UNIVERSITÄT FÜR BODENKULTUR
WIEN

Offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Tamara Türemis
Florian Dessl

Rendering: Janusch (www.janusch.co)

08|2017 – 10|2017

UNIVERSITÄT DES LEBENS | DER NACHHALTIGKEIT

Diese Textleitbilder der BOKU Wien ergänzt der Entwurf um ein modernes, nachhaltiges, die Möglichkeiten des modernen Holzbaus ausschöpfendes Institutsgebäude. Die Nachhaltigkeit zeigt sich in der Wahl der Mittel für Konstruktion und Technik und Sie zeigt sich in der nachhaltigen Gebäudeform. Diese Form ist kompakt und kann als Sichtbarwerdung der Ideale der Boku »vermarktet« werden. Das Markante des Neubaus erhöht die Chancen auf Umnutzung/ Renovierung am Ende des Lebenszyklus und schont so Ressourcen.

BAUPLATZ | BESTANDSGEBÄUDE

Der Bauplatz wird auf der einen Seite vom Hauptgebäude und Laborgebäude und auf der anderen Seite durch Baulinien begrenzt. Das Gebäude setzt sich direkt an diese Baulinien um den Abstand zu den Bestandsgebäude möglichst groß zu halten. Dieser respektvolle Abstand wird durch das Abschrägen, durch das Verjüngen nach oben noch erhöht.

ERSCHLIESSUNG | BRANDSCHUTZ

Der Zugang führt von der Peter-Jordan Straße zum Haupteingang auf der Westseite. Ein zweiter Eingang im Osten vermittelt zum Nachbar. So wird die Achse des Laborgebäudes durch das neue Institutsgebäude hindurch verlängert. An diese verlängerte Achse docken zwei Treppenhäuser und Lifte mit großzügigen, geschossübergreifenden Lufträumen an.
Der Entwurf plant einen Haupteingang im Erdgeschoss im Westen und einen zweiten Eingang im UG im Osten. Abhängig von den Studentenzahlen und deren Weg zum Gebäude könnte man beide Eingänge (durch Spiegelung des Grundrisses im UG) auch auf der Westseite übereinander organisieren. Der Vorplatz wäre dann zweigeschossig angelegt mit Treppen, Stegen und Rampen.

Im Erdgeschoss und Untergeschoss sind die öffentlichsten Funktionen mit großen Personenzahlen angesiedelt. Hier liegen die Bereiche mit mechanischer Lüftung und aktivierten Bauteilen (passive Kühlenergiegwinnung). In den darüber liegenden Bereichen befinden sich die Institutsbüros und ganz oben die Bibliothek mit dem dazugehörenden Magazin. Der Technikanteil ist hier gering (keine mechanische Lüftung, keine Kühlung).
Aus den oberen drei Geschossen fliehen im Brandfall circa 250 Personen. Die nötigen Fluchtwegbreiten sind auf zwei Treppenhäuser aufgeteilt. Im Erdgeschoss und Untergeschoss führen die Fluchtwege driekt ins Freie. die Diese Geschosse sind in zwei Brandabschnitte geteilt. Brandschutzschiebetore in versteckten Nischen stehend, schließen durch die Brandmeldeanlage gesteuert. Die geschossübergreifenden Lufträume fassen diese Brandabschnitte vom EG bis zum Dach zusammen. Diese schönen Lufträume werden durch vorbeugende Brandschutzmaßnahmen nicht gestört. Zum UG können diese Lufträume im Brandfall durch horizontale Rollos getrennt werden.

KONSTRUKTION | FASSADE

Die unteren beiden Geschosse sind als massive Stahlbetonkonstruktionen geplant. Die Innen- und Außenwände aus Stahlbeton tragen und sichern guten Schallschutz zwischen den Hörsälen. Eine Sichtbetonfassade mit Kerndämmung zeigt dies nach außen. Die Fenster sind als bündige, großformatige Fixverglasungen eingearbeitet. Innenliegender Blendschutz ist gleichzeitig Sonnenschutz. Der Wärmeeintrag ist durch Verschattung in den unteren Geschossen in der Regel gering, daher ist der innenliegende Sonnenschutz besonders im Hinblick auf Vandalismus und Reinigung die richtige Wahl.

Die oberen drei Geschosse sind als tragende Holzkonstruktion - Holzstützen, Holzriegel, Holzbetondecken (KLH) – mit aussteifenden Treppenkernen vorgesehen. Die erste Holzbetondecke ist die Decke über EG. Die Fassade greift das (verschobene) Quadratraster des Grundrisses auf. Im Raster von 73cm wechseln sich Fenster und Holzfüllungen ab. Die Fenster bekommen eine Außenverschattung, die Holzfüllungen sind Thermowoodtafeln. Bei diesem Verfahren werden die vorgefertigten Tafeln auf circa 200 Grad erhitzt. Lignin wird so ausgelöst und das Holz verwittert nicht (auch bei den beregneten Flächen). Es entsteht eine dauerhafte Fassade, silbergrau wie man sie von alten Holzstadeln kennt, und das ohne Einsatz von chemischem Holzschutz. Die hölzerne Rasterfassade wird durch Betonstreifen auf Höhe der Geschossdecken unterbrochen. Die Geschosse werden so ablesbar und der vertikale Überbrand ist sicher gestellt. Als Schalung werden die Thermowoodtafeln der Fassade verwendet bzw. vergleichbare Schalungsmatrizen. Dadurch ergibt sich ein Negativabdruck der Holzfassade im Betonstreifen.