UMBAU STUDENTENWOHNEN
BAYREUTH, DEUTSCHLAND

nicht-offener Realisierungswettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert

Julia Haselsteiner
Max Hackl
Ivo Muschik

Barbara Bacher (Landschaftsarchitektur)
Harald Weiß (Statik)

04|2015 – 05|2015

ENTWURFSKONZEPT

Und in der Mitte steht ein Birkenwald. Das Rauschen der Blätter der mehrstämmigen Grau-und Moor-Birken empfängt beim Betreten. Einige Föhren ergänzen den Wald. An den Stämmen ist Platz für Hängematten, dazwischen stehen Bänke und auf dem gewalzten Sand Strandkörbe. Die Jahreszeiten sind präsent, im Frühjahr treiben die Birken früh zartgrün aus, im Sommer beschatten sie angenehm vielschichtig, im Herbst leuchten sie bunt und im Winter ist die Zeit der immer grünen Föhren. Das Studentenwohnheim legt sich viergeschossig um dieses Wäldchen herum. Es lässt die laute Welt der Universitätsstraße im Osten und des Pflastersteinwerkes im Norden draußen.

Das Gebäude ist um ein Geschoss angehoben. Der gedeckte Zugang von Westen und später optional von Süden funktioniert unprätentiös, alle dienenden Funktionen wie Parken, Abstellflächen für die vielen Fahrräder und Technik- und Müllräume werden unter das Gebäude geschoben. Für den Autoverkehr gibt es eine das Gebäude umrundende Straße. Damit diese dienenden Funktionen nicht stören, werden sie über einen bunten Vorhang ausgeblendet.

Hinter diesem liegen in den oberen vier Geschossen die Studentenapartments. Im Norden und Osten zu den lauten Seiten sind diese durchgesteckt organisiert – von außen werden sie belichtet und von innen belichtet und belüftet. Auf teure aktive Lärmschutzmaßnahmen kann verzichtet werden oder besser formuliert: Das Gebäude ist durch seine Form und Organisation eine aktive Lärmschutzmaßnahme.

ERSCHLIESSUNG | ORGANISATION

Die durchgesteckten Apartments werden über einen Laubengang mit jeweils zur Wohnung gehörendem Vorgarten erschlossen. Die Wohnungen werden so zu gestapelten, um einen Wald gelegten Reihenhäusern. Die Natur ist präsent, die Vorgärten laden zum kurzen Gespräch oder zum gemeinsamen Frühstück. Der Laubengang wird durch ein Metallnetz begrenzt, auf diesem tanzen runde Glasscheiben in unterschiedlichen Farbtönen und bildet einen durchlässigen »bunten« Vorhang. Als Kunst am Bau könnte dies ausformuliert und vertieft werden. Zusammen mit locker auf den Vorgärten verteilten Raumteilern ergibt sich ein kleinteilig organisiertes Dorfgefüge. Im Süden und Westen sind die Zimmer zweihüftig organisiert über einen warmen Mittelgang erschlossen. Der Schnitt der Zimmer ist kompakter und nach einer Seite belichtet und belüftet. Die 3er-WG und die Eltern-Kind-Apartments liegen hier, ebenso die gemeinschaftlich genutzten Räume. Es werden bewusst zwei Typen von Studentenapartments geplant. Der schlanke Typ hat einen Raum zum Studieren und Schlafen und getrennt durch den Sanitärblock eine Küche mit Vorgarten. Der kompakte Typ hat einen kleinen Vorraum neben dem Sanitärblock und einen Koch-Ess-Schlaf-Studierraum. So gibt es ein Angebot für die verschiedenen Wünsche der Studenten und es kann auf die sehr unterschiedlichen Seiten des Grundstückes individuell reagiert werden.

KONSTRUKTION | STATIK

Das Studentenwohnheim steht auf Betonstützen, Scheiben steifen aus. In den oberen Geschossen ist jede Wohnungstrennwand aus einem 10cm starken Betonfertigteil statisch tragend ausgebildet. Einseitig wird zur Installation und für den Schallschutz eine Vorsatzschale aufgebracht. Die Decken werden als sichtbare Brettstapeldecke mit Estrich und Holzboden ausgeführt. Die Außenwände aus hochgedämmten, vorgehängten Holzsandwichelementen vermeiden Wärmebrücken. Außen werden diese Wände verputzt und erhalten als Finish einen waagerechten Besenstrichputz. Dieser ergibt mit den geschossweise leicht versetzten stehenden Fensterformaten einen dynamisch, organisch bewegten Baukörper. Im Innenhof werden die Holzsandwichelemente mit sichtbarer Holzverkleidung abgeschlossen. Der Laubengang mit den Vorgärten wird zuletzt davorgestellt. Stahlstützen tragen Betonfertigteile, diese sind leicht geneigt nach außen, damit trotz der geschützten Lage anfallendes Wasser außen abtropft, ohne dass aufwendige Entwässerungen notwendig werden.

MATERIAL | TECHNIK

Die verwendeten Materialien sollen soweit möglich unverfremdet verwendet werden. So ergibt sich in den Zimmern ein Zusammenspiel aus weißen Wänden und einer Sichtbetonfertigteilwand, sowie des hölzernen Bodens und der Decke. Die Erschließung wird vom Sichtbetonfertigteilboden und einer hölzernen Wand geprägt sowie dem Birkenwald mit buntem Vorhang.

Geheizt wird über eine zentrale Wärmeanlage und Fußbodenheizung. Das Warmwasser wird über Kollektoren am Dach erwärmt. Die Lüftung erfolgt dezentral über Wohnraumlüfter. Zusammen mit ökonomisch dimensionierter Wärmedämmung und sorgfältig ausgewählten Materialien ergibt dieses schlanke Technikkonzept ein nachhaltiges Gebäude mit geringen Kosten in der Errichtung und Unterhaltung.