Nicht-offener Realisierungswettbewerb
ARGE mit Caramel Architekten:
Günter Katherl
Ulrich Aspetsberger
Martin Haller
06|2017 – 08|2017
Der Entwurf nimmt die Vorschläge aus dem städtebaulichen Konzept vollinhaltlich auf. Die Baukörper werden in Höhenentwicklung und Ausrichtung so auf das Baufeld gesetzt, dass der im Bebauungsplan nun zur Bebauung freigegebene ehemalige Grünbereich weiterhin als Bauflucht bzw. Verkehrsachse frei bleibt. Der Neubau (ohne Erweiterung) befindet sich zur Gänze auf Baufläche 23; somit steht das gesamte Baufeld 24 für Erweiterungen bzw. weitere Projekte zur Verfügung. Der Haupteingang ist eindeutig ablesbar zwischen den beiden Hauptbaukörpern angeordnet, die Erschließung für Kraftfahrzeuge bildet die Verlängerung der von Norden kommenden Erschließungsstraße aus.
Die höchste Priorität beim Entwurf des Bundesamtes für Strahlenschutz in Neuherberg haben das Zusammenspiel der Raumfunktionen, die kurzen Wege zwischen zusammengehörigen Labor- und Büroflächen, sowie die Erschließung der in sich autonomen Einheiten. Es entstehen so zwei maximal rationale Baukörper; eine geforderte Erweiterbarkeit kann in ebendieser Struktur erfolgen. Interne Treppenhäuser sorgen für minimale Wege zwischen den Geschoßen und für die Entleerung des Gebäudes (Fluchtwege). Das Erdgeschoß ist ca. 1m vom Umgebungsniveau abgehoben, was einerseits eine Belichtung/Belüftung der Kellerflächen ermöglicht, und anderseits sicherstellt, dass Kellerflächen und Lieferhof über der Hochwassermarke angeordnet werden können.
Die großzügige Haupterschließung, welche gleichzeitig wichtigster Kommunikations- und Treffpunkt der Nutzer ist, liegt zwischen den Gebäudetrakten in einer transparenten Halle des Haupteinganges. Sitzstufen, Balkone, Lufträume, Teeküchen etc. fördern die Kommunikation und entsprechen dem Geist moderner Forschung und Entwicklung als Teamprozess; dies wird hier auch nach Außen kommuniziert Erdgeschossig befinden sich im Eingangsbereich Foyer mit Anschluss an die großen Besprechungsräume und Bibliothek; ein Raumbereich, welcher sich als Kommunikations- und ggf. auch Repräsentationsort nach außen öffnet.
Errichtet wird das Gebäude in STB-Massivbauweise; teilw. unter Einsatz von (halb)fertigteilen. Auf der Basis eines Ausbaurasters von 1,15m wird im Stützenraster von 8,05m / 9,2m eine hochflexibel punktgelagerte, unterzugslose Flachdecke ausgebildet. Zur Erhöhung der Eigenfrequenz der Decken wird das Gewicht der Decke durch eingelegte Hohlkörper deutlich reduziert. Für die Schwingungsisolation werden alle Geräte mit schwingungsdämpfenden Unterlagen zur Reduktion von Erschütterung, Schwingung und Körperschall ausgestattet.
Für den Nachweis einer nachhaltigen Planung wird das DGNB Gebäudezertifikat etabliert, welches über die reine Nachweisführung hinaus als Planungsinstrument eingesetzt wird. In der Planung werden Entscheidungen für einzelne Systeme immer unter Berücksichtigung der gebäudebezogenen LCC (LifeCycleCosts) durchgeführt, da nur ein Bruchteil der Gesamtkosten eines Bauwerks bei der Errichtung anfällt und so ein energie- und kosteneffizienter Betrieb gesichert wird.
Das primäre Ziel ist hohe Behaglichkeit bei minimalen Betriebskosten
Die Beheizung erfolgt primär durch die Gas- Hochdruckleitung
in der Ingolstädter Landstraße und wird über einen Verbund
von Kälte/Wärmepumpen optimiert mit Wärme versorgt,
geeignet für direkt coolingVerfahren, incl. adiabater Systeme, um
extrem kostengünstig Kälte zu erzeugen.
Die Abwärme des IT -Serversystems mit 40kW wird dem Gebäude
durch Wärmerückgewinnung zugeführt. Am Grundstück werden
mind. 30% der Energie generiert, so dass die Errichtung von
Kälte/Wärmepumpen energietechnisch sinnvoll ist. Durch dieses
gesamte Cluster ist bei der Wärme- und Kälteversorgung eine
mehrfache Redundanz und Ausfallsicherheit gegeben. Unter
Bedachtnahme einer wirtschaftlichen Errichtung ist eine Vergrößerung
der PV-Flächen über den max. möglichen Eigenbedarf
wirtschaftlich nicht sinnvoll. Optimierungen mit Batterien, max.
50kWh erfolgt um den Eigenverbrauchsanteil zu optimieren.
In den Funktionsbereichen wird die Grundlast mittels Fußbodenheizung mit großem Verlegeabstand eingebracht. Für eine rasche Regelung der Raumtemperatur ist eine oberflächennahe verlegte Deckenheizungen in der Randzonen verantwortlich. In Bereichen mit abgehängten Decken werden Kühlsegel, bzw. Heiz/Kühldecken eingesetzt. (sehr behaglich, höchsten hygienische Anforderungen. Die hohen Speichermassen kommt dem Raumklima auch im Sommer und zu Gute, da es zu keiner Überwärmung kommt.
Es wurde das technische Potential für eine PV Nutzung festgestellt, die weit über dem direkten Eigenverbrauch liegt. Je nach aktueller Einspeisungsvergütung kann das technische Potenzial mit dem wirtschaftlichen Potenzial abgeglichen werden, sodass der Energieverbrauchsanteil der Eigenstromversorgung von abgeschätzen 30% noch erhöht werden kann. Bedarfsabhängige Steuerungssysteme für Licht und Wärme, Zeitsteuerungen und Tageslichtsteuerungen in Allgemeinbereichen optimieren selbständig den Energieverbrauch.
Eine hocheffiziente Lüftungsanlagen mit einer Optimierung durch
einen Sole-Kollektor unter der Bodenplatte kostengünstigst installiert
für die Vorwärmung der Frischluft bildet das Fundament
für eine energetisch optimiertes Lüftungskonzept.
Die Lüftungsanlage wirdim Bürobereich als Hybrid- und Kaskadenlüftung
konzipiert, da die Fenster im Bürobereich öffenbar
ausgeführt werden. In den Laborbereichen werden je nach Anforderungsgruppe
eigene Lüftungsanlagen mit Zul-Abl errichtet.
In den Gängen ist eine öffenbare Zwischendecke vorgesehen.
Weiters wurde berücksichtigt, dass für einzelne Labore Abluftwäscher
notwendig werden. Hier wird nach Anzahl und die Unterschiede
der abgesaugten Schadstoffe berücksichtigt, daher sind
die Möglichkeiten vorbereitet zentrale oder dezentrale Abluft-Wäscher
einzusetzen.
Sommertauglichkeit: die Lüftungen werden in der Nachtzeit auch
zur kostengünstigen Vorkühlung der Bauteile verwendet. Die
Kernzonenund massiven Bauteile werden mittels Direkt Cooling
optimiert aktiviert.