QUARTIER CAMPAGNEREITER
INNSBRUCK

Offener Wettbewerb

Matthias Seyfert

Florian Dessl

ARGE mit Gerald Anton Steiner

und

el:ch Landschaftsarchitekten

02|2017 – 04|2017

Baufeld 1 | Quartiersentwicklung Campagne

Das Leitprojekt für das Quartier Campagnereiter Reichenau gliedert sich in vier Baufelder. Die gewünschten Baukanten, Bebauungsdichten, Durchgänge, Grünbezüge etc. sind jeweils genau beschrieben. Das erste Baufeld ist Inhalt dieses Entwurfes. Das Projekt orientiert sich eng an diesen Zielen und formuliert eine eigenständige Baukörperkomposition als ersten Baustein des Gesamtensembles »Einheit in Vielfalt«.

Es werden sechs Baukörper aus zwei Paaren und zwei Einzelkörpern vorgeschlagen. Die Einzelkörper haben unterschiedliche Höhen, wobei die Hochpunkte mit E+10 am südlichsten und mit E+9 am nördlichsten Baukörper liegen. Zwischen diesen Hochpunkten stufen sich jeweils zwei Baukörper auf E+7 und E+5 ab. Es entsteht eine abgestufte umlaufend ausgebildete Dachkante. Die beiden Baukörperpaare sind im Erdgeschoss verbunden. Das Baufeld wird dadurch nach Osten und Westen gefasst. Die Einzelbaukörper stehen zwischen den Paaren und lassen informelle Durchgänge für Fußgänger.

Die sechs Baukörper setzten sich aus vier Fünfecken und zwei L-förmigen Sechsecken zusammen. Diese werden verdreht und versetzt so zueinander positioniert, dass sich zwei interne Plätze ausbilden, welche vielgliedrig mit der Umgebung und untereinander verbunden sind.
Alle sechs Baukörper werden über zentrale von oben belichtete Treppenhäuser erschlossen. Auf diese innerste, erschließende Schicht folgt die dienende Schicht der Wohnungen mit Bädern, WCs und Eingangszone. Außen an der Fassade folgt die Schicht der Aufenthaltsräume, welche mit Außenräumen bereichert werden.

Bei den Baukörpern A, C und E sind diese Außenräume Balkone. Alle Öffnungen werden in gleichen Formaten aus hochformatigen Fenstertüren gebildet. Ein das gesamte Gebäude umlaufendes Gelinder fasst Balkone und Fenster zusammen. Der Holm läuft durch, die Geländerfüllungen werden zwischen den Fenstern ausgedünnt. Die Geländerfüllungen bestehen aus gekanteten Stäben und schmalen geschlossenen Feldern. Die Assoziation einer umlaufenden Leine mit angehängten Wäschestücken ist gewollt.

Bei den Baukörpern B, D und F sind die Außenräume Loggien und alle Öffnungen werden aus Quadraten unterschiedlicher Größe gebildet. Diese Quadrate sind in unterschiedlichen Höhen positioniert und schaffen individuelle Innenräume. Eine flächige Verteilung auf der Fassade wird angestrebt.

In der Erdgeschosszone der Häuser A und F sind der Nahversorger und die Bäckerei untergebracht. Im Erdgeschoss von Haus B wird das Kleingewerbe mit Gemeinschaftsraum angesiedelt. Es wird eine transparente Sockelzone vorgeschlagen (Pfosten Riegel Fassade), welche den Inhalt sichtbar macht. In Zwischenbereiche wo dies nicht gewünscht ist, wird die Fassade undurchsichtig, bleibt aber in der gleichen Detaillierung (Pfosten Riegel Fassade mit emaillierten Feldern).

Die Erdgeschosszonen der Häuser C, D und F sind weniger dicht mit ˆöffentlichen Funktionen belegt. Die Hausfassaden des Obergeschosses laufen daher bis zum Boden, nur die Eingänge werden mit transparenten Abschnitten markiert.
Die transparenten Teile aller Häuser werden blau gerahmt. So sind die öffentlichen Funktionen zusätzlich hervorgehoben.
Die Mischung aus zwei Fassadenkonzepten in den Obergeschossen – horizontal geschichtet und flächig homogen – und zwei Konzepten in der Sockelzone lassen einen abwechslungsreichen Gesamteindruck erwarten.

Besonderes Augenmerk bekommt die Gestaltung des gemeinsamen, öffentlichen Freibereiches. Die zwei Quartiersplätze werden topografisch entwickelt – aus einer vielteilig gefalteten Fläche formen sich Sitzbänke, Bauminseln und Grünbereiche. Der westliche Platz formt sich dabei über die aktiven Kanten (Eingänge, Gewerbe, Bäckerei) und der östliche Platz über die zentrierende Baummitte. Beide Plätze werden miteinander verbunden und mit der Umgebung verwoben.

KONSTRUKTION | MATERIALITÄT

Die Gebäude sind als Niedrigstenergiebauten in Massivbauweise mit entsprechender Fähigkeit zur Wärmespeicherung geplant. Einfache statische Konstruktionsprinzipien und geringe Deckenspannweiten liegen der Planung zugrunde und garantieren so eine wirtschaftliche Errichtung. Der erforderliche Wärmeschutz der Fassade wird mittels Wärmedämmverbundsystem mit bei den verschiedenen Häusern unterschiedlich strukturierten und farblich leicht variierenden Putzen hergestellt. Die Dächer sind als Warmdächer mit Flachdachfolie und extensiver Begrünung konzipiert.

Das äußere Erscheinungsbild wird geprägt durch die unterschiedliche Ausgestaltung der wohnungsbezogenen Freibereiche – Bei den Häusern A, B und D sind diese als Loggien mit Glasgeländern und bei C, E und F als vorspringende Balkone mit Metallstabgeländer gedacht.

Der Entwurf integriert Themen eines gewachsenem Stück Stadt in den Neubau des Baufeldes 1 Quartiersentwicklung Campagne. Das Gebiet ist als Neubau erkennbar, nimmt aber bewusst mehr Themen als üblich auf und variiert diese für jeden Baukörperindividuell. So entstehen Häuser die sich ähnlich aber nicht gleich sind.