NEUBAU LEHR- & LABORGEBÄUDE
HTW DRESDEN

Offener Realisierungswettbewerb

Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Tamara Türemis
Lavinia Wagner
Florian Dessl

07|2017 – 08|2017

STÄDTEBAU | GEBÄUDE- & FREIRAUM

Entlang der Andreas-Schubert-Straße sind in den letzten Jahren Neubauten (Laborgebäude und Bibliothek) entstanden, welche parallel zu den monumentalen Nachkriegsbauten eine unaufgeregte, pragmatisch moderne Sprache sprechen. Der Neubau des Lehr- und Laborgebäudes entwickelt dies weiter, der Campus der HTW Dresden bekommt einen weiteren Baustein.

BAUKÖRPERKOMPOSITION | LAGERARTIGE LABORS,
DYNAMISCH SCHWEBENDE LEHR- UND BÜRORÄUME

Das Laborgebäude ist ein zweigeschossiger L-förmiger Baukörper. Steinern und bodenverbunden zeigt es die robusten Laborfunktionen. Gleichzeitig orientiert es sich architektonisch, über die Wahl der Fensterproportionen und Materialität, an der Bibliothek. Darüber liegt dreigeschossig das Lehr- und Bürogebäude. Im Norden steht es am Boden und neigt sich über die Baukanten hinaus. So grüßt der Neubau die vom Bahnhof Kommenden und lockt Sie in den Innenhof. Verstärkt wird diese Geste durch die dynamisch organische Ausformulierung des Baukörpers. Zum repräsentativen Nachkriegsbau gesellt sich ein leichter, schwebender Nachbar.

INNENHOF | VIELSCHICHTIGER PLATZ IM ZENTRUM

Der Innenhof wird das neue Herz der HTW. Hier spielt die Musik, findet sich Raum für Pause und Erholung. Der Neubau rahmt diesen Platz ruhig mit angenehmen Proportionen. Nach Außen folgt der Neubau pragmatisch städtischen Kanten, nach innen hält er großzügigen Freiraum. Die Zugänge liegen zum Hof; Richtung Norden bzw. Bahnhof ist der Haupteingang des Neubaus mit leicht herausgehobenem definiert, zwei weitere Zugänge verbinden den Hof mit der östlichen Andreas-Schubertstraße. Richtung Süden sind die Versuchsflächen der Labore orientiert. Zum bestehenden Z-Gebäude sind die vorhandenen Anliefer- und Zugangszonen neu gestaltet. Zwei schmale Grüninseln zonieren und vermitteln zum Rosengarten im Süden und zur Strehlener Straße im Norden.

BAUTEIL LABOR | L-FÖRMIG, EBENERDIG

Das Laborgebäude nimmt als L-förmiges Gebäude alle Laborflächen auf. Die Freibereiche liegen im Erdgeschoss hofseitig. Zwei Treppenhäuser erschließen die Vertikale. Die Versuchsflächen der Geotechnik sind auf dem Dach im südlichen Arm. Die Erschließung orientiert sich an den internen Abläufen, ist nicht öffentlich und robust industriell ausgebildet. Eine Stahlbetonskelettkonstruktion mit Stützen, möglichst unterzugsfreien Decken und wenigen aussteifenden Wänden bietet die nötige flexibel umnutzbare Grundstruktur.

Das Gebäude ist nicht unterkellert. Bis auf den tragfähigen Boden geführte Bohrpfähle sind als Grundierung möglich. Eine hinterlüftete Naturstein-Fassade orientiert sich an der Bibliothek.

