MESTERKAMP
HAMBURG | DEUTSCHLAND

nicht-offener städtebaulich-
freiraumplanerischer Wettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert
Dietmar Moser
Nicole Kreußel
Daniela Walder

ARGE mit Kuttner+Kahl
Landschaftsarchitekten

12|2016 – 01|2017

ENTWURFSKONZEPT

Der Kamp (ein Feld, eine leere Fläche, ein Platz) der Familie Mester und der vorhandene Busbahnhof haben etwas gemeinsam. Sie besetzen eine Sonderfunktion. Beim Mesterkamp erkennt man es daran, weil es diesen Begriff gibt und er überliefert ist. Beim Busbahnhof ist es derzeit noch sichtbar. Ein (von Bebauung) weitgehend leerer Ort an dem sich vieles kreuzt.

Im Kern schlägt der Entwurf auch einen besonderen Ort vor, einen leeren Platz, an dem es sich zu treffen lohnt und der so markant gestaltet ist, das er identitätsstiftend für die Umgebung wird. Im 2. Bauabschnitt werden schlank proportionierte, hohe Häuser vor dem ruhigen, langen Riegel zur Hamburger Straße ergänzt. Die Einzelhäuser werden zum neuen Gesicht des Mesterkamps, der Riegel bildet den Rücken und filtert zur Wohnbebauung.

Aus den bestehenden Zeilen im Süden formen sich offene Blöcke, welche die Zeilenstruktur aufgreifen, transformieren und die Südflanke des »Feldes« bilden. Dabei formen sie private, halböffentliche und öffentliche Bereiche aus. Innerhalb der Blöcke liegen Eigengärten und Hofgemeinschaftsflächen. Zwischen den Blöcken sind Spielstraßen angeordnet. So wird das Quartierszentrum mit der Umgebung verwoben und eine familienfreundliche Atmosphäre mit einer hohen Aufenthaltsqualität geschaffen. Die Blockrandbebauung im Norden wird geschlossen und bildet die nördliche Raumkante des neuen Mesterkamps, der als alte und neue Adresse dem Quartier neben einer räumlich spannenden, auch eine historisch geprägte Identität verleiht.

QUARTIERSBILDUNG

Die beiden Platzkanten werden als weiche Kante im Norden – Orientierung der Wohnungen nach Süden mit Abstandsflächen – und als harte Kante im Süden – überhängende Fassaden mit strukturierten Klinkerfassaden – ausgebildet. Zugleich soll der zentrale Platz das Grün im Westen mit den Zugängen im Osten verbinden. Die beiden Raumkanten formen von Westen nach Osten den »Grünen Mesterkamp«, den »Kleinen Mesterkamp« und den »Großen Mesterkamp« . Die West-Ost-Verbindung ist als abwechslungsreiche Platzfolge gedacht. Der öffentliche Grünzug im Westen überspringt die Elsastraße in den »Grünen Mesterkamp«. Hier wird im Norden das Schulgelände durch eine L-Förmige Bebauung räumlich gefast und die Freiflächen der im Erdgeschoss geplanten Kita zum Schulhof orientiert.

Der »Kleine Mesterkamp« wird zum ruhigeren Treffpunkt des Quartiers mit Kirchenblick, Trinkbrunnen und Bänken. Der »Große Mesterkamp« wird das lebendige Quartierszentrum mit kleinen Geschäften, Servicestationen und Cafés. Diese Abfolge wird durch Aufweitung und Verengung der durchgehenden Ost-West-Verbindung geformt. Ein robuster Stadtboden verbindet die Platzbereiche und lässt Raum für Quartiersfeste und Aktionen aller Art.

Durchgänge und Zugänge von Norden und Süden vernetzen den Mesterkamp mit der Umgebung.

Im Osten spaltet sich der Mesterkamp auf. Fast wie ein Solitär steht ein Block in der Mitte. Die Wege gehen an ihm vorbei und über Öffnungen im langen Riegel zur Hamburger Straße. Bis zur Realisierung des zweiten Bauabschnittes ist dieser Block Endpunkt des Platzes, erst nach der Bebauung entlang der Hamburger Straße und der Realisierung der geplanten Öffnungen wird er zur »Insel im Fluss«.

Die vorgeschlagene Bebauung an der Hamburger Straße, soll das Quartier vor dem Verkehrslärm schützen, aber die Menschen durchlassen. Daher ist ein langer Riegel mit erdgeschossigen Öffnungen geplant. Davor stehen über Brücken mit dem Riegel im Rücken verbunden, schlanke, hohe Häuser. Sie brechen den Schall und positionieren sich als weit sichtbare und markante Orientierungspunkte. Zwischen ihnen entstehen Freiräume für Cafés und Geschäfte, die sich auf 2 Ebenen verteilen. In den Geschossen darüber sind hochwertige Büros, Ateliers und Studios realisierbar.

Das 3-teilige Gebäudeensemble am Kopf der Hamburger Straße kann als Pendant zum gegenüberliegenden Hochhaus qualitätvollen Raum für ein neues Hotel schaffen.

So bekommt die in vielen Bereichen als reiner Verkehrsraum erlebbare Hamburger Straße ein attraktives neues Gesicht, eine Identität stiftende Adresse, einen Orientierungspunkt und zugleich eine anregende Bereicherung mit Strahlkraft.

WOHNUNGSGRUNDRISSE

Städtebaulicher Kontext und Struktur ermöglichen unterschiedliche Wohnformen. Die Blockränder im Norden ermöglichen frei finanzierte Gebäude in Kombination mit Baugruppen. Die Südflanke des Mesterkamps könnte mit den teilweise öffentlichen Funktionen im Erdgeschoss als geförderter Wohnbau umgesetzt werden.

Die Blöcke im Süden orientieren sich zu den privaten Innenhöfen und bieten für Nord-Süd-, wie für Ost-West-orientierte Wohnungen vielschichtige Grundrissmöglichkeiten. Die Nordränder mit vorwiegend Nord-Süd-ausgerichteten Wohnungen orientieren sich mit den Wohnräumen zum Mesterkamp und mit den Erschließungs- und Begegnungszonen zum Innenhof.

Während im 1. Bauabschnitt das familiäre Wohnen im Vordergrund steht, bietet der lange Riegel im 2. Bauabschnitt mit Orientierung zum neuen Quartier hauptsächlich Wohnungen für Singles, Paare, WGs, Studenten. Hier werden Appartementtypologien vorgeschlagen, die durch einen im Osten innenliegenden Laubengang erschlossen werden. Über die Funktion als Wohnhäuser hinaus, bietet diese Typologie an diesem Standort auch Möglichkeiten für Hostels, Pendlerquartiere, betreutes Wohnen und Studentenwohnen sowie Pensionen.

MATERIALITÄT

Die Fassaden der Südflanke zum Mesterkamp wird als reich strukturierte Klinkerfassade vorgeschlagen. Die Nordkante, wie auch die Blöcke zur Hofseite verleihen mit einer dezenten Putzfassade wohnlichen Flair. Die Platzfolge des Mesterkampes ist mit robustem Stadtboden aus homogenen Betonsteinen belegt, die Spielstraßen jeweils mit Tartan bzw. farbigem Asphalt.

Ein Blütenmeer aus Blausternen (Scilla Sibirica) greift ebenso das Farbkonzept auf, wie Bodendecker aus blauen Geranien. Zierobstbäume vermitteln in der Maßstäblichkeit und setzen zusätzliche jahreszeitliche Akzente mit weißen Blütenwolken, leuchtenden Früchten oder buntem Laub.

REGENWASSERMANAGEMENT

Das Regenwassermanagement erfolgt durch zwei wesentliche Bausteine: zum Einen erhalten alle Flachdächer eine extensive Begrünung, zum Anderen werden in den Außenanlagen Vorlagebehälter vorgesehen, welche die Gartenbewässerung gewährleisten. Ein notwendiger Überlauf in Sickerschächte puffert zuverlässig Regenspitzenereignisse.

ERSCHLIESSUNG | ANLIEFERUNG | STELLPLÄTZE

Grundsätzlich werden der Mesterkamp und die Spielstraßen von Verkehr frei gehalten.

Die PKW-Erschließung des neuen Quartiers erfolgt über eine Tiefgarage mit Anbindung von der Elsastraße / Am Mesterkamp. Besucher nutzen die von der Weidestraße erschlossene öffentliche Tiefgarage unter dem Platz. Alle Gebäude sind ebenfalls über die Weidestraße, die Elsastraße bzw. den Mesterkamp angebunden und erreichbar. In Ausnahmefällen und mit zeitlicher Regelung ist der Quartiersplatz am Mesterkamp für Blaulicht- und Gelblichtfahrzeuge, wie auch für Lieferfahrzeuge und Umzugswägen befahrbar. In der Tiefgarage werden alle Stellplätze mit Elektroanschlüssen für Fahrzeuge vorgerüstet.

Fahrradstellplätze für Besucher werden wohnungsnah an den Hauseingängen angeordnet. Eine Fahrradservicestation als Dienstleitungseinrichtung im Quartier vervollständigt das Mobilitätsangebot. Die Stellplätze am Quartiersrand für Car-Sharingsysteme, Taxis und E-Ladestationen werden konzeptionell an wichtigen Punkten ergänzt.

Die Elsa- und die Berthastraße werden als Einbahnstraße vorgeschlagen. Vor Schule und Kita wird außerdem eine Kiss&Ride-Zone eingerichtet.

Die Wohn- und Geschäftshäuser, sowie das Hotel an der Hamburger Straße erhalten eine eigene Tiefgarage mit getrennter Ein- und Ausfahrt an der Hamburger Straße. Der bisher enge Straßenraum mit der Seitenfahrbahn zur Hamburger Straße wird zum Fußgänger-Boulevard mit Straßenbäumen und ausreichend Platz für den Fahrradweg der Nord-Südverbindung Barmbek.