nicht-offener Wettbewerb
Susanne Seyfert
Matthias Seyfert
Dietmar Moser
Florian Dessl
Harald Weiß (Statik)
03|2016 – 05|2016
Das neue Feuerwehr-und Sammlungsdepot für Schaan ist der
erste Stein für die Entwicklung des Gewerbegebietes. Es steht
auf der vordersten Spitze des Areals und regt sich in die Höhe.
Es zeigt die öffentlichen Funktionen der Feuerwehr und des
Sammlungsdepots, des Schützens und des Bewahrens selbstbewusst
her.
Der bisherige Plan war die flächige Organisation der Feuerwehr
und des Sammlungsdepots. Um den Flächenverbrauch möglichst
gering zu halten, sollte die Tragstruktur eine spätere Aufstockung
berücksichtigen. Da die Nutzung der späteren Erweiterung
noch ungewiss ist, müsste man entweder viel in die Tragstruktur
investieren, zumal der Baugrund äußerst schwierig ist, oder mit
Kompromissen wie bereits fixierten Stützenrastern in der späteren
Aufstockung leben. Das Projekt schlägt daher einen anderen
Ansatz vor.
Die geplante Gebäudehöhe soll bereits im ersten Bauabschnitt
erreicht werden. Durch das Stapeln der Funktionen bleibt Platz
auf dem Grundstück für Erweiterungen in zwei weiteren Phasen.
Die Aufteilung des übrigen Bauplatzes wie im Lageplan vorgeschlagen,
ist dabei nur eine von mehreren möglichen Varianten.
Die Feuerwehr wird auf vier Geschosse gestapelt. Die Wege werden
dadurch sehr kurz, allein die vertikale Verbindung über den
Lastenlift, den Personenlift, die beiden Treppen und die Rutschstangen
wird extrem wichtig. Deshalb wurde auf deren Lage und
Ausbildung besonderes Augenmerk gelegt.
Im EG und EG+ stehen die Feuerwehrautos zweigeschossig. Alle
direkt notwendigen Funktionen sind angedockt. So überblickt
man von der Kommandozentrale beide Geschosse. Rutschstangen,
eine Treppe und zwei Lift verbinden schnell und zuverlässig.
Darüber befinden sich die Mannschaftsräume der Feuerwehr.
Schnelle Verbindung nach unten im Einsatzfall und Rückzugsmöglichkeit
zum gemütlichen Beisammensein wird gesichert.
Hier ist Raum für Weiterbildungen, die Feuerwehrjugend, die
gesamte Mannschaft. Ein großzügiger Balkon mit Blick über die
Gegend ist den Räume vorgelagert. Er bietet einen Mehrwert
an Aufenthaltsqualität und signalisiert die Wertschätzung für die
Feuerwehr.
Noch ein Geschoss höher liegen alle Lagerflächen der Feuerwehr.
Über die beiden Lifte sind diese effektiv mit den anderen
Geschossen verbunden. Gleichzeitig ist Platz für die Arbeitsräume
des Sammlungsdepots. Über das Treppenhaus sind diese
getrennt von der Feuerwehr nutzbar.
Ganz oben ist das Sammlungsdepot. Kompromisslose Möglichkeit
der Lagerung und Sammlung der Kulturgüter Schaans wird
möglich. Gleichzeitig öffnet sich Ausblick auf kleine Ausstellungen
oder öffentliche Schauen was die Sammlungen beflügeln
wird.
Die gestapelten fünf Geschosse werden verschoben und bilden
einen skulpturalen Baukörper. Die Vordächer vor den Einfahrten
ergeben sich so automatisch wie auch die Überdachung des
Feuerwehrbalkones.
Die Außenerschließung ist einfach. Nach Nordosten rücken die
Feuerwehren aus, im Südwesten liegt der Parkplatz und der
Haupteingang. Von diesem gelangt man entweder direkt in die
Fahrzeughalle oder in die oberen Geschosse. Personalisierte
Zutrittskontrolle sichert unabhängiges Funktionieren aller Bereiche.
Ebenfalls auf dieser Seite liegen die Lifte für Lasten und
Personen.
Auf der anderen Seite der Fahrzeughalle sind die Treppen und
Rutschstangen der Feuerwehr. Schnelligkeit bei der Überwindung
der Geschosse und kurze Wege in der Horizontalen zu den
Autos sind ein Schlüssel für den Gewinn des Wettlaufes mit der
Zeit.
Die Konstruktion des neuen Gebäudes ist nicht trivial, aber sehr
effizient und optimiert. Gegründet muss wegen des schwierigen
Baugrundes über Bohrpfähle sehr tief werden. Durch die Stapelung
der Funktionen wird die bebaute Fläche klein und damit
auch die zu gründende Fläche. Es werden also wenige Bohrpfähle
gesetzt. Die unteren beiden Geschosse werden im Stahlbeton
darauf aufgesetzt. Die notwendigen Unterzüge werden
über dem EG+ angeordnet, um die Geschosshöhe und damit die
Distanz der beiden EG-Geschosse zu minimieren. Darüber werden
das Treppenhaus und die inneren Stützen in Stahlbeton bis
ins oberste, ins fünfte Geschoss geführt. Alle anderen Bauteile
werden in Holz ausgeführt - Kreuzlagenholz im Boden und der
Fassade und Brettstapelholz für die Träger.
Außen soll sich der konstruktive Aufbau wieder spiegeln. Deshalb
soll der untere Teil im Sichtbeton ausgeführt werden und
der obere Teile mit einer Holzfassade bekleidet werden. Wenige
Fensteröffnungen schaffen Ausblick und Belichtung und strukturieren
die Fassade.
Innen setzt sich das fort. Der untere Teil in robustem Beton sichert
Langlebigkeit bei intensiver Nutzung. Der obere hölzerne
Teil kann wohnlicher werden.
Der Entwurf schlägt einen außergewöhnlichen Ansatz vor. Das
Stapeln der Funktionen mag auf den ersten Blick irritieren. Auf
den zweiten Blick ergeben sich aber große Vorteile. Mögliche
Nachteile durch die nicht flächige Organisation der Feuerwehr
auf einem Geschoss werden durch die beiden Lifte konsequent
beseitigt. Und so kann das gesamte Grundstück optimal ausgenutzt
werden. Das öffentliche Gebäude kann als sichtbare Landmarke
ausgebildet werden, als sichtbarer Startschuss für die Entwicklung
des Areals.