ERWEITERUNG HTL GOETHESTRASSE
LINZ

anonymer EU-weit offener einstufiger Realisierungswettbewerb

Dietmar Moser
Matthias Seyfert

Nicole Kreußel

03|2011 – 04|2011

INLAY IM BLOCK

Im Planungsgebiet umschließt großformatiger Blockrand kleinteilige Innenhofbebauung. Der neue Zubau der HTL mit Turnhalle fügt sich als Inlay in den umgebenden Schulblockrand. Die Maßstäblichkeit des Innenhofs wird aufgenommen und klar zoniert in Parken und Fußgängerbereich. Der bestehende Turnsaal und das neue Gebäude stehen nah beieinander und bilden einen spannungsvollen Zwischenraum. Gedeckte Bereiche markieren die Eingänge. Im 2.Obergeschoss verbindet eine filigrane Brücke Neubau und Bestand. Die neue 11-klassige Schulerweiterung wird in Form eines autark funktionierenden Gebäudes mit einer sensiblen Anbindung an den Bestand geplant. Die unterschiedlichen Funktionen - Klassenzimmer, Erschließung und Aufenthalt - sind klar ablesbar.

HIMMELSLEITER

Im Erdgeschoss betritt man über einen gedeckten Vorbereich das Foyer. Von hier hinauf führt eine Kaskadentreppe in die Klassen und hinab eine Treppe in den Turnsaal. Spannend erschließt sich die gesamte Schule und erlaubt intuitive Orientierung ohne Wegweiser. In den beiden Obergeschossen legen sich die Klassenzimmer wie ein Band um die Himmelsleiter. Nach Süden geöffnet - Oberlichter über der Treppe - es entsteht ein lichtdurchfluteter Raum. Zwischen Treppe und Gang liegt eine Multifunktionszone, welche Sitzmöbel, Kästen und vieles mehr aufnehmen kann. Sie ist Erschließung und Aufenthalt zugleich. Die Brandschutzschiebetore sind in diese Schicht integriert und verwandeln den offenen Treppenraum im Brandfall in ein Sicherheitsstiegenhaus. Nach unten wird die Treppe mit steigender Anzahl der Flüchtenden breiter. Der Konferenzraum im OG1 ist zur Mittelzone öffenbar und kann bei Schulfesten etc. offen genutzt werden. Die Himmelsleiter führt aufs Dach. Eingebettet in die Dachbegrünung bereichert ein Freiraum die gesamte Schule. Für den Unterricht im Freien und als Pausenfläche ist dieser denkbar. Im Untergeschoss liegen der Turnsaal mit Umkleiden und Geräteraum. Über die separate Treppe und einen abtrennbaren Nebeneingang ist die externe Nutzbarkeit möglich. Die Belichtung und Belüftung des Turnsaales ist natürlich über den gläsernen Sockel gesichert. Der im Bedarfsfall notwendige zweite Fluchtweg ist im gedeckten Bereich im Norden leicht realisierbar.

SKELETTROHBAU MIT VORGEHÄNGTER SANDWICHHAUT

Der Neubau wird als Stahlbetonskelettstruktur mit aussteifenden Wandscheiben errichtet. Die Fassade kann als Holzsandwichelement davor gehängt werden. Die Wärmebrücken freie, hoch gedämmte Außenhaut ermöglicht Niedrigstenergiebauweise ohne hohen technischen Aufwand. Standardisierung und hoher Vorfertigungsgrad ermöglichen rationelle und kostengünstige Herstellung.

Die Bauzeit und die damit zu erwartenden Einschränkungen im Schulbetrieb und innerstädtischen Verkehr werden beschränkt. Die Skelettstruktur mit wenigen tragenden Bauteilen erlaubt Anpassung bei Funktionsänderung.

LAMELLENFASSADE

Geschosshohe, drehbare Lamellen verleihen dem Haus ein technisch, elegantes Äußeres. Die Lamellen drehen sich dem Sonnenlauf angepasst und schützen die Klassen vor direktem Sonnenlicht. An lichtarmen Tagen lenken sie das Licht weit in die Klassen hinein und reduzieren den Einsatz von Kunstlicht. Werden die Klassenräume nicht benutzt, schließen sich die Lamellen und reduzieren die Abstrahlung nach außen. Die innere Nutzung spiegelt sich in der Fassade wieder.

ENERGIEKONZEPT

Das neue Gebäude der HTL wird an die bestehende Fernwärmeversorgung angeschlossen. Die Warmwasserbereitung erfolgt über eine Solaranlage mit ca. 30m² Nettofläche auf dem Dach. Die Fassadenlamellen verschatten das Gebäude optimal und verhindern sommerliche Überhitzung ohne technische Kühlung. Effektive Nachtlüftung mit motorisch zu öffnenden Fensterflügeln sorgt für angenehmes Raumklima. Die Klassenräume werden dezentral über in der Fassade eingebaute Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung belüftet. Das auf dem Dach anfallende Regenwasser kann als Brauchwasser für das Gebäude genutzt werden.