NEUSTRUKTURIERUNG
KAISERIN-ELISABETH-SPITAL
WIEN, 15.BEZIRK

einstufiger EU-weit offener
Realisierungswettbewerb

Dietmar Moser
Matthias Seyfert

Paul Wichert
Clemens Steininger

Freiraumkonzept | Landschaftsarchitektur:
el.ch landschaftsarchitekten gbr
Brandschutzkonzept: IBS Linz

08|2011 – 09|2011

ENTWURFSKONZEPT

Das neue Pflegewohnhaus liegt flächensparend im Norden des Grundstückes und hält ein Drittel der zur Verfügung stehenden Fläche frei. So kann ein großzügiger Park angelegt werden. Dieser zieht sich von der Felberstraße bis unter das Pflegewohnhaus. Das Wiener Hochparterre wird als transparentes Zwischengeschoss mit gedeckten Flächen und Aussichtsterrasse neu interpretiert. Im Süden werden der Park und die unter Denkmalschutz stehende Bebauung erhalten. Dazwischen gestreute, elliptische Punkthäuser ergänzen das Flächenangebot durch hochwertige Wohnungen. Die gewünschte Baumasse kann so unter Wahrung des parkartigen Charakters realisiert werden.

Das Pflegewohnhaus für chronisch Kranke gliedert sich in ein luftiges Eingangsgeschoss - das Hochparterre - mit allen öffentlichen Funktionen, in ein Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Park, welches den Kindergarten, die Therapie und dienende Funktionen aufnimmt und die drei Obergeschosse für die Pflege der 336 Bewohner. Organisiert um einen mit Bäumen bepflanzten Innenhof, der durch Brücken in drei Bereiche gegliedert wird - zwei Tagraumhöfen und einem Wohnhof - ergibt sich eine übersichtliche und effiziente Struktur.

ERSCHLIESSUNG

Man betritt das Eingangsgeschoss über einen gedeckten Vorplatz vom Ferdinand Rauscher Platz vis-a-vis der Tramhaltestelle. Im hellen Foyer überblickt man das gesamte Parterre mit Tageszentrum, Verwaltung und den Sälen, den Freibereichen mit den Liegeflächen und der Aussichtsterrasse, die oberen, über zwei Brücken erschlossenen Pflegegeschosse wie auch den südlich anschließenden Park und die darunter im Park eingebettete, neue Wohnbebauung. Eine Wegfindung ist intuitiv und selbsterklärend möglich. Die Verwaltung und die Säle sind direkt an das Foyer angeschlossen. Das Tageszentrum hat neben dem Eingang vom Foyer einen Eingang an der Holochergasse. Neben der Orientierung und Erschließung bietet das Parterre Raum für den Empfang von Besuchern. Bei schönem Wetter kann man in den unteren Park hinab flanieren. Auf dem Holzparterre findet man Sonnen- und Schattenplätze. Das Hochparterre ist Visitenkarte des Hauses mit hoher Aufenthaltsqualität. Spaziergänge im Freien sind hier selbst bei Regen im Trockenen möglich.

Die äußere Gestalt des neuen Pflegewohnhauses entspricht der inneren Organisation. Drei Pflegegeschosse werden zu einem Baukörper über dem gläsernen Parterre verbunden.

Horizontale Bänder bestimmen die Obergeschosse und geben dem Gebäude seine leichte und schwebende Optik. Im gläsernen Parterre dominiert die Vertikale - locker verteilte Stützen stellen den Übergang zum Park mit seinen Baumgruppen her.

Das Erdgeschoss ist als Sockel vom Park aus erlebbar, die obenauf gelegene, offene Aufenthaltszone dient als großzügige Aussichtsplattform in den Park hinaus. Die Freibereiche des Eingangsgeschosses bieten verschiedenartig gestaltete Aufenthaltsbereiche - teilweise überdacht, eignen sie sich auch zum Aufenthalt bei Regen und schützen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung.

Ein Tageslicht reflektierender Wasserrahmen sorgt für eine helle, freundliche Atmosphäre des überdachten Holzparterres. Im Osten des Plateaus stehen einige Spielangebote für besuchende Enkelkinder und zahlreiche locker angeordnete Sitzgruppen zur Verfügung.

Von zentral angeschlossenen Liften betritt man die zwei Brücken der jeweils vier Pflegestationen pro Geschoss. An den Enden der Brücken liegen die Pflegestützpunkte mit den Tagesräumen und den Nebenräumen. Übersichtlichkeit und Effizienz in der Organisation prägen den Grundriss. Die zentrale Lage der Pflegestützpunkte sichert kurze Wege. Die Zimmer liegen nach außen in alle vier Himmelsrichtungen und in den Wohninnenhof orientiert. Jede dieser Seiten weist spezifische Vorzüge auf, wie Südlage, Blick in den Park oder Abendsonne und bieten so eine breite Palette unterschiedlicher Qualitäten. Allen Zimmern gemeinsam ist die vorgelagerte Loggia, auf der auch ein Bett bequem Platz findet und die als Vorzone vor den Zimmern als Sichtschutz und Sonnenschutz dient. Von den Zimmern aus ist der Weg zu den Tagräumen nicht weit. Lange Gangzonen werden vermieden, es gibt keine Sackgassen. Rundgänge mit Blickbeziehungen in die verschiedenen Höfe laden zum Spazieren ein. Die Tagräume sind jeweils in einen größeren und einen kleineren unterteilt.

Der größere blickt in den Innenhof und wird über eine Terrasse zusätzlich erweitert, der kleinere blickt nach außen über Wien bzw. auf den Ferdinand Rauscher Platz. Wärme und Geborgenheit prägen die Atmosphäre dieser Räume. Im untersten der drei Pflegegeschosse liegen die Kurzzeitpflegestation und abschließbar die beiden Demenzstationen mit dem Dementengarten. Dieser ist durch seine Lage im Innenhof vor übermäßiger Sonneneinstrahlung geschützt. Hochbeete in Rand- und Seitenlage formen eine Abfolge von Räumen und Nischen mit Sitzgelegenheiten, die zu einem umlaufenden Rundweg verbunden sind. Eine unmittelbare Erfahrung der Vegetation wird durch die erhöhte Anordnung der Pflanzflächen befördert. Zugleich treten die Sitzgelegenheiten in engen Kontakt zur Bepflanzung.

Im Erdgeschoss mit direktem Gartenzugang liegen Kindergarten und Therapie. Die Küche und notwendige Nebenräume für Technik etc. liegen im Norden unter Terrain. Notwendige Belichtung ist über eingeschnittene Höfe gewährleistet. Die Anlieferung von der Huglgasse erfolgt durch die abfallende Straße unstörend unter die Platte des Parterregeschosses. Dem Gebäude unmittelbar vorgelagert, schließt eine Sondernutzungszone mit Therapiegarten und Spielangeboten für den Kindergarten an. Eine von Sitzgelegenheiten durchbrochene Hecke schirmt den Bereich in Teilen von der anschließenden Parkanlage ab, ermöglicht jedoch Ein- und Ausblicke sowie den direkten Zugang zum Park. Beidseits des offenen, sonnigen Rasenparterres mit Pflasterrahmen schließen sich weiche Gartenwege an, die in üppig bepflanzten und im Schatten des Hains gelegene Rückzugsbereichen münden.

FREIRAUMPLANUNG

Im Südteil des Grundstückes werden die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude erhalten und der parkartige Charakter aufgegriffen und gestärkt. In die unbebauten Leerzonen werden drei elliptische Punkthäuser gesetzt. Diese nutzen die maximal zulässige Gebäudehöhe aus und reduzieren damit den Anteil der verbauten Fläche auf ein Minimum. Neben neuen Wohnungen im Bestand wird in den Punkthäusern attraktiver Wohnraum mit individuellem Außenraum - umlaufende Loggien vor jedem Zimmer angeboten. Die Erdgeschosse der Neubauten dienen als Zugang und Fahrradparkplatz. Eine ebenerdig gelegene Gemeinschaftsküche kann für Gartenfeste im Park genutzt werden. In einer dreigeschossigen Tiefgarage entlang der Felberstraße sind die Stellplätze für den Individualverkehr und die Kellerräume sowie Müllräume untergebracht.

Bestehende Bäume werden, soweit ihre Vitalität es zulässt, erhalten und durch umfangreiche Neupflanzungen zu einem Hain ergänzt. Dem Nord- und Südteil des Grundstücks wird eine jeweils charakteristische Baumart zugeordnet - Ebereschen in den Freiflächen des Pflegewohnhauses kontrastieren Robinien in den Wohnbereichen. Im zentralen Teil des Parks, durchzogen von einem großzügigen Fuß- und Radweg, vermischen sich die beiden Baumarten und stellen eine grüne Verbindung der Teilbereiche her.

Die Freiräume des gesamten Parkbereichs werden durch einen charakteristischen grünen Teppich verbunden. Eine spezifische Wiesenkräutermischung thematisiert, jahreszeitliche Aspekte und kontrastiert die zentral angeordneten Rasenparterres. Die im Inneren des Grundstückes gelegene Parterrezone bietet entlang einer zentralen Haupterschließung eine Abfolge verschiedenartiger, offener Freiräume in der schützenden Hülle des Baumhains. Horizontal angelegte Rasenparterres nutzen die Geländetopographie zur Ausbildung von Sitzkanten und definieren besondere Räume mit Ausblick über die tiefer gelegenen Bereiche. Ein Gartenhof verbindet die denkmalgeschützten Gebäude des Kaiserin-Elisabeth-Spitals mit dem hier gelegenen Wohn-Neubau. Ein üppiger Staudenrahmen schafft einen atmosphärischen Aufenthaltsort, dessen großzügige Gestaltung auch die Nutzung für Nachbarschaftsfeste etc. ermöglicht.

Das südliche Rasenparterre wird durch eine breite Aussichtsterrasse gesäumt von der aus auch die Eingangsbereiche der Neubauten erschlossen werden. Oberhalb des Parterres bietet ein Spielband mit Sandflächen, Hüpf- und Balancierelementen ein wohnungsnah gelegenes Spielangebot für die Jüngsten. Ergänzend dazu laden zwei Kletterspielplätze entlang des Fußweges auch ältere Kinder und ihre Eltern zu Spiel und Aufenthalt.