Geladener Wettbewerb
2. Preis
Matthias Seyfert
Julia Haselsteiner br> Florian Dessl
ARGE mit ABJ. Architekten
01|2017 – 06|2017
Das bestehende Gebäude ist strukturell für die aktuellen Herausforderungen moderner Pädagogik bestens geeignet. Es gibt mit dem Stützenraster und der Bandfassade einen Rahmen mit hoher Flexibilität. In die Jahre gekommen und stückweise saniert, will der Wettbewerb nun Konzepte für Fassade, Lerncluster und Gesamtorganisation der Schule finden.
Folgendes Ziel wird formuliert: Die Orientierung erfolgt intuitiv.
Die Räume sind inspirierend, hell und mit unterschiedlicher Privatheit.
Eine klare Struktur wird vorgeschlagen: Eine Lernstraße startet
am Haupteingang mit dem Großen Forum, welches neu gestaltet
besser mit Innen und Außen vernetzt ist. Die Lernstraße führt
entlang der Fachklassen, der Verwaltung und der Jahrgangsstufe
5 in den Ganztagsbereich. Diese Lernstraße ist zweigeschossig,
Lufträume und Treppen verbinden sie. So werden in
die bestehende Tragkonstruktion Öffnungen geschnitten und die
Treppenhäuser werden Richtung Lernstraße orientiert. Längs der
Straße nimmt die Öffentlichkeit langsam ab und mit Eintritt in die
verschiedenen Cluster werden die privaten Räume erreicht.
Die Schule wird auf Jahrgänge aufgeteilt und in Cluster zu je
sechs Klassen organisiert. Der Entwurf schlägt die Jahrgangscluster
als wohnliche Landschaft vor, eine Entwicklung die es
z.B. im modernen Büro- oder Hotelbau schon länger gibt.
In dieser Landschaft gibt es je drei Klassenräume, die geschlossen
werden können und für Frontalunterricht geeignet sind
und drei Klassenräume, die flexibel andockbar sind und offene
Lernformen fördern. Dazwischen liegt eine Lernlandschaft – ein
offener mit Möbeln und Vorhängen strukturierbarer Raum für
Gruppenarbeit und Differenzierung. Die Übergänge/Grenzen
zwischen den Räumen können mit einfachen Mitteln von introvertierter
Abgeschlossenheit bis zu nahezu kompletter Offenheit
aller Räume variiert werden.
Das wird durch einen Baukasten möglich, der mit zwei Elementen
arbeitet und diese jeweils auf zwei verschiedene Arten einsetzt.
Erstens: Wände mit Oberlichtern ab Höhe 2,20m und großformatigen
Türen bzw. schallabsorbierenden, auffallend gestalteten
Vorhängen. Dieses Element ist gleichzeitig multifunktionales Möbel,
Stauraum etc.
Zweitens: Variable Möbel. Diese Elemente im Zentrum des Clusters
schaffen zusammen mit den Vorhängen eine Wohnatmosphäre
– sie strahlen vom Zentrum bis in die Räume des Lernclusters.
Die beiden Elemente werden sowohl raumabgrenzend verwendet
– siehe die drei abtrennbaren Klassenräume – als auch
raumbildend eingesetzt – freistehende Wandscheiben zonieren
einen fließenden Raum.
An die Fassade docken partiell Vordächer an und vermitteln zum Außenraum.
Im bestehenden Fensterband wird eine Kombination verschiedener Fensterformate vorgeschlagen. Diese Fensterformate können variabel kombiniert werden, so wird auf unterschiedliche Anforderungen reagiert. Sie ermöglichen in den Lernclustern Stoßlüftung – handliche Fensterformate in optimaler Bedienhöhe – Nachtlüftung – hohe schmale Fenster mit Wetterschutzgittern – und Winterlüftung – kippbare Fensterformate weit oben, über die sich kalte Luft im Gegenstrom der aufsteigenden Heizkörperströmung erwärmt. Ergänzt wird dieses System mit CO2 Ampeln, welche die Luftqualität anzeigen. So wird die Notwendigkeit der Lüftung von Räumen in das pädagogische Konzept der Schule integriert. Auf eine mechanische Zwangslüftung der Klassenräume kann so verzichtet werden und gleichzeitig tragen die Schüler die Erkenntnis der Lufthygiene nach Hause.
Für die Lerncluster wird die natürliche Belichtung und Belüftung
vorgeschlagen. Hier ist die Verantwortlichkeit für die eigenen
Räume gegeben. Gleichzeitig wäre eine Implementierung in die
Bestandsstruktur aufwändig.
In den öffentlichen Räumen entlang der Lernstraße wird eine mechanische
Be- und Entlüftung mit effizienter Wärmerückgewinnung
geplant. Im Forum können bestehende Technikräume und
Leitungsführungen revitalisiert werden und längs der Straße können
auf dem Dach Lüftungsgeräte ergänzt werden. Senkrecht
wird die Zuluft in das EG geführt und über die Lufträume im Obergeschoss
abgesaugt.
Die Kombination beider Systeme – mechanische Lüftung in der
Mitte, natürliche Lüftung in den Jahrgangsclustern – schafft ein
angenehm natürliches Raumklima. Besonders durch die Nachtspülung
– forciertes Auskühlen der Räume in der Nacht über Lüftungsklappen
und Lüftungsunterstützung – wird die Überhitzung
der oberen Geschosse vermieden.
Es soll eine natürliche, unkomplizierte Schule entstehen. Für alle Bodenbeläge werden robuste und beständige Materialien gewählt. Die abnehmende Öffentlichkeit spiegelt sich wieder. Die Straße bekommt einen geschliffenen, robusten, hellen Estrich, die Jahrgangscluster werden durch einen Holzboden wohnlich. An der Decke ist für die öffentlichen Bereiche eine Lamellendecke zwischen der Rasterdecke vorgesehen – ähnlich dem Bestand nur heller. In den Jahrgangsclustern und Fachklassenräumen wird die abgehängte Decke entfernt. Das Raumvolumen wird größer, die Speichermasse der Konstruktion wird genutzt, das Raumklima wird besser. Die Zwischenräume werden mit runden Leuchten und runden Akustikdeckensegeln zur Verbesserung der Akustik aufgefüllt.