JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT
BOTTROP | DEUTSCHLAND

EU-weiter, nicht-offener Wettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert
Dietmar Moser
Susanne Seyfert
Florian Dessl

10|2016 – 12|2016

ENTWURFSKONZEPT

Das Quadrat bekommt ein weiteres Quadrat. Aber nur auf den ersten Blick ist dies eine simple Wiederholung. Der zweite Blick lohnt, das Understatement des Bestandes wird zelebriert.

Die Quadrate beherbergen bis jetzt das Mediacenter, das Mamut, den Multifunktionsraum und das Quadrat des fließenden Raumes für Josef Albers. Die Erweiterung soll das Pendant für letztgenanntes Quadrat werden. In Wechselausstellungen soll Kunst in Bezug zum Werk Josef Albers gezeigt werden. Die Verbindung der Kunst Josef Albers und des fließenden Raumes Bernhard Küppers ist kongenial. Und nicht zu wiederholen.

Es wird daher ein Kontrapunkt vorgeschlagen. Zwei Themen die sich umspielen, das Quadrat des fließenden Vielraumes und das Quadrat der Vielzahl klar definierter Räume. Albers im fließenden Quadrat und die wechselnden Künstler im Quadrat der definitiven Räume. Oder als doppelter Kontrapunkt auch anders herum. Jedenfalls kein imitierender Kontrapunkt - also keine versetzte Wiederholung des gleichen Themas – eher eine Fuge.

VIELRAUMQUADRAT

Vom Mediacenter betritt man über eine Brücke das Reich Josef Albers. Dieser kurze Weg über die Natur ist einerseits schön und andererseits betritt man so vom Draußen kommend das Drinnen. Es ist Teil des Ganzen – etwas abgerückt – das Besondere ist nicht zu übersehen.

Die Erweiterung soll sich an das Besondere anschließen. Es wird wiederrum eine Brücke als Übergang gewählt. Diese ist kürzer als die vorhandene. Die große thematische Nähe wird so spürbar. Und sie führt nicht wieder über Draußen nach Drinnen, sondern sie ist Teil der Erweiterung. Sie ist eingesteckt und nicht davor gestellt. Der Abgang nach unten ist mit einer Mauerscheibe abgedeckt, bleibt aber erkennbar. Nach rechts geht es in den Ausstellungsrundgang.

In das Vielraumquadrat! Neun Räume streng auf dem Quadrat organisiert, unterschiedlich lang, breit, hoch, unterschiedlich materialisiert und belichtet, acht Universen die sich beeinflussen. Keine Brücke dazwischen, alle Räume im gleichen Drinnen, Einheit bildend, verwandt aber doch anders.

Der erste Raum: Breite 8,5m, Länge:11,3m und Höhe 5,25m. Die Proportionen des Grundrisses ein Quadrat plus ein Drittel ergeben eine Quinte. Die Höhe ist zur kurzen Seite im Goldenen Schnitt. So ergeben sich angenehme Wände, nicht unwesentlich für das Hängen von Bildern. Gleichmäßiges Licht von eben garantiert optimale Wahrnehmung. Ein Fenster nach außen mit integrierter Sitzbank wird angeboten. Ein- und Ausgang in den Raum selbstverständlich wiederrum in der Proportion der zugehörigen Wand. Als Material wird weiß lasierter Beton mit geschliffener Oberfläche vorgeschlagen. Die seidige, helle Oberfläche ist neutral genug für die Präsentation und behält einen Hauch von Materialität.

Der zweite Raum entwickelt sich analog zum Ersten, Breite 7,7m, Länge:7,7m und Höhe 7,7m. Die Proportionen alle auf dem Quadrat aufgebaut. Alle Wände, der Ausblick mit Sitzbank und die beiden Übergänge sind natürlich auch quadratisch. Der Raum strahlt Ruhe aus. Fein Verputztes Mauerwerk weiß gestrichen – das Material aus dem dieser Raum gemacht ist.

Der dritte Raum hölzern, sensibel proportioniert. So geht es von Raum zu Raum, die jeweiligen Proportionen und Materialvorschläge finden sich auf den Plänen.

Die Übergänge sollen nicht unerwähnt bleiben. Man verlässt einen Raum durch die zur Wandproportion gehörende Öffnung. Der nächste Raum hat wiederum eigene Verhältnisse, also ist auch die Öffnung für das Eintreten in diesen Raum anders. Und diese beiden Öffnungen werden verschoben, so dass man den zu betretenden Raum schon von außen sieht und im Rückblick die Außenseite des verlassen Raums bleibt. Es entsteht ein spannender Rundgang, ein Raum verweist auf den nächsten.

Die neun Räume bilden zusammen mit der Brücke eine vielschichtige auf quadratischem Grundriss aufgebaute Landschaft. Die Kuben schweben über der Landschaft. Darunter zurückgezogen sind die Kunstvermittlung, das Depot und die Nebenräume organisiert. Sie funktionieren abgekoppelt vom Museumsbetrieb. Über Treppe und Aufzüge sind diese koppelbar.

ENTWURFSPROZESS

Der Entwurfsprozess sagt etwas über das Ergebnis: Ein Raster angelehnt an den Bestand wurde gewählt und die Feinheit schrittweise auf die richtige Körnung gestellt. 256 Quadrate ergeben die Gesamtfläche. Aufbauend auf diesem System konnten seriell Varianten produziert werden. Die Auswahl der Spannendsten, schrittweise Weiterbearbeitung, Selektion ergaben einen Favoriten. Dieser wurde proportioniert, in Spannung gesetzt, mit Öffnungen versehen und materialisiert. Der Prozess lief im Vorwärts- und Rückwärtsgang, Schritte wurden übersprungen oder wiederholt.

KONSTRUKTION

Das Gartengeschoss ist das tragende Geschoss. Es wird als massives Stahlbetonskelett ausgebildet mit tragenden Wandscheiben. Eine davor gespannte PfostenRiegelfassade bekleidet. Die neun Räume werden aufgestellt und materialecht in der für sie gewählten Materialität ausgeführt. Immer gilt, der Boden liegt auf dem Sockel auf und trägt die Außenwände. Diese tragen das Dach.

WIRTSCHAFTLICHKEIT

Die Realisierung des Projektes erscheint im angegebenen Kostenrahmen realistisch.

BARRIEREFREIHEIT

Ein Lastenlift als Teleskopbühne dient dem internen Museumstransport. Ein Lift und eine Treppe erschließt für Besucher und Angestellte barrierefrei. Die WCs sind auch für Personen im Rollstuhl nutzbar.

NACHHALTIGKEIT | ENERGIEEFFIZIENZ

Als öffentlicher Neubau kommt der Erweiterung des Josef-Albers-Museum eine Vorbildfunktion zu. Diese wird durch den Einsatz nachhaltiger Materialien und dem effizienten Energieeinsatz erreicht.