BEWERBUNG OLYMPISCHE UND
PARALYMPISCHE WINTERSPIELE 2018

Planungswettbewerb für das Olympische
Dorf und das Mediendorf München

anonymer EU-weit einstufiger,
nicht offener Planungswettbewerb
(Bewerbungsverfahren)

Matthias Seyfert
Paul Wichert
Dietmar Moser
Susanne Seyfert

Julia Grims
Jörn Besser (Rendering)

08|2010 – 10|2010

ENTWURFSKONZEPT OLYMPIA 2018

Der Olympiapark bekommt eine poetische Erweiterung. Ein Landschaftsnetz, eingestreute Wohnhäuser, mal lang und dünn, mal flach und breit, geknickte Häuser umsponnen von einem Gewebe, gerade Häuser mit weit auskragenden Balkonen - das sind die Akteure für 2018. Damit rückt das neue Olympiadorf nah an die bestehende Olympiaparklandschaft und ihre berühmten Olympiabauten. Nah im Sinne: »geformte Landschaft kombiniert mit starken Baukörpern«

STÄDTEBAU – OLYMPISCHES DORF

Das neue Olympische Dorf entwickelt sich aus den Gegebenheiten des Ortes. Zur stark befahrenen, lauten Dachauer Straße schließt ein zweigeschossiger Baukörper das gesamte Gebiet ab. Auf dem Bauplatz gibt es schöne Baumbestände, die erhalten werden. Der Entwurf sieht daher Punkthäuser vor, die zwischen den Bäumen spielerisch auf das gesamte Areal verteilt stehen. Im Süden stehen sie dichter, da weniger Bäume vorhanden sind. Sie sind nicht so hoch, um sich gegenseitig nicht zu verschatten. Im Norden werden die Abstände der Punkthäuser größer, da die Bauplätze im Park zwischen den Bäumen liegen. Dafür sind sie höher, da der Blick über die Baumkronen lohnt. Im Zentrum des Dorfes wölbt sich die Landschaft nach oben und wird zu einem feinen Netz. Die Wohnlandschaft liegt auf dem Netz, die olympische Stadtlandschaft darunter. Oben laufen Fußwege, es gibt Verweilzonen und differenzierte Freiräume, man trifft den Nachbarn. Unten pulsiert Olympia.

OLYMPISCHE PLAZA

Zwischen Olympischem Dorf, Mediendorf und Olympiapark liegt die Plaza und ist so für Sportler, Journalisten und Offizielle auf kurzen Wegen erreichbar. Passiert man die Kontrollpunkte, überblickt man den Kessel der Plaza der sich zum Amphitheater absenkt. Kleine Module in leichter Bauweise nehmen Geschäfte und Dienstleistungsangebote auf. Assoziationen zu einem Weihnachtsmarkt des 21. Jahrhunderts sind erlaubt. Das Amphitheater ist in die Landschaft gelegt und filigran überdacht.

STÄDTEBAU – MEDIENDORF

Das Mediendorf ist durch den sechsgeschossigen Zeilenbau zur dicht befahren Schwere-Reiter-Straße geschützt. Zur Emma-Ihrer-Straße wird durch die Bebauung eine Straßenflucht gebildet. Hinter diesem L-förmigen Rücken stehen locker verteilt Punkthäuser und Zeilen. Richtung Grünraum nimmt die Bebauung ab, die Grenze verwischt. Die Erdgeschosszonen sind teilweise ausgespart. Es entsteht ein Zentrum mit gedeckten Zugängen und geschützten Gemeinschaftsräumen. Der Kreisverkehr bleibt Richtung Park geöffnet. Die Bebauung weicht zurück und formt ein Entree.

STÄDTEBAU – KERNGEBIETSTYPISCHE NUTZUNG

Das Baugebiet »Kerngebietstypische Nutzung« für die Bundeswehr hat einen Sockel, eine straßenseitige Bebauung und eine Bebauung parallel zu dieser. Ein langer Zwischenraum entsteht innerhalb der Baukörper. Die Höhenentwicklung der Bebauung passt sich an die Umgebung an. Ein 75 Meter hoher Turm setzt eine Landmark an der Straßenkreuzung.

Im zweigeschossigen Sockel sind Zugang und Verteilung sowie Besprechungs- und Konferenzräume und dienende Funktionen untergebracht. In den oberen Geschossen sind Büroflächen als Kombibüro untergebracht. Der langgezogene Zwischenraum wird begrünt und dient in den Pausen den Nutzern als Park.

OLYMPIA – POSTOLYMPIA

Ein Schwerpunkt des Entwurfs ist der weitgehende Verzicht auf temporäre Bauten. Der Neubau eines olympischen Dorfes mit allen seinen dienenden Funktionen soll einen Mehrwert für die spätere Nutzung als Wohngebiet bringen. So liegen die olympischen Nutzungen unter dem Landschaftsnetz und bilden eine Stadt unter der Wohnstadt. Diese olympische Stadt wird nach Olympia eine urbane Stadtlandschaft mit kleinen Geschäften, Cafés und Büros. Die Wohnstadt der Sportler wird durch minimale Transformationen der Wohnungen die Wohnstadt der MünchnerInnen. An der Dachauer Straße sind über zwei Geschosse großflächigen Nutzungen untergebracht. Zur Olympiade als Mensa, Hauptanlieferung, Sportkomplex und Büro genutzt, sind nach Olympia Gewerbeflächen mit regionalem Bezug direkt an der Straße möglich. Die Gebäude der Plaza sind als leichte Bauwerke transportierbar, zu größeren Einheiten koppel bar und für das Tollwoodfestival oder Jahrmärkte wiederverwendbar. Die Empfangsgebäude und die gesamten Zufahrten werden rückgebaut.

HAUSTYP OLYMPISCHES DORF

Im Olympischen Dorf gibt es einen Haustyp der vielfältig variiert wird. Grundidee ist das gestapelte Einfamilienhaus. Alle Häuser haben einen Kern, in dem die warmen Räume liegen. Ein umlaufender Balkon ist sozusagen der Garten. In großzügig dimensionierten Aufzügen kann man mit dem Rad auf den Balkon fahren und direkt in die Wohnung gehen. In unterschiedlich hohen Häuser wohnt man in den Baumkronen oder darüber, auf jeden Fall mitten im Park. Wohnungsgrössen von 37 bis 110 Quadratmeter mit verschiedenen Wohnformen werden für unterschiedlichste NutzerInnen interessant – ein plurales Wohngebiet wird angestrebt. Im Süden sind die Häuser bis sechs Geschosse hoch. Richtung Norden unter dem Landschaftsnetz ist im Erdgeschoss eine öffentliche Funktion. Darüber stapeln sich die Wohngeschosse zu echten Wohnhochhäusern mit bis zu 15 Geschossen. Die umlaufenden Balkone werden über alle Geschosse von einem intelligenten Gewebe verhüllt. Dieses hat viele Funktionen: Absturzsicherung, Rankgerüst, Sichtschutz und könnte Lichtlenkung, Sonnenschutz ... übernehmen – eine in die Zukunft weisende Aufgabe für Textilindustrie und Forscher.

HAUSTYP MEDIENDORF

Im Mediendorf wurde vereinzelt der Haustyp des olympischen Dorfes eingesetzt, um den Bezug zu Olympia zu betonen. Zusätzlich gibt es den Grundriss mit nach Norden orientiertem Treppenhaus als Dreispänner bzw. gekoppeltem Dreispänner. Fast alle Wohnungen sind mindestens nach zwei verschiedenen Himmelsrichtungen orientiert, die Wohnräume sind durchgesteckt von zwei Seiten belichtet. Die Erdgeschosse sind teilweise frei gehalten. Es ergeben sich gedeckte Flächen, die mit den öffentlichen Grünflächen in Dialog treten.

Der öffentliche Raum fließt im Erdgeschoss durch das gesamte Mediendorf und schafft differenzierte Kommuniaktionsflächen für den sozialen Austausch. Fassaden mit natürlichen Oberflächen in warmen Tönen ergeben ein angenehmes Quartier.

RESSOURCENSCHONENDE KONSTRUKTION

Im olympischen Dorf liegt die Landschaftsnetz auf einer leichten Stahlbetonschale. Die Gebäude sind als Stahlbetonskelettkonstruktion errichtet und mit vorgefertigten Holzsandwichelementen hochdämmend verkleidet. Die Gebäude der Plaza und der Operational Zone sind als Leichtbauten errichtet, da diese nur temporär genutzt werden. Das Mediendorf wird als Skelett in Stahlbeton gebaut. Die Fassade besteht aus hochdämmenden Holzsandwichelementen. Für alle Bauteile gilt der Grundsatz den Primärenergieeinsatz so gering wie möglich zu halten.

FREIRAUMKONZEPT

Für das gesamte Areal wird ein zusammenhängendes Freiraumsystem entwickelt: thematische Inseln prägen den Freiraum, schaffen Identität und sind von hohem ökologischen Wert.

BAUMINSELN – Die bestehende Parklandschaft im Bereich des olympischen Dorfes wird in baumbestandene Inseln zoniert. Dadurch kann der wertvolle Bestand erhalten bleiben.

GRÄSERINSELN – WIESENINSELN – Das Areal des olympischen Dorfes wird in eine grasbewachsene Hügellandschaft eingebettet. Die sanft modellierte Topografie verleiht dem Ort ein eigenes Gepräge. Im Sommer zieren Gräser die Hügel, im Winter tritt die Form der Landschaft deutlich zutage. Diese Gräser findet man auch im übrigen Gelände, als nicht gemähte Inseln innerhalb von Rasenflächen oder als unberührte Zonen in der Parklandschaft verstreut.

SCHOTTERINSELN – Die ökologische und gestalterische Vielfalt des Ortes wird aufgenommen und formal weiterentwickelt. Die großen Schotterflächen (Tollwoodgelände) bleiben erhalten, sie tauchen inselartig immer wieder auf und werden so zu gestalterischen Flächen mit einer eigenen Fauna und Flora.

WASSERINSELN – Naturnahe ausgestaltete Wasserflächen werden als zusätzliche Bereicherung errichtet und zitieren den bestehenden Olympiapark.

GARTENINSELN – Bei Bedarf können einzelne Flächen als Zier- oder Nutzgärten ausgewiesen werden. Hier wachsen Ziersträucher, Blumen, Kräuter oder Obst und Gemüse.

BAUMGRUPPEN – Der wertvolle Baumbestand auf dem gesamten Areal bleibt erhalten, auch die anderen Baumgruppen sollen weitgehend bestehen bleiben. Neupflanzungen erfolgen ausschließlich aus eng stehenden Baumgruppen je einer Pflanzenart. So wird das Nebeneinander von Alt und Neu thematisiert, Pflanzenarten aus aller Welt können hier Platz finden und somit auch einen olympischen Gedanken vermitteln.