NEUBAU BÜRGERHAUS
MARQUARTSTEIN

anonymer geladener Wettbewerb

Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Marco Stummer
Julia Grims

Landschaftsarchitektur: Barbara Bacher

01|2011 – 03|2011

STÄDTEBAU

Der Marktplatz von Marquartstein wird durch Neubauten belebt. Eine Abfolge von Plätzen und verwinkelten Raumabfolgen mit jeweils einheitlicher Gestaltung bilden den neuen Stadtkern. Das neue Hotel am Lesepark profitiert von zentraler Lage, schöner Aussicht und guter Andienung. Die ehemalige Bahntrasse wird Lesepark und Rückgrat des Lesedorfes. Der neue Bürgerplatz zwischen Rathaus, Kirche und Bürgerhaus wird einladendes Zentrum aller kulturellen und sozialen Aktivitäten. Das neue Bürgerhaus und der Forstamtshügel bilden den Höhepunkt des Lesedorfes.

MARKTPLATZ

Der Marktplatz von Marquartstein ist derzeit nur nach Osten baulich gefasst. Auf der Westseite zeigen die Gebäude ihre Rückseiten. Der Platz franst aus. Die Neubauten setzen sich an die Westseite. Die bestehende dreieckige Zuspitzung des Marktplatzes wird positiv gesehen und nicht verändert. Die beiden L-förmigen Neubauten auf der Westseite ergänzen den Marktplatz um einen kleineren wiederrum dreieckig zugespitzten Platz, der in den oberen Marktplatz am Supermarkt leitet. Zusätzliche Durchwegung des gesamten Areals soll gefördert werden. Der für den bestehenden Marktplatz so besonders prägenden Gustapfelbau bleibt weiterhin Blickfang.

Am unteren Marktplatz stehen die Autos auf dem Platz. Es gibt keine Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern. Kleine Geschäfte und Cafés beleben den Platz. Am oberen Marktplatz liegen die Parkplätze direkt an der Bundesstraße. Schnelles Zufahren und konfliktfreies Einkaufen sind für den Supermarkt wichtig. Die Anbindung an den unteren Marktplatz lädt in die Stadt ein ergänzt das Angebot des großen Marktes. Alle Plätze und Wege werden einheitlich mit Kleinsteinpflaster überzogen. Eine Baumart wird für das gesamte Gebiet gewählt. Um einen lichtdurchfluteten Freiraum zu erzielen, könnten Gleditsien gewählt werden. Sie bestechen durch ein flirrendes, leichtes Blätterdach und herbstgelbe Laubverfärbung. In der Nacht verbindet ein Beleuchtungskonzept alles. So entsteht ein zusammengehörender Raum in dem Vielfalt gefördert wird.

In den oberen Geschossen der L-förmigen Bebauung sind Wohnungen geplant. Diese orientieren sich zum Platz sowie in die neu geschaffenen Höfe und haben somit eine belebte und eine ruhige Seite. Nach Osten scheint ein Durchgang zur Tiroler Ache realisierbar (Öffnung des Hochwasserdammes, Schott bei Hochwasser). Ein Badeplatz keine 100m vom Marktplatz entfernt wäre möglich. Die bestehenden Dachformen des Ortes werden aufgenommen und am Supermarkt und den L-förmigen Gebäuden verwendet.

Die L-förmigen Gebäude sind dreigeschossig und orientieren sich so an den anderen Gebäuden des Platzes. Der großflächige Supermarkt wird durch aneinander gereihte Volumen gebildet und so sanft im bestehenden Ortsbild verankert.

HOTEL

Das neue Hotel rückt bewusst vom Forstamtshügel ab. Das unter Denkmalschutz stehende Forstamt wäre nur schwer für Hotelfunktionen zu nutzen. Der für Marquartstein prägende Forstamtshügel würde durch das Bauvolumen des neuen Hotels bedrängt werden. Die Lage des Hotels am Westrand der Leseallee erlaubt geschützten Ausblick auf das Geschehen. Die sechzig Zimmer (~120 Betten) sind nach Osten oder Westen orientiert, was für gute Belichtung und Blick in die Berge sorgt. Unkomplizierte Zufahrt von Westen ist möglich. Der abgestufte Baukörper ist parkseitig und straßenseitig unterschiedlichen ausgeformt und passt sich so der Kleinteiligkeit der Umgebung an.

LESEPARK

Entlang der ehemaligen Bahntrasse entsteht ein neuer Park. Geschwungen mündet dieser in den neu geschaffenen Bürgerplatz zwischen Rathaus, Kirche und neuem Bürgerhaus. Der Lesepark teilt sich in Kiesband nach Westen und Promenade nach Osten. Auf der Promenade flaniert man am Kiesband entlang. Das Kiesband, bepflanzt mit Blütenstauden und Ziergräsern wird zum schmückenden Element. Auf dem Kiesband sind wie Perlen an einer Kette offene Bücherregale, Skulpturen zum Lesen, Objekte die das Thema Lesen thematisieren aufgefädelt. Links und rechts des Bandes begleiten, locker mit Bäumen bestandene Wiesenflächen die Promenade und bilden so eine ruhige Parkanlage. Alle neu gepflanzten Bäume sind Zierkirschen - sie geben dem Park zu allen Jahreszeiten ein besonderes Gesicht.

BÜRGERPLATZ

Der Bürgerplatz ist Beginn der Leseallee, Vorplatz für den Lesehügel und das Bürgerhaus, auf ihm steht das Rathaus, von ihm geht man zur Kirche und zum oberen und unteren Markt. Der Bürgerplatz ist das Zentrum aller kulturellen und sozialen Aktivitäten. Seine Grenzen sind weich, er verortet sich mit der Umgebung. Freiraum bleibt für Volksfeste wie für den Alltag.

BÜRGERHAUS

Bürgerhaus und Lesehügel bilden eine Einheit. Das Bürgerhaus schwingt aus dem Hügel und ergänzt diesen um eine Aussichtsterrasse und einen Rundweg. Erdgeschossig sind Musik, Bibliothek und Tafel an den Lesehügel angedockt.

Nach Norden bleibt ein Durchgang. Es entsteht ein geschützter Ruhepol für Lesungen oder Musikaufführungen. Das Bürgerhaus ist vom Platz wie von der Seite des Lesehügels über ein gemeinsames Foyer für Musik und Bibliothek zugängig. Längs der Fassade begeht man das Gebäude, wobei zum Platz die vorrangig externe Erschließung und zum Lesehügel die vorrangig interne Erschließung liegt. Alle abgeschlossenen Räume liegen zentral über Oberlichter bzw. über Fenster zur Fassade belichtet. Der Probenraum für die Musik und der Bibliotheksraum sind als offene Räume zwischen die Naturseite des Hügels und die Platzseite gespannt. Die Tafel ist leicht in den Hügel geschoben und tritt kaum in Erscheinung. Das Bürgerhaus besteht konstruktiv aus einer geschwungenen Stahlbetondecke mit Oberlichtern. Diese Fläche ist intensiv begrünt und für die Öffentlichkeit jederzeit begehbar. Zwischen Bodenplatte und Decke sind geschwungen Glasscheiben eingespannt. Die innenliegenden Raumzonen und filigrane Stahlstützen tragen die Betonscheibe. Geheizt wird das Gebäude über eine Fußbodenheizung. Eine eigene Heizung oder eine Anbindung an das Rathaus sind denkbar. Die notwendige Lüftung wird in die Betondecke eingelegt. Zusätzliche abgehängte Decken sind nicht notwendig. Im Sommer reduziert innenliegende Verschattung den Wärmeeintrag. Die Querlüftung mit Zuluft vom schattigen Lesehügel und Abluft über der Süd- und Westfassade garantiert angenehmes Klima ohne Klimaanlage auch an heißen Tagen. Das Bürgerhaus verbraucht wenig Energie und hält den Aufwand für Technik gering.

STELLPLÄTZE

In unmittelbarer Nähe zu Bürgerhaus und Rathaus wird der bestehende Parkplatz angepasst und fasst 54 oberirdische PKW Abstellplätze. Besucher des Ortskerns finden wie bisher 45 Stellplätze beim Forstamtshügel und 27 am Ortsplatz. Beim Supermarkt gibt es 35 oberirdische PKW Abstellplätze. Für die Nachverdichtung Einkaufen/Wohnen gibt es 9 oberirdische PKW und 34 unterirdische PKW. Für das Hotel sind 35 oberirdische Stellplätze geplant.