ERWEITERUNG GYMNASIUM
KIRCHHEIM | MÜNCHEN

nicht-offener Realisierungswettbewerb

Matthias Seyfert
Dietmar Moser

Florian Dessl
ARGE mit Caramel Architekten
Kuttner & Kahl (Landschaftsarchitektur)

04|2016 – 07|2016

ENTWURFSKONZEPT

Das bestehende Gymnasium ist in die Jahre gekommen, Bauten unterschiedlicher Epochen prägen den Ort. Eine Studie hat ergeben, dass ein Neubau sinnvoller als eine Sanierung und Erweiterung ist. So ergibt sich die Chance für die rasant wachsenden Gemeinden einen modernen Schulneubau zu realisieren, der neue Unterrichtsformen ermöglicht und der Bildung als Investition in die Zukunft ein sichtbares Zeichen setzt. Gleichzeitig gewinnt die Ortsentwicklung der Gemeinden Kirchheim und Heimstetten durch den neuen Ortspark und der daran angedockten Bildungsbauten weiter an Fahrt.

Der Entwurf öffnet sich vielfingerig nach Westen zum Ortspark. An die Straße im Osten rückt er nah heran. Nach Westen zum Park nimmt er Bezüge der gegenüberliegenden U-förmigen Wohnbebauung auf und treppt sich in die Landschaft ab. Zur Straße ist der Schulneubau geradlinig und ruhig. Diese beiden Seiten werden über einen durchgesteckten Vorplatz verbunden. Der Eingang für die neue Schule und die neue Turnhalle liegt genau zwischen diesen beiden Seiten. Es gelingt zum einen den Ortspark zu fassen, den nötigen Rahmen zu bieten, das Bildungsband weiter zu flechten und zum anderen Durchlässigkeit und Offenheit zu gewähren.

Der zwischen Straße und Park gespannte Vorplatz wird von Eingang und Tribüne der Turnhalle und von Eingang und Aula der Schule flankiert. Zur Straße läuft im oberen Geschoss teilweise die Schule drüber und es ergibt sich ein schöner gedeckter Vorplatz. Zum Park öffnet er sich. So ist alles an diesem Vorplatz versammelt, das Zentrum der Aktivitäten am Morgen vor Schulbeginn oder bei Sportveranstaltungen sowie bei Veranstaltungen in der Aula – Das Entreé des Neuen Gymnasiums.

ERSCHLIESSUNG

Über den Haupteingang betritt man die Schule. Vorbei an der tiefer liegenden Aula zur Rechten und der Bibliothek mit kleinem Café zur Linken geht es die breite Treppe hinauf zu den Klassen oder an diesen vorbei in die Mensa. So ist die übersichtliche Hauptkreuzung der Schule auch schon beschrieben. Erwähnt werden sollten hier noch großzügige Lufträume in das obere Geschoss, welche alles miteinander fließend verbinden und der Innenhof, welcher Aula und Mensa einen eigenen Ort bietet. Offenheit, Übersichtlichkeit, Transparenz, intuitive Orientierung und Kommunikationsförderer – das sind die Schlagwörter für diesen Bereich.
Südlich der Mensa, welche bewusst nicht als abgeschlossener Raum sondern als offene Zone im Verkehrsfluss – als Treffpunkt – ausgeformt ist, liegen um einen abgeschlossenen Innenhof die Fachklassen Kunst und Werken mit eigenem Außenbereich und das Lehrerzimmer. Dieses ist auf die Wünsche der Lehrer zugeschnitten. Es hat einen eigenen uneinsehbaren Außenbereich und bietet verschiedene Raumsituationen mit Arbeits- und Begegnungsbereichen. Eine kleine Küche mit Café ist Treffpunkt in den Pausen. Die Fachschaftsräume sind angedockt.

Die Verwaltung liegt direkt daneben. So ist alles funktional auf kurzem Wege miteinander verbunden, vom DirektorInnenzimmer über das Bücherlager mit Ausgabe bis zu den Räumen der Sozialarbeit. Weiter nach Norden wieder Richtung Aula liegen die Musiklehrsäle. Diese können für Veranstaltungen in der Aula als Nebenräume und zur Vorbereitung dienen. Wie in einem professionellen Theater oder Konzerthaus ist ein von den Zuschauern getrennter Künstlerauftritt mit allen nötigen Nebenräumen möglich. Die Zuschauer wiederrum finden die nötige Infrastruktur in den Pausen auf ihrer Seite. So ist die Aula während der Schulzeiten Dreh- und Angelpunkt mit Herz, aber kann sich zur Veranstaltungsstätte verwandeln.

Die große breite Treppe, zwei kleinere Treppen weiter Richtung Süden sowie eine Vielzahl von Lufträumen führen nach oben zur Langen Straße der Fachklassen und in die Jahrgangsbereiche hinein. Diese Straße wird durch Treppen in das darüber liegende Geschoss, durch Ausgänge ins Freie zum Park, durch die Lufträume nach unten und eingestreute Ruhezonen zum Hauptverteiler mit Aufenthaltsqualität. Bis zu 1300 Kinder müssen hier in ihren Raum finden, gleichzeitig ist Maßstäblichkeit und Menschlichkeit gefragt. So sind nach Osten alle Fachklassen aufgefädelt. Immer wieder durch Lufträume und Ausblicke gegliedert, ist eine ökonomische und räumlich spannende Ausführung garantiert.

Nach Westen bzw. über die vier kleineren Treppen nach oben geht es in die Wohnzimmer der Jahrgangsbereiche. Um diese legen sich die Klassenräume. Vor dem Wohnzimmer gibt es jeweils einen eigenen Außenbereich mit Vordach. Belichtet wird zusätzlich über Oberlichter. Die Wände zu den Klassen sind über zwei Türen öffenbar. Glasfenster beim Lehrer verbinden Klassenräume und Wohnzimmer miteinander. Individuelle wohnliche Möblierung im Jahrgangswohnzimmer schafft eigenständige Atmosphäre. Kurzum: Es werden Räume mit den unterschiedlichsten Qualitäten und individueller Konfigurierbarkeit angeboten, um einem breiten Spektrum an Lern- und Lehrmethoden Raum zu bieten. Grenzen zwischen verschiedenen Bereichen (Klassen, zentraler Lernbereich,..) werden möglichst variabel und unscharf ausgebildet, um die Nutzungsvariabilität nicht einzuschränken.

BRANDSCHUTZ = BILDUNGSLANDSCHAFT

Um diese offene Schule zu realisieren, ist ein innovatives Brandschutzkonzept unabdingbar. So wird vorgeschlagen, sämtliche Fluchtwege nicht über Treppen und Gänge im Inneren zu führen, welche wegen der Brandschutzvorschriften oft sehr technisch und kahl wirken, sondern aus jedem Raum direkt ins Freie auf einen außenliegenden Balkon zu fliehen. So kann die innere Erschließung der Schule wohnlich und offen ausgebildet werden und die außenliegenden Fluchtbalkone mit den angedockten Treppen werden zum Markenzeichen des Gebäudes. Zum Park Richtung Osten werden diese Balkone aufgeweitet zu Terrassen, verbinden Innen und Außen, Schule mit Park, Gebäude und Landschaft.

Die Geländerverkleidungen aus vertikalen Holzlamellen umkurven charmant als Bänder das Gebäude.
Der Eingang zur Turnhalle liegt gedeckt am Vorplatz. Bei Veranstaltungen kann die Tribüne auch direkt zu diesem geöffnet werden. Unter dem Vorplatz liegen Umkleiden, Duschen und Nebenräume. Die vierfach teilbare Turnhalle mit Geräteräumen schließt an. Belichtet wird über die Seite der Tribüne und über Fenster im Norden. Eine robuste und sachlich-praktische Umsetzung ist geplant.

KONSTRUKTION | MATERIALITÄT

Das gesamte Gebäude wird als Stahlbetonskelettkonstruktion mit Stützen und aussteifenden Wandscheiben realisiert. Unter der Erde liegende Bauteile werden komplett in Stahlbeton errichtet. Die Außenfassade besteht aus Bereichen großzügiger Pfosten-Riegelverglasung mit vielen Öffnungsmöglichkeiten und aus geschlossenen vorgehängten Holzsandwichelementen mit angehängten Fluchtbalkonen. So kann eine wärmebrückenfreie Fassade unter weitestgehendem Vermeiden aufwändiger Isokörbe und Spezialbauteile realisiert werden.
Der Innenausbau erfolgt im Trockenbau. Für Türen, Geländer und Böden sollen robuste, natürliche Materialien eingesetzt werden – Holz und geschliffene monolithische Platte – deren Farbigkeit dem ganzen Gebäude eine angenehme, ungefärbte Wohnlichkeit verleihen. Die Decken sind unverkleidet mit Sichtinstallation geplant. So kann jederzeit nachgerüstet und adaptiert werden und die speicherwirksame Bauwerksmasse der Betondecken wird genutzt. Aus akustischen wie aus optischen Gründen werden unter diese Installationsebene runde Absorberelemente aus Akustikmaterial abgehängt. Im Zusammenspiel mit runden Leuchten ergibt sich so eine individuelle und preiswerte Deckenlösung.