BAUTEIL LEHRE & BÜROS | KOMMUNIKATIV, FLEXIBEL

Das Lehr- und Bürogebäude liegt dreigeschossig auf dem Laborgebäude. Zur Strehlener Straße ist es sechsgeschossig und unterkellert. Das Gebäude teilt sich in einen zweihüftigen Arm im Süden und einen öffentlichen Abschnitt im Norden. Die Funktionen sind um einen Luftraum herum aufgefädelt. Dieser wird mit Stegen und Brückentreppen zum kommunikativen Zentrum. Im Erdgeschoss folgt dem Eingang das Foyer. Mit Hilfe von Möblierung abgetrennt, dockt das Gründerzentrum an. Im ersten Obergeschoss werden die Drittmittelbüros untergebracht, darüber im zweiten und dritten Obergeschoss, über eine zusätzliche Treppe im Luftraum verbunden, sind die großen Räume der Informatiker einquartiert. Die zugehörigen Büros liegen im zweihüftigen Arm und können vom öffentlichen Teil abgetrennt werden.
Tragende Stahlbetonstützen und -decken liefern die Grundstruktur. Flexible Trennwände, Glaswände oder Trockenbauwände trennen Räume ab, so bleibt die Aufteilung flexibel zukunftsorientiert. Die Fassade wird aus vorgehängten Holzsandwichelementen gefertigt. So kann auf aufgeschäumte Dämmstoffe verzichtet werden - eine ökologisch sinnvolle Konstruktion. Die Außenschicht der Holzsandwichkonstruktion ist eine mineralische Putzträgerplatte. An der Holzkonstruktion sind die Konsolen für die Solarlamellen wärmebrückenfrei befestigt. Der Baukörper wird horizontal strukturiert verputzt.

FAKULTÄT GESTALTUNG | OBEN IM ZENTRUM

Im 4. und 5. Obergeschoss bekommt die Fakultät Gestaltung Raum. Stege und eine großzügige Treppenbrücke im Luftraum verbinden die Ebenen miteinander. Alle Wege führen bewusst über dieses Zentrum; so wird die Kommunikation gefördert und Ausstellungen und Präsentationen bekommen einen repräsentativen Rahmen. Die Lage ganz oben mit Ausblick unterstützt die Präsenz auch nach außen. Im zweihüftigen Arm sind wiederrum die weniger öffentlichen Bereiche untergebracht.

SOLARLAMELLEN | KONZEPT ENERGIEGEWINNUNG

Die Solarlamellen umschwingen das Lehr- und Bürogebäude. Im Norden werden sie ausgedünnt, im Süden, Osten und Westen werden sie jeweils optimal schräg gestellt. Diese Schrägstellung und die Belegung mit Solarpanelen werden je nach Himmelsrichtung im weiteren Prozess optimiert. Zusammen mit der Ausnutzung der Dachflächen ergibt sich ein architektonisches Gebäudekonzept, was die Nutzung der Gebäudehülle zur Energiegewinnung ins Zentrum rückt, ohne nachträglich aufgesetzt zu wirken.

BARRIEREFREIHEIT | KONSEQUENT BARRIEREFREI
MIT INKLUSION

Alle Bauteile des Neubaus sind über Lifte barrierefrei zu erreichen. Die sanitären Anlagen werden inkludierend ausgeführt – es gibt keine reinen Behinderten-WCs.

INNENRAUM | OFFEN, KOMMUNIKATIOSNFÖRDERND

Der Luftraum im Kopf des Gebäudes soll in der Detailausbildung die horizontale Schichtung des Äußeren Innen wiederspiegeln. Stege und Brückentreppen verbinden geschossübergreifend Funktionseinheiten. Alle Wege führen in den Kopf, er ist das Zentrum. Der Büroarm wird pragmatischer gestaltet, das Laborgebäude robust funktional.

WIRTSCHAFTLICHKEIT | INSGESAMT SPARSAM MIT
BEWUSST GEWÄHLTEM FOKUS

Im Laborbauteil und im zweihüftigen Bürobauteil wurde eine kompromisslose, wirtschaftliche Struktur gewählt. Der Kopf des öffentlichen Lehrgebäudes ist einen Hauch luxuriöser strukturiert. Der innenliegende Luftraum ist als kommunikatives Zentrum ein großer Mehrwert. Robuste, langlebige Materialien, welche im Kostenrahmen untergebracht werden können, sind erklärtes Ziel.

BRANDSCHUTZ | INDIVIDUELL FÜR DREI ABSCHNITTE

Im Laborgebäude verlaufen die Fluchtwege im Erdgeschoss auf direktem Weg ins Freie. Aus dem Obergeschoss führt der Weg in eines der beiden Treppenhäuser ins Freie. Kleine Brandabschnitte verhindern eine mögliche Brandausbreitung.
Der dreigeschossige Büroarm wird über zwei Treppenhäuser entfluchtet. Er kann über Brandschutz-Schiebetore zum Kopfbau abgeschottet werden.
Der Kopfbau wird als ein Brandabschnitt ausgebildet. Ein abschließbares Treppenhaus führt direkt ins Freie, der zweite Fluchtweg ist über den anderen Brandabschnitt in das Treppenhaus 2 möglich.