MODERNISIERUNG
TOURISMUSSCHULE KLESSHEIM,
SALZBURG

nicht-offener anonymer Wettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

3. Preis

Dietmar Moser
Matthias Seyfert
Julia Grims

Jörn Besser (Rendering)
Maximilian Hackl (Modellbau)
Team GMI (Energiekonzept)

04|2013 – 06|2013

ENTWURFSKONZEPT

Mit dem Neubau der Tourismusschule Klessheim entsteht ein Ort, welcher dem Weltruf der Tourismusschulen Salzburg und den Bedürfnissen der SchülerInnen und Lehrenden gerecht wird. Das bestehende Internat wird aufgestockt und an einer Seite verlängert. Ein L-förmiger Baukörper entsteht, dem die neue Schule ebenfalls L-förmig gegenüber steht. Ein geschützter Campus bildet das neue Zentrum und die neue Adresse der Schule. Die Internatserweiterung ist im Erdgeschoss als Arkade ausgebildet und eröffnet einen gedeckten Zugang von Süden über die Klessheimerstraße. Der bestehende Zugang vom Parkplatz im Osten bleibt erhalten, sowie der Weg von Norden über die Brücke des Mühlbaches. Die Tourismusschule und Internationale Schule kann in zwei Bauetappen errichtet werden. Die unterschiedlichen Schultypen werden zentral über den Campus betreten. Im Gebäude begrüßt ein mehrgeschossiger Luftraum mit großzügiger Sitztreppe. Dieser verbindet die Geschosse und bildet das Herz der Schule. Im Erdgeschoß entsteht eine offene Zone von Auditorium mit großzügig gedecktem Freibereich, Garderoben, Schulbuffet und dem gastronomischen Bereich. Ein Verschmelzen dieser Zonen ermöglicht ein flexibles Raumangebot für den Schulalltag, Feste, Vorträge, externe Veranstaltungen etc. Das Zusammenspiel von Innen- und Außenraum bietet spannungsvolle Blickpunkte und schafft vielfältige Raumqualitäten. Über die belebte Sitztreppe gelangt man in die Obergeschosse. Mit Ausblick zum Campus liegen die freien und offenen Räume, nach Norden und Westen sind die klassischen Unterrichtsräume aufgereiht. Der große Luftraum und offene Lernbereiche schaffen über alle vier Geschosse eine flexible und anregende Lernlandschaft. Es gibt extrovertierte Kommunikationszentren und Rückzugsinseln. Im obersten Geschoss liegen Sonderräume, LehrerInnenbereich und die Verwaltung. Im UG sind Garderoben, Neben- und Technikräume untergebracht.

RUHENDER VERKEHR

Die Oberflächenstellplätze werden zum einen im Westen über die Zufahrtsstraße angeboten, zum anderen wird der bestehende Parkplatz im Osten erweitert. Fahrräder und Mopeds bekommen gedeckte Abstellflächen an der Südseite des Grundstückes. So ist kein extra Garagengebäude notwendig, was die knappen Baukosten unnötig belasten würde.

FASSADE

Die gesamte Schule wird von einem Holzschindelkleid umhüllt. Diese traditionelle Fassade wird mit Fensterbändern in den Klassenzimmern und großzügigen Fensterflächen in den öffentlichen Bereichen ergänzt. Das Vor- und Rückspringen ausgewählter Fensterelemente belebt die Fassade und bringt für den Innenraum einen Mehrwert für die NutzerInnen. Das tiefe Parapet kann als Sitzfläche, Ablage oder Stauraum adaptiert werden. Das Internat wird als Pendant in eine weiße traditionelle Putzfassade gehüllt. Tradition wird somit in einen modernen Kontext gestellt.

FREIRAUMKONZEPT

Baumgruppen strukturieren die Flächen, sie begleiten Wege, bilden Kulissen und lassen die Jahreszeiten spüren. Zugänge sind mit (annähernd) fugenlosem Beton überzogen, Platzflächen werden als wassergebundene Kiesflächen ausgeführt und die Terrassen werden mit Holz belegt. Sitzmöbel werden zu skulpturalen Elementen, zonieren in unterschiedlicher Größe die verschiedenen Freiräume und bieten Warte- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Vielfältige Freiraumqualitäten von Aktivitätszonen (»Campus«), Treff- bzw. Kommunikationsbereichen (»Forum«) und »Ruheoasen« erweitern den vorhandenen Naturraum entlang des Mühlbaches.

KONSTRUKTION

Konstruktiv ist das gesamte Gebäude als Stahlbetonskelettkonstruktion mit tragenden Stützen und aussteifenden Kernen bei den Treppenhäusern geplant. Die Fassade wird als hochgedämmtes Holzsandwichelement wärmebrückenfrei vorgehängt. Der hohe Vorfertigungsgrad sichert ökonomische Realisierung. Die Nachhaltigkeit ist unter anderem durch Verwendung von Holz, die gute Dämmung, sowie weiteren sorgfältig ausgewählten Baustoffen gewährleistet. Ressourcenschonende Realisierung, robuste und dauerhafte Ausführung und Flexibilität bei sich ändernden Anforderungen werden ermöglicht.

ENERGIEKONZEPT

1. NUTZUNG LOKALER RESSOURCEN

Die solare Einstrahlung wird passiv über optimierte Fensterflächen und aktiv über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach genutzt.

2. THERMISCHE GEBÄUDEHÜLLE

Bei der Ausarbeitung der Gebäudehülle wurde viel Wert auf die Materialwahl der Baustoffe hinsichtlich Energie und Ökologie gelegt. Die gesamte thermische Hülle ist so dimensioniert, dass sie die Anforderungen an Heizwärme- und Primärenergiebedarf erfüllt. Hohe Dämmstärken an Außenwand, Dach und Boden mit U-Werten zwischen 0,10 und 0,15 W/m2K.

Die Fensterkonstruktionen sind in einer 3-Scheiben-Isolierverglasung mit einem U-Wert von 0.6 W/m2K, einem gedämmten Rahmen mit U-Wert 1.2 W/m2K und einem außenliegenden Sonnenschutz geplant.

3. GEBÄUDETECHNIK

KÜHLTECHNIK

Das Gebäude wird ohne Kühltechnik realisiert. Durch einen einstrahlungsgesteuerten außenliegenden Sonnenschutz kann eine sommerliche Überhitzung vermieden werden. Für eine natürliche Nachtlüftung im Sommer werden opake Elemente in der Fassade als Dreh-/Kippflügel ausgeführt, diese können händisch oder auch mechanisch automatisiert geöffnet werden.

Die kühlere Nachtluft kann durch das Gebäude streichen und die Speichermasse der massiven Bauteile thermisch entladen. Somit kann ein Teil der tagsüber anfallenden Wärmelasten absorbiert werden.

HEIZTECHNIK

Schulgebäude:
Die Wärmeversorgung für Raumheizung und Warmwasserbereitung erfolgt über den bestehenden Fernwärmeanschluss. Als Wärmeabgabesystem kommt ein glatter Heizkörper unter dem Fensterelement zum Einsatz. In den offenen Großräumen wie Aula, Aufenthaltsbereiche und die Bibliothek ist eine Fußbodenheizung vorgesehen.

Internatsgebäude:
In den Zimmern ist jeweils ein Heizkörper vorgesehen welcher mit Fernwärme gespeist wird. In der Erschließungszone sowie in den allgemeinen Flächen wie die Cafeteria ist eine Fußbodenheizung vorgesehen.

LÜFTUNGSTECHNIK

Das Schulgebäude wird mit einem mechanischen Lüftungsgerät mit WRG ausgestattet. Die Kanalaustritte aus den Steigzonen erhalten jeweils Brandschutzklappen. Die Luft wird im unbelasteten Außenbereich. Die Zuluft Verteilung erfolgt über eine abgehängte Decke im Gangbereich, die Zulufteinbringung in die Klassenzimmer erfolgt mittels Weitwurfauslässen im Eingangsbereich der Klassen. Die Luftmenge ist mit 30m3/hPerson dimensioniert. Diese Luftmenge entspricht der Menge die erforderlich ist um eine CO2 Konzentration von 1000-1500 ppm nicht zu überschreiten – daraus folgt eine höchste Raumluftqualität. Die Luft wird über eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von 80% temperiert. Die verbrauchte Raumluft wird an der Decke abgesaugt und gelangt über ein Abluftrohrsystem zum Lüftungsgerät. Das Internatsgebäude kann optional mit einem eigenen Lüftungsgerät ausgestattet werden. Ansonsten erfolgt eine natürliche Belüftung über Fenster.

PHOTOVOLTAIKANLAGE

Es wird eine hocheffiziente Photovoltaikanlage auf dem knapp 2000 m2 großen Dach installiert. Angestrebt wird Nullemission des Schulgebäudes für Heizen, Kühlen, Lüften, elektrische Arbeitshilfen und Kunstlicht.

4. TAGESLICHT – KUNSTLICHT

Durch die Optimierung der Fassadenverglasung und der Anordnung der Oberlichter ist sowohl in den Klassenräumen als auch in der Gangzone eine gute Tageslichtqualität gewährleistet. Somit kann der Anteil an Kunstlicht minimiert und ein großer Teil des Tageslichts genutzt werden. Damit kann der strombezogene Energiebedarf deutlich reduziert werden. Ein einstrahlungsgesteuerter Sonnenschutz mit Lichtlenkfunktion sorgt auch bei geschlossenem Zustand für ausreichend Tageslicht.