große multifunktionale Fläche, etwa für
schulinterne Veranstaltungen. Die Garderobe ist übersichtlich
am Eingang angeordnet, Bibliothek und Ausspeisung orientieren
sich zum Innenhof. Im Osten des Gebäudes befinden sich die
Werkräume, ein externer Zugang für die Turnhalle, Lagerräume
und die Küche.
Für die Obergeschoße wird genauso eine klare Struktur vorgeschlagen.
Diese soll intuitive Orientierung, Überschaubarkeit und
inspirierende, helle und unterschiedlich private Räume ergeben.
Die Klassenräume bilden einen rahmenden Rücken. Es entsteht
ein Cluster pro Geschoß, die Aufteilung und Klassengröße ist dabei
flexibel vertauschbar. Zentral angeordnet entwickelt sich nach
Süden der Marktplatz zu einem Gruppenraum. Dieser zentrale
Ort bietet vielfältigen Raum auch für neue offene Lernformen.
Gruppenarbeit, Einzelunterricht, Nachmittagsbetreuung, zurückgezogenes
Lesen oder extrovertiertes Debattieren sind durch
die räumliche Zonierung möglich. Die Grenze zwischen Lernen
und Spielen wird durchlässig und flexibel. Die Klassenräume, ob
räumlich offen oder geschlossen, geben den Rahmen vor.
Der Neubau wird als effizienter Stahlbetonbau mit aussteifenden Wandscheiben errichtet. Das Dach wird als flach geneigtes Walmdach ausgeführt, jedoch durch eine hochgezogene Attika optisch vereinfacht.
Die Fassade ist als grob strukturierte Putzfassade geplant und durch große Fensterbänder mit Holzelement-Füllungen unterteilt. Im Innenraum dominieren warme aber robuste und langlebige Materialien wie geschliffener Estrich und Holz.
Das Gebäude wird in Niedrigenergiebauweise konzipiert.
In den Klassen wird keine mechanische Lüftung angeboten.
Stattdessen soll das Raumklima Teil des pädagogischen Konzeptes
werden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Öffnungsflügel
für Stoßlüftung, Nachlüftung und Winterlüftung ermöglicht das,
CO2-Ampeln unterstützen.
Das Haupttreppenhaus wird als geschlossener Fluchtweg durch alle Geschoße ausgeführt, der 2. Fluchtweg führt über die außenliegende Nottreppe auf den Dachgarten. Das 2. und 3. Obergeschoß sind eigenständige Brandabschnitte, das 1. Obergeschoß wird brandschutztechnisch mit dem Erdgeschoß des Schulbaus zusammengeführt. Entlang der Bauabschnitts-Grenze wird im Erdgeschoß ein weiterer Brandabschnitt gebildet.