NEUBAU
STUDIERENDENWOHNEN NEU-ULM
AUGSBURG

anonymer, nicht-offener
Realisierungswettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Julia Grims

Freiraumplanung: el:ch landschaftsarchitekten

06|2012 – 07|2012

ENTWURFSKONZEPT

Der Neubau des Studentenwohnhauses nimmt den Maßstab der Nachbarbebauung auf. Als langgestreckter Baukörper in Nordsüdausrichtung gibt er allen Zimmern nach Osten bzw. Westen optimale Belichtung. Im Erdgeschoss ist er durchlässig und lässt im Zusammenspiel mit der Freiraumplanung vielfältige Durchwegungen zu.

Der Eingang in das Wohnhaus der Studierenden liegt gedeckt und klar ablesbar in einem Durchgang vis-a-vis der Fahrradabstellplätze. Vom Foyer geht es im Erdgeschoss direkt zu den Zimmern oder über Lift und Treppe in eines der vier oberen Wohngeschosse. Ganz oben als Laterne liegen die Gemeinschaftsräume und die Hausmeisterwohnung. Die Tiefgarage nutzt die gesamte Länge des Grundstückes, um die Zu- und Ausfahrt möglichst weit von den Zimmern abzurücken.

Die Wohngeschosse bestehen aus zwei verschiedenen Zimmermodulen, welche über eine vielschichtige Mittelzone erschlossen werden. Zwei breite Zimmer auf der einen Seite und drei lange Zimmer auf der anderen Seite geben den Rhythmus. Die breiten Zimmer liegen in einer Linie. Es gibt immer wieder Freizonen. Die zentrale Erschließung bekommt so den Blick nach außen und Licht nach innen. Die langen Zimmer verspringen und zonieren die Mittelzone. Sitzzonen, Aufweitungen und Treffpunkte entstehen. Von Geschoss zu Geschoss wird der Grundriss um die Mittelzone gespiegelt. So entsteht ein geschossübergreifender, heller, kommunizierender Bereich, das Herz des Studentenwohnhauses.

Die Zimmer – breite wie lange – haben auf einer Seite eine Schrank-Schreibtisch-Kombination und auf der anderen Seite das Bad und die Schlafnische. Ein Fenster mit breiter Fensterbank belichtet großzügig. Praktisch, dauerhaft und wohnlich sind die angestrebten Eigenschaften. Die Fassade jedes Zimmermodules besteht aus einer vorgefertigten Holzriegelkonstruktion. Das gibt dem Haus seine fassettenartige Hülle. Zwei breite Zimmer zu zwei langen Zimmern, Vor- und Rücksprünge in verschiedenen Takten und Leerstellen geben dem Haus eine belebte Fassade. Das besondere Wohnhaus ist so nach außen ablesbar.

Die Vertikalerschließung des Gebäudes erfolgt über einen Lift und zwei mittig liegende Treppenhäuser, welche im Brandfall über Schiebetore abgeschlossen werden. Im Erdgeschoss ist die vordere Treppe zum Lift an die Seite verschoben und öffnet den Grundriss zum Foyer.

In die Tiefgarage wird an der Grundstücksgrenze im Süden eingefahren und im Norden ausgefahren. Schrägparker auf beiden Seiten und die Nebenräume um das Treppenhaus mit Lift ergeben eine schmale Garage, welche nicht breiter als das Gebäude darüber ist.

Die Garage ist ökonomisch in Errichtung und Sparsam im Betrieb mit natürlicher Belüftung. Das oberste Geschoss sitzt als Laterne rückversetzt auf dem Gebäude. Im Nordosten liegt die Hausmeisterwohnung, nach Südwesten sind die Gemeinschaftsräume orientiert. Sie bekommen den schönsten Platz mit Sonnenterrasse und Ausblick für gemeinschaftliches Lernen am Tag und gemeinsames Feiern am Abend.

Das Gebäude wird mit Stahlbetondecken und Schotten im Abstand von 9m errichtet. Im Erdgeschoss und im Dach wird diese Konstruktion teilweise in eine Stahlbetonskelettkonstruktion aufgelöst. Die Außenhaut aus vorgefertigten Holzsandwichelementen vermeidet Wärmebrücken auf ökonomische Weise. Kostengünstig, dauerhaft, nachhaltig – das sind die Schlagwörter für das neue Haus.

EIN FREIRAUM FÜR ENTWICKLUNG

Der Freiraum rund um das Wohnheim für Studierende weist einen bewusst ungeordnet und locker gestalteten Charakter mit hohem Aneignungspotential auf. Spielerische, natürliche und klar bauliche Elemente kommen zusammen, um einen Entwicklungsraum für junge Erwachsene in einer wichtigen Orientierungsphase aufzuzeigen.

Eine klar gefasste, durch Sitz-Pflanz-Objekte gegliederte Terrassenzone ist den im Erdgeschoss gelegenen Zimmern vorgelagert. Im Anschluss folgt eine amorphe, feinkörnige "Wiesenzone", gebildet aus einem gekiesten und von blühenden Kräutern geprägten Blumenrasen sowie einer Hülle aus übermannshohen Stelen, die gemeinsam Sichtschutz geben, dabei frei durchquerbar bleiben und nutzbar für verschiedenste Aktivitäten sind (z.B. Hängematten / Slacklines / Leinwände / temporäre Überdachungen etc.). Das Motiv des Gartenzauns verbindet sich mit Elementen aus der Spielplatzgestaltung und dem Vegetationstragwerk zu einem anarchisch-lebendigen Vorhangobjekt. Die Stelen setzen sich aus einer Mischung aus geschälten, stabil verankerten Robinienstämmen mit selbst wurzelnden und austreibenden Weidenstaketen zusammen. Eine Reihe von Mastleuchten durchdringt die lockere Anordnung der Stelen in gleichmäßigem Rhythmus. Im Süden verdichtet sich der Stelensaum zu einem Wäldchen, das den Fahrradstellraum umhüllt und die offen gehaltene Eingangszone begleitet. Der nach Osten und Westen geöffnete Zugangsraum bietet neben einem befestigten Eingangsweg angrenzende Platzflächen, die mit Kräuterfugen zu den anschließenden Wiesen überleiten.

Der hier unterbrochene Stelensaum rahmt den Zugang im Norden und Süden spalierartig. Die Ost-West-Verbindung geht einher mit einer Öffnung der Fassade und damit auch einer visuellen Verknüpfung zwischen den östlichen und westlich gelegenen Stadträumen. Am Zugangsbereich der beiden Vorplätze liegen – gerahmt durch je eine Sitzmauer Stellflächen für Besucher-Pkw und -fahrräder.

Der Eingangsbereich mit dem Fahrradraum schließt eben an das umliegende Gelände an. Von dort aus fällt das Gelände nach Norden hin ab – die Terrassen der Parterrewohnungen liegen damit leicht oberhalb der Geländeoberfläche, was den privateren Charakter dieses Bereichs unterstreicht.