geladener Wettbewerb
Dietmar Moser
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Florian Dessl
Julia Haselsteiner
Daniela Walder
01|2017 – 02|2017
Das ca. 10 Hektar große Wettbewerbsgebiet „Schachinger Gärten“ befindet sich im Stadtteil Schaching, westlich des Zentrums von Deggendorf und wird dieses künftig mit dem südlich davon gelegenen Donaupark verbinden.
Ziel des Entwurfs ist die Entwicklung eines zukunftsweisenden,
gemischten Stadtquartiers mit einer differenzierten und flexibel
angelegte Nutzungsmischung aus Wohnen, Gewerbe, studentischem
Wohnen und Quartiersversorgung, das auf die Lärmbelastung
von Bahntrasse und Autobahn angemessen reagiert und
seinen Bewohnern zugleich eine attraktive, zentrumsnahe Alternative
zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese bietet.
Die Geschichte des Stadtteils Schaching als Garten- und Gemüsebaustandort
ist prägend für den Ort und wird im Entwurf auf
differenzierte Art und Weise aufgegriffen. Ausgehend von den
charakteristischen, schmalen, von Nord nach Süd verlaufenden
Parzellen wird eine Stadt und Grünraum verwebende, sich zum
Park im Süden öffnende Gebäudestruktur entwickelt.
Entlang der Otto-Denk-Straße wird der Verkehrslärm durch eine
stärker geschlossene Bebauung abgeschirmt, alle Wohnungen
orientieren sich zu den südlich gelegenen Freiräumen. Ein Fußund
Radweg mit Grünstreifen und Parkierungsmöglichkeiten
dient als großzügiger Puffer zur Straße hin. Aufweitungen des
Gehwegs fungieren als Eingangsplätze zu den Teilquartieren.
Die Positionierung von solitären Eingangsgebäuden mit gemischter
Nutzung und öffentlich bespielten Erdgeschosszonen
(z. B. Cafés, Bäcker, Nahversorgung etc.) erzielt die Ausbildung
differenzierter Identitäten für die Teilquartiere. Zudem wird hier
eine gezielte Belebung des Quartiers erreicht. Es entstehen vom
Lärm abgewandte Quartiersplätze mit öffentlichem Charakter.
Ergänzt durch Obstwiesen und Kinderspielbereiche stellen diese
angerartigen Bereiche die Erschliessung aller angrenzenden
Wohngebäude sicher.
Der öffentliche Charakter dieser Wohnanger steht im Kontrast zu den intimeren Gartenzonen auf der jeweils abgewandten Seite der flankierenden Gebäude. Private sowie gemeinschaftliche Gärten bilden hier ein kleinteiliges Mosaik gärtnerisch genutzter Flächen in Weiterentwicklung der bisherigen Geländenutzung der „Schachinger Gärten“. Während entlang der Otto-Denk Straße urbane Wohnformen mit Etagen-, Maisonette- und Dachwohnungstypen vorherrschen, staffeln sich die Gebäudehöhen in Richtung des Landschaftsparks hin ab und gewinnen nach Süden hin mehr und mehr dörflichen Charakter. Wohnungen mit Eigengärten, Etagenwohnungen mit Terrassen und schließlich - als Alternative zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese - verdichteter Flachbau mit Hofhäusern und viel privatem Grün folgen sukzessive aufeinander.
Die nord-südlich verlaufenden Gebäuderiegel ermöglichen
„durchgesteckte“, flexible Grundrisse mit Öffnungen sowohl nach
Ost als auch nach West.
Entlang der Neusiedler Straße entsteht ein großzügig und flexibel
angelegtes Büro- und Gewerbegebiet mit direkter Zufahrt,
das auch dem Lärmschutz für die nördlich gelegene Wohnbebauung
dient und andererseits in seiner Nord-Süd-Ausrichtung eine
Verzahnung mit dem zentralen Grünraum gewährleistet.
Im Westen des Wettbewerbsgebietes, unmittelbar angrenzend an den zentralen Grünbereich und den dort gelegenen Anger, entsteht ein rund 200 Wohneinheiten umfassendes Studentenwohnheim mit großzügigem, zentralen Innenhof, von dem aus das Gebäude erschlossen wird und zu dem sich auch die Gemeinschaftsräume orientieren. Die Ausbildung eines einhüftigen „Rückens“ zur Straße hin wirkt als Lärmpuffer und sorgt für Aufenthaltsqualität. Bewohnern und Besuchern stehen eine Tiefgarage und oberirdische Parkplätze nördlich des Gebäudes zur Verfügung. Abgesehen von Zufahrten für die Feuerwehr etc. ist das Wohnquartier überwiegend frei von motorisiertem Verkehr.
Bewohnern und Besuchern stehen zwei zentrale Tiefgaragen mit Einfahrt über die Otto-Denk Straße zur Verfügung, weiters ist oberirdisches Parken in beschränktem Ausmaß entlang der Otto- Denk Straße und auf Besucher-Stellplätzen an den gemischt genutzten Sondergebäuden möglich. Parken an der Neusiedler Straße ist sowohl oberirdisch als auch in der zentralen Tiefgarage mit Einfahrt von der Neusiedler Straße aus vorgesehen.
Eine abwechslungsreich verzahnte Wegeführung durch öffentliche
und halböffentliche Freiräume und die hohe Aufenthaltsqualität
aller Räume stehen im Fokus der Freiraumplanung. Die
wohnungsnahen Freiflächen zeichnen sich durch eine Differenzierung
in öffentliche Anger und (halb)private Gartenhöfe aus.
Die öffentlichen Freiräume der Anger gliedern sich in Platz- und
Wegeflächen, die einen klaren Rahmen für Grün- und Spielflächen
mit räumlichem Bezug zum Landschaftspark bilden.
Nebengebäude z.B. für Gartengeräte, Fahrräder etc. werden
raumbildend in den halbprivaten Zonen zwischen den privaten
Gärten angeordnet, wo auch gemeinschaftlich nutzbare Gartenflächen
eingeordnet sind. Es entsteht ein fliessender Übergang
von privaten zu halböffentlichen Zonen, der sich den Bedürfnissen
der konkreten Anwohner anzupassen in der Lage ist.
Im Bereich der Atriumhäuser treffen wohnungsnahe, intensiv
gestaltete Freiräume und extensive Wiesenflächen des Landschaftsparks
aufeinander. Die lockeren Baumgruppen des Landschaftsparks
wandern in die Zwischenräume der Atriumhäuser
hinein und verzahnen Siedlungsbereich mit Landschaft.
Der Landschaftspark bildet eine großzügig von Ost nach West
verlaufende grüne Spange im südlichen Abschnitt des Geländes.
Er zwird charakterisiert durch seine fliessende Topographie und
raumbildend angeordnete Baumgruppen, die auch bestehende
Gehölze einbinden.
Eine wechselfeuchte Retentionszone mit naturnahen Wasserflächen
wird durch einen geschwungenen Uferweg begleitet, der
alle ankommenden Wege-beziehungen bündelt und weiterverteilt.
Die Retentionszone wird durch Pflanzen feuchter Wiesenstandorte
und Erlengruppen charakteristisch flankiert.
Zur A92 hin hin bildet eine dichte Gehölzpflanzung einen räumlichen
Abschluss, der die Emissionen des Verkehrsraums filtert
und in die straßenbegleitenden Baumreihen entlang der Neusiedler
Straße überleitet.