EU-weit offener Wettbewerb
Matthias Seyfert
Dietmar Moser
Kelly Dehais
Team GMI (Energiekonzept)
Holzbau Obermayr (Statik)
el:ch landschaftsarchitekten
(Freiraumplanung)
06|2014 – 08|2014
Leicht, grazil und elegant steht das neue Kletterzentrum auf dem WUB Areal. Neun Baumstützen tragen die vielfach gefalteten Kletterstrukturen, überdachen für Wettbewerbe und inszenieren diese physisch und psychisch anspruchsvolle und spektakuläre Sportart auf angemessene Weise.
Der Zugang zum Kletterzentrum erfolgt gedeckt von der zum Rad- und Fußweg umgestalteten Matthias-Schmid-Straße. Räder können neben dem Eingang abgestellt werden, die PKWs auf einem Parkplatz von der Ing. Etzel-Straße aus. Die Kassa mit Shop ist in einem aus der Bestandshalle ragendem Schiffscontainer untergebracht. Die Nutzung von Schiffscontainern setzt sich Innen fort. Sämtliche Umkleiden, Duschen und WCs sind in nebeneinander auf den bestehenden Hallenboden gesetzten Containern eingebaut. Ebenso die Küche des Restaurants mit Nebenräumen. Darüber dienen ebenfalls Schiffscontainer als Büros, weitere WCs und kleinere Räume. In den bewusst gesetzten Zwischenräumen werden der Seminarraum, der Raum für EDV und Kinderbetreuung sowie der Gymnastik- und Konditionsraum organisiert. Die Funktionsräume können auf preiswerte und flexible Art realisiert werden. Der finanzielle und gestalterische Spielraum wird dadurch größer. Über die Umkleiden gelangt man in die Kletterhalle oder bleibt im Cafe am Eingang und beobachtet die Kletterinnen und Boulderinnen. Die Boulderwände sind zweigeschossig im Nordwesten und Nordosten angelegt und rahmen die Kletterhalle. Diese besteht aus sechs Baumstützen innen und drei außen. Diese Baumstützen werden von den Kletterwänden umkleidet. Große 17,5m hohe und 4m breite Schiebetore können im Sommer offen stehen und sorgen für die notwendige Belichtung. Über dem zweigeschossigem Boulderbereich bleibt ein 7m hohes Oberlicht. Die Kletterhalle ist so optimal von allen Seiten natürlich belichtet und belüftet. Vor dem Gebäude stehen die Wettkampfbouldertribüne und die Baumstütze mit den Wettkampfflächen für Leadklettern und Speedklettern. Diese Wettkampfarena bietet Platz für mehr als 4000 Zuschauer und wird das Bild Innsbrucks bei internationalen Wettkämpfen prägen.
Das strenge Baumraster des Kletterzentrums steht neben den ohne Raster frei gesetzten Naturbäumen. Bandartige zwischen Ing. Etzel- Straße und Matthias- Scholz- Straße liegen verschieden gestaltete Flächen. Die Vorzone des Kletterzentrums wird kostengünstig in wassergebundenem Belag hergestellt. Ein Streifen großformatiger Betonplatten empfängt die Besucher an der Straße und leitet sie zum Haupteingang. Die resultierende Flächengliederung kennzeichnet einen Abstellbereich für Fahrräder links des Zugangsweges sowie einen Aufenthaltsbereich mit Grüninsel und Sitzgelegenheiten auf der übrigen Fläche. Betonobjekte mit mehreren Ebenen dienen als variabel nutzbare Sitz- und Liegeflächen. Verteilt über die gesamte Fläche geben sie dem Freiraum Zusammenhang. Zum Gehweg hin stellt ein Gräserband einen transparenten Puffer her und sorgt für ein grünes Erscheinungsbild der Vorzone.
Der vorliegende architektonische Entwurf sieht 9 "Baumstützen" vor, welche ein flaches Dach tragen. Die Außenwände sind zum Teil verglast, zum Teil großflächig öffenbar und grundsätzlich nichttragend ausgeführt. Die Baumstruktur eignet sich optimal, um vertikale (symmetrische) Lasten mit minimalen Biegemomenten fast nur über Normalkräfte abzutragen. Zusatzmaßnahmen sind für antimetrische und horizontale Lasten zu treffen. – Das statische Konzept sieht hier eingespannte Stützen bis zur unteren Verästelung sowie eine steife Dachscheibe bestehend aus einem Brettschichtholzträgerrost mit einer darübergelegten Massivholzdachscheibe vor.
Die Dachscheibe gewährleistet die starre Verbindung der Trägerrostknoten, welche durch die geneigten Äste horizontale Kräfte erhalten. Der Trägerrost verfügt über einen Raster von 5x5 m und leitet zum einen die vertikalen Lasten aus dem Massivholzdach in die Trägerrostknoten, an denen die Äste der obersten Astebene angreifen. Zum anderen erzeugt er die notwendige Steifigkeit, um horizontale und antimetrische Lasten ableiten zu können. – Gedanklich greifen die Äste der oberen Astebene an einem starren Trägerrost an und bilden zu viert wieder einen starren Knotenpunkt, an dem ein Ast der mittleren Astebene (gelenkig) anschließt. Diese mittlere Ebene, welche je Baum aus 4 Ästen besteht, leitet ihre Kräfte in die unterste Astebene (Stamm) wiederum gelenkig ein. Der Stamm ist als eingespannte Stütze ausgebildet, wodurch das System zur Gänze ohne Wind- und Stablisierungsverbände (!) auskommt. Die Äste können in Ihrer Lage im Raum so optimiert werden, dass sie für symmetrische Lasten theoretisch auf einen biegesteifen Trägerrost verzichten könnten und die Lastabtragung rein über Normalkräfte funktioniert.
Dimensionen: Massivholzdach 10cm Dicke, Brettschichtholzträgerrost im Raster von 5m, 30/100cm, oberste Äste GL28h 30/30cm, mittlere Äste GL28h 40/40cm, Stamm GL28h 80/80cm Verformungen: sämtliche Verformungen lt. ÖN B 1995-1-1 sind eingehalten: Vertikale Verformung max. ca. 60mm, horizontale Verformung Dachscheibe max. ca. 70mm, Lastannahmen: Eigengewicht Dach (inkl. Gründach und allfälliger Fotovoltaik / Solaranlage), Eigengewicht Kletterkonstruktionen, Schnee: sk=2,1 kN/m², Wind: lt. ÖN B 1991-1-4 (inkl. anteiliger Wind aus Außenwänden, Stabilisierungslasten, Nutzlasten f. Installationen, Nutzlasten zuf. Kletterbetrieb, Erdbeben.
1. Nutzung lokaler Ressourcen
Der Standort bietet ein gutes Potential für eine geothermische Anlage als Wärmequelle im Winter. Die solare Einstrahlung wird aktiv über thermische Kollektoren für die Warmwasseraufbereitung genutzt.
2. Thermische Gebäudehülle
Die thermische Gebäudehülle ist gut wärmegedämmt. Die Außenwandkonstruktion sowie das Dach erhalten eine 20 cm dicke Wärmedämmung. Die verglasten Schiebetore sind in einer 2-Scheiben-Isolierverglasung mit einem U-Wert von 1.0 W/m2K, die seitlichen Oberlichter sind als doppelschalige Profilit Gläser mit U-Wert 1.8 W/m2K und davorstehender fixer Lamellenbeschattung geplant.
3. Gebäudetechnik
Als Wärmequelle für die Raumheizung dient die Geothermieanlage in Kombination mit einer mehrstufigen, hocheffizienten Wärmepumpenanlage. Die Wärmeeinbringung erfolgt über die thermisch aktivierte Fundamentplatte als Strahlungsheizung. Dabei werden Kunststoffrohre in der massiven Stahlbetondecke mit Warmwasser durchströmt und damit die Betonspeichermasse und die Halle komfortabel geheizt. Dies verhindert eine zu starke thermische Schichtung zwischen Boden und Hallendecke.
Eine mechanische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zur Belüftung der Kletterhalle mit hygienisch dimensionierter Luftmenge. Quellluftprinzip mit flächig verteilten Bodenauslässen für die Zuluft. Die Abluftabsaugung befindet sich seitlichen an der Hallendecke.
Die thermischen Kollektoren auf den Gebäudedach versorgen die Duschbereiche und die Gastronomie mit Brauchwarmwasser.
4. Tageslicht
Die verglasten Schiebetore und die seitlichen Oberlichter versorgen die Kletterwandbereiche mit diffusem, blendfreiem Tageslicht.