BUNDESSCHULZENTRUM RIED

anonymer EU-weit offener Wettbewerb

3. Preis

Dietmar Moser
Matthias Seyfert
Andreas Sturmberger

Jörn Besser (Rendering)

06|2007

AUFGABENSTELLUNG

Ziel des EU-weit, offenen, einstufigen Wettbewerbes waren baukünstlerische Vorentwurfskonzepte für die Sanierung und Erweiterung des Bundesschulzentrums Ried im Innkreis.

GROSSZÜGIKEIT IM INNEREN

Die bestehende Schule besticht in Ihrer Struktur durch Klarheit und Großzügigkeit. Verstellt wird dieser Eindruck derzeit durch über die Jahre entstandene Einbauten. Der Entwurf entfernt diese und rückt den Innenhof - Umbau zum Wasserhof - ins Zentrum. Der das einfallende Licht reflektierende Wasserhof gibt der Anlage eine neue spektakuläre Mitte, die den Eintretenden empfängt. Die zum Eingang orientierte zweigeschossige Aula, der Baumhof, das Lern- und Infozentrum erweitern diese neue Mitte zu einer einfachen und zugleich komplexen Sequenz - das Entree in die Schule. An wenigen aber wohlgesetzten Orten kommuniziert die Schule nach außen. Die Fensterbänder werden in diesen Bereichen durch raumhohe Verglasungen ersetzt. Glaswände bzw. komplette Öffnung zum Gang bringen Licht und Ausblicke in die Schule.

NEUBAU AUF DEM DACH

Der zusätzliche Flächenbedarf wird in einem neuen Geschoss realisiert. Die wohlproportionierten Raumstrukturen aus den unteren Ebenen werden im neuen Geschoss übernommen. Die entfallenden Erdarbeiten für Zu- und Anbauten schaffen Spielraum im Kostenrahmen und erhöhen die Wirtschaftlichkeit.

EINE SCHULE - DREI SCHULEN

Die vorhandene Teilung der Schule in HAK, KIGA und HBLW bleibt erhalten. Die HAK in den oberen Geschossen ist klar von der HBLW auf der westlichen Gebäudeseite getrennt. Die Schule für Kindergartenpädagogik auf der Ostseite ist über eine interne Treppe vollständig autark benutzbar. Der Kindergarten im Norden ist etwas abgesetzt mit der Schule verbunden. Die neuen Freibereiche im Norden gewährleisten unbeeinträchtigten Schulbetrieb.

NEUE ALTE SCHULE

Die typische horizontale Fassadenbänderung wird beibehalten. Durch moderne Neuinterpretation wird dem Baukörper die Härte genommen. Die außenliegende Verschattung verschmilzt im geschlossenen Zustand mit den großformatigen Fassadentafeln und schafft einen optisch leichten Baukörper. Punktuell eingesetzte großformatige Glasfelder - Ausblicke für Aufenthalts- und Lesebereiche - brechen das strenge System der Fassade und gewähren Einblick in die Schule. Der Vorplatz wird durch Freibereiche für Aula und Speisesaal aufgewertet. Das Schließen des Steinhofes zum großen Vordach klärt den Eingangsbereich und schafft einen Kindergartenhof.

FLUCHTWEGE

Die bestehenden Stiegenhäuser können im Brandfall mit Schiebetoren abgeschottet werden. Zusätzlich gibt es auf der Südseite zwei neue Fluchtstiegen.

BAUABLAUF

Die Aufstockung erfolgt bei laufendem Schulbetrieb. In den Schulferien wird die Verbindung zum Bestand hergestellt. Schrittweise erfolgt die Sanierung ohne dass eine Containerschule nötig wird.

HAUSTECHNIK

Alle Räume erhalten eine kontrollierte Be- und Entlüftung. Um lange Leitungsführungen und Kreuzung des Betonträgerrostes zu vermeiden, werden die an der Fassade liegenden Räume dezentral gelüftet. Die Lüftungsgeräte sind nicht sichtbar im Trägerrost eingebaut. Die Lüftungsauslässe sind in der Fassade integriert.

STATIK

Die Struktur der Aufstockung passt sich an die unteren Geschosse an. Es sind weder Stützen noch Fundamente zu verstärken. Eine Verstärkung der Decke über OG2 durch die höhere Nutzlast gegenüber Flachdachnutzung ist unwahrscheinlich bzw. mit Lamellenverstärkung leicht realisierbar. Jahrelange Konsolidierung des Bodens unter den Fundamenten und die Zunahme der Betondruckfestigkeit seit der Bauwerkserrichtung begründen diese Annahme